Schwarz auf weiß #28: ANNA KARENINA (1935)

Kaum zu glauben, aber Keira Knightley war nicht die erste Frau, die der russischen Figur Leben einhauchte. Greta Garbo machte es sogar zweimal. Schon 1927 verkörperte sie Anna Karenina in dem Stummfilm LOVE, viel bekannter ist allerdings das Werk von Clarence Brown aus dem Jahr 1935. Produziert wurde das Ganze von David O. Metro-Goldwyn-Mayer.

Und aufgrund des Fehlens von Farbe, schafft er es diesen Monat in meine kleine farblose Rubrik. Weiter zum Film

Schwarz auf weiß #27: CONTROL (2007)

Biopics sind eine komplizierte Sache. Wenn die Macher den Protagonisten nicht in- und auswendig kennen, wird es schwer, wirklich authentisch zu sein. Dieses Problem hat CONTROL nicht. Der Film über das Leben von Ian Curtis, Frontmann der Band Joy Division basiert auf dem Buch „Touching From a Distance“ von Curtis Witwe Deborah Curtis und Regie führte der Fotograf Anton Corbijn, der Curtis persönlich kannte und die Band fotografiert hatte. Ein gutes Grundrezept, das in der Umsetzung nur noch besser wurde.

 

Nur ein leidender Künstler ist ein guter Künstler

Einer meiner Lieblingsromane „Vincent“ von Joey Goebel handelt von der Annahme, dass nur ein leidender Künstler wirklich großartige Kunst erschaffen kann. Leider erweist sich das immer wieder als wahr. Die düstere Musik von Joy Division wäre anders wohl nie entstanden.

Die Handlung von CONTROL verfolgt chronologisch das kurze Leben von Ian Curtis (Sam Riley). Für ihn ist das Leben in einem grauen Wohnblock in der Nähe von Manchester zu wenig. Aber zunächst fügt er sich seinem Schicksal. Er verliebt sich jung in Debbie (Samantha Morton), heiratet und bekommt ein Kind. Um die Familie zu ernähren, arbeitet er auf dem Arbeitsamt. Aber als er die Gelegenheit bekommt, Sänger einer Band zu werden, ergreift er die Chance sofort und die Band Joy Division entsteht. Ians düstere Stimme macht die Band schnell auch außerhalb ihrer Heimatstadt bekannt und so bekommen sie schnell einen Manager und Auftritte.

Mit dem Erfolg kommt aber auch ein Schicksalsschlag. Ian hat Epilepsie und die Anfälle treten auch auf der Bühne auf. Während die Band immer bekannter wird, lernt Ian die Belgierin Annik (Alexandra Maria Lara) kennen und beginnt eine Affäre mit ihr. Wenig überraschend gefährdet das seine Ehe.

Die Medikamente, seine Eheprobleme und die Epilepsie machen Ian depressiv. Seine Frau will die Scheidung und auch der Druck der anstehenden Tour machen ihm zu schaffen. Nach einem Streit wirft Ian Debbie hinaus. Am nächsten Tag erhängt er sich. Ian Curtis wurde 23 Jahre alt.

 

Vom Foto auf die Leinwand

Wenn ein Fotograf Regie führt, erwartet der Zuschauer eine außergewöhnliche Bildästhetik und Anton Corbijn liefert genau das. CONTROL ist ein Film vollgeladen mit dunklen Emotionen und Musik – in Farbe hätte dies nicht die gleiche Wirkung erzielt. Außerdem ist es nur konsequent für einen Künstler, der vorrangig schwarz-weiß fotografiert hat, dies auch in sein Regiedebüt mitzunehmen. Außerdem hält Corbijn stets einen gewissen Abstand zu Curtis. Er kann und will die Rätselhaftigkeit dieses Talents nicht auflösen und versucht es gar nicht erst. Er hält den Mythos aufrecht, ohne jedoch die Geschehnisse zu beschönigen.

Sam Riley verkörpert Ian Curtis. Riley war zuvor ein recht unerfolgreicher Rockmusiker, der sich mit einfachen Jobs über Wasser hielt, bis er für CONTROL gecastet wurde. Die wenige Erfahrung mit der Schauspielerei merkt man ihm nicht eine Sekunde an. Er verkörpert den komplexen Charakter unfassbar authentisch und zeichnet ein detailliertes Bild über einen Menschen, der in allen Bereichen seines Lebens buchstäblich die Kontrolle verliert. Auch der restliche Cast ist nicht schlecht, aber keiner kommt auch nur in die Nähe von Rileys Leistung.

Für mich ist CONTROL nicht gerade leichte Kost, aber immer wieder sehenswert. Obwohl viel Musik der Band zu hören ist, halte ich es nicht für einen Musikfilm. Es ist ein Film, der versucht einen Mann etwas zu erklären, dessen Einfluss auf die Musikwelt so immens war, obwohl es Joy Division gerade mal drei Jahre lang gab. Nicht nur für Fans der Band ein Muss.

In eigener Sache: Neue Entwicklungen beim Filmaffen

Ja, normalerweise wende ich mich selten direkt an unsere Leser, um nicht über Filme, sondern über den Filmblog zu sprechen. Meist ist dies gegen Ende des Jahres mit einem Feedback der Fall. Nun steht jedoch eine kleine Zäsur beim Filmaffen an. Die Arbeitswelt ruft immer lauter und viele von uns haben nicht mehr so viel Zeit. Doch keine Sorge: Der Filmaffe wird weiterleben. Nur an der einen oder anderen Stelle in abgespeckter Form. Weiter im Text

Schwarz auf Weiß #25: FRANCES HA (2012)

Heute Abend schau ich mir LADY BIRD an. Ich freu mich schon lange auf den Film mit Saoirse Ronan. Grund genug mal einen Blick auf die Regisseurin Greta Gerwig zu werfen, denn durch einen glücklichen Zufall war sie bereits Teil eines schwarz-weiß Films. Für FRANCES HA übernahm sie 2013 die Hauptrolle und schrieb zusammen mit Regisseur Noah Baumbach das Drehbuch. Schwarz auf Weiß #25: FRANCES HA (2012)Weiterlesen

Schwarz auf weiß #24: ED WOOD

Diesen Monat gehe ich in der Geschichte nicht allzu weit zurück. Ich möchte den Film ED WOOD von Tim Burton vorstellen. ED WOOD stammt aus dem Jahr 1994, daher ist das schwarz/weiß offensichtlich ein Stilelement und keine technische Gegebenheit. Tim Burtons Besetzung beinhaltete seinen alten Freund Johnny Depp, Sarah Jessica Parker und Martin Landau, der für seine Darstellung einen Oscar bekam.

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Kinotopia Now #6: Remakes, Prequels & Sequels – Teil 1

Beschäftigt man sich intensiver mit der Kinolandschaft, fällt einem eine Entwicklung auf, die in den letzten Jahre scheinbar immer mehr zunimmt: Statt durch neue Geschichten Begeisterung auszulösen, setzt vor allem das Mainstream-Kino auf Fortsetzungen und Neuauflagen. Ein Trend, der, betrachtet man die Filmgeschichte im Ganzen, eigentlich immer schon da war.

Doch das Filmangebot wird Weiter im Text

Im Rampenlicht #3: Jaume Collet-Serra

Er ist kein Mann der großen Blockbuster. Er ist eher der Mann für kleinere Thriller – Jaume Collet-Serra. Obwohl viele den ein oder anderen seiner Filme kennen werden, ist sein Name noch nicht in aller Munde. Oft wandelt er auf den Spuren Hitchcocks, erzählt lieber spannende Geschichten als sich um ihre Glaubwürdigkeit zu scheren. Doch er beherrscht sein Handwerk und macht aus Filmen, die langweiliger Trash hätten werden können, interessantes, beachtenswertes Kino. Früher hätte man Weiter im Text

Schwarz auf weiß #22: LOLITA (1962)

Der Begriff „Lolita“ steht bis heute für eine junge Frau, die bewusst ihre Sexualität einsetzt, um ihre Ziele zu erreichen. Es ist eine verstörende Mischung aus Kindlichkeit und sexueller Reife. Die Verbindung von dem Kosenamen Lolita mit dem Begriff Kindfrau entstammt aus dem Roman „Lolita“ von Vladimir Nabokov. Die Geschichte aus dem Jahr 1955 war ein Skandal. Der Autor und Literaturprofessor Nabokov bot sein Werk verschiedenen Verlagen an und wurde abgelehnt, bis er schließlich einen kleinen französischen Verlag fand, der es veröffentlichte. Das Buch wurde zum Bestseller, auch wenn es sehr kontrovers diskutiert und vielerorts verboten wurde. Es machte Nabokov zum Star.

Für die Verfilmung des Stoffes durch Stanley Kubrick 1962 verfasste Nabokov auch das Drehbuch. Dieses war jedoch so lang, dass daraus Weiter im Text