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UNDER THE ROSE (2017)

„Eine moderne Variante von FUNNY GAMES“, prangt auf dem Cover des spanischen Thrillers UNDER THE ROSE. Durch diesen Vergleich mit Michael Hanekes grausamen Film von 1997 wird zweierlei erreicht: Zum einen werden die Erwartungen hochgeschraubt. Zum anderen wird ein brutaler Film voll physischer und psychischer Gewalt angekündigt.

Ganz so grausam wird es in UNDER THE ROSE dann letztendlich nicht, zumindest nicht für Genre-erfahrene Zuschauer. Zartbesaitete (vor allem, was das Thema Zähne angeht) sollten allerdings vorsichtig sein. Denn auch wenn selten die Durchführung der Gewalt gezeigt wird, wird das Ergebnis dieser Gewalt sichtbar. Mehr als um äußere Gewalt geht es in UNDER THE ROSE allerdings um innere.

INHALT

Nach einem morgendlichen Streit mit der Mutter kommt die zehnjährige Sara am Nachmittag nicht von der Schule nach Hause. Vater Oliver (Pedro Casablanc), Mutter Julia (Elisabet Gelabert) und Bruder Alex (Zack Gomez, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Menderes Bagci hat) melden sie als vermisst und setzen alle Hebel in Bewegung, um sie zu finden. Doch nach 24 Stunden ist von ihr immer noch keine Spur.

Da erhält die Familie einen Brief von einem Unbekannten. Er habe Sara in seiner Gewalt und komme um Mitternacht zu der Familie, um mit ihnen zu sprechen. Die Polizei dürfe nicht eingeschaltet werden. Die Familie hält sich an die Vorgaben und in der Nacht kommt tatsächlich ein Unbekannter (Ramiro Blas) zu ihnen. Er nennt ihnen seine Forderung: Eines der Familienmitglieder hat ein dunkles Geheimnis. Wenn der- oder diejenige es vor allen Anwesenden preisgibt, kommt Sara sofort nach Hause. Doch Oliver, Julia und Alex sagen zunächst nichts. Erst nach und nach rücken sie mit ihren Geheimnissen heraus. Aber welches will der Unbekannte hören?

FAZIT

Der Anfang von UNDER THE ROSE stimmt zunächst nicht zuversichtlich. Der Film kommt einem in den ersten Szenen vor wie das Very-Low-Budget-Debüt eines Anfängers, er erscheint dilettantisch und amateurhaft, von den Schauspielern (in der deutschen Version dank der Synchro) über die Dialoge bis hin zu der Inszenierung. Doch man darf den Film zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschreiben, denn sobald der Brief des Unbekannten nach etwa 17 Minuten Laufzeit die Familie erreicht, nimmt der Film Fahrt auf. Plötzlich, quasi von einer Szene zur anderen, ist Spannung und Thrill vorhanden. Er entwickelt, vor allem dank des Plots, einen Sog, der den Zuschauer ins Geschehen hineinzieht. Und auch die Schauspieler werden gefühlt besser – vor allem wenn Ramiro Blas, der als Entführer grandios überzeugt, den Raum betritt.

So ist UNDER THE ROSE dann plötzlich doch ein fesselnder Thriller. Allerdings hätte man sich in vielen Szenen mehr Raffinesse bei der Regie gewünscht. Der Film dürfte an der ein oder anderen Stelle auch etwas radikaler sein – nicht bei der Gewaltdarstellung, sondern bei der Entwicklung der Erzählung. Sie hätte mehr Überraschungen und Mut zum Konventionsbruch vertragen können. Zwar ist der Versuch zur Radikalität häufig zu spüren, doch nicht wirklich überzeugend. Das Ende etwa ist in bester Lars-von-Trier-Manier aufgebaut, doch gleichzeitig ist das Geschehen, das offensichtlich schockieren soll, zu vorhersehbar und zu absurd, um es anzunehmen. Und auch die Strafen, die sich der Unbekannte ausdenkt, sind nicht gerade kreativ für solch einen Thriller: Zähne ziehen, Fellatio an einem anderen vor den Augen des Ehemanns, etc.

Was UNDER THE ROSE aber verstanden hat, ist, dass physische Gewalt filmisch weder erschreckender noch interessanter und spannender ist als psychische Gewalt. So gewinnt der Film auch nicht seinen Reiz aus den Gewaltszenen, sondern aus seiner Story und der packenden Atmosphäre. Und das tut ihm gut.

UNDER THE ROSE erschien am 24. April 2020 auf DVD und Blu-ray.

Bewertung:
2 von 5

Quelle: Pressematerial WVG Medien GmbH

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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