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KNIVES OUT (2019)

Wendungsreicher Krimi in Whodunit-Art

Mit STAR WARS – DIE LETZTEN JEDI (2017) hatte Rian Johnson für viel Kontroverse in einer riesigen Saga sorgt. Er verlieh der stringenten, das ganze All umfassende Sci-Fi-Geschichte unerwartete Wendungen. Mit KNIVES OUT lebt Johnson das Spiel mit den Erwartungen weiter aus: Es ist einen Krimi klassischer Art, ein kleines Filmchen könnte man sagen, wenn das Budget nicht groß und die Besetzung nicht starreich wäre: Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Toni Colette, Christopher Plummer und und und…

Ein altmodischer Kriminalfilm im Stil der Krimis von Agatha Christie schwebte Rian Johnson nach eigener Aussage vor. Das ist ihm gelungen. Der Geist von DAS BÖSE UNTER DER SONNE (1982), MORD IM ORIENTEXPRESS (1974) oder TOD AUF DEM NIL (1978) schwebt über diesem Film – nicht aufdringlich und gewollt, sondern authentisch und natürlich. Ein Film für die Fans der Krimis alter Schule, aber so modern, dass er auch alle anderen fesseln kann.

INHALT

Der schwerreiche und sehr erfolgreiche Romanschriftsteller Harlan Thrombey (Christopher Plummer) wird tot aufgefunden: Seine Kehle ist durchgeschnitten – genau an dem Abend, an dem er zu seinem 85. Geburtstag eine große Feier veranstaltete, bei der seine ganze Verwandtschaft anwesend war. Die Polizei befragt alle Anwesenden, hält den Fall aber für eindeutig: Alles weist auf Selbstmord hin. Der Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) wurde anonym engagiert, um den Mord aufzuklären, deshalb will er der Sache genau nachgehen. Schon nach den ersten Befragungen stellt er fest, dass es in der Verwandtschaft Motive zuhauf gibt, Thrombey zu töten. Und jeder hatte auch die Gelegenheit dazu…

FAZIT

KNIVES OUT ist trotz seiner modernen Inszenierung irgendwie schön altmodisch – weil das Prinzip der Geschichte schön altmodisch ist: ein Haus, ein Mord, viele Verdächtige und ein Geheimnis. Der Film bedient sich dieser Erzählweise auf zeitgenössische Art und modifiziert sie zugleich. So löst er beispielsweise (untypisch für das Genre) das Geheimnis des Mordes relativ früh auf – scheinbar.

Außerdem glänzt der Kriminalfilm durch einige gute Einfälle. Da ist zum Beispiel eine der Hauptpersonen, Marta Cabrera (Ana de Armas), die Pflegerin des Toten, die sich immer übergeben muss, wenn sie nicht die Wahrheit sagt. Keine gute Voraussetzung für ein Verhör, bei dem sie etwas verheimlichen will. Auch die Figur des Detektivs, eine Mischung aus „CSI und Poirot“, wie ihn eine Person im Film beschreibt, ist eine gelungene Version dieses Figurentypus: klug besetzt mit dem aktuellen James Bond, der aber gegen sein Image spielt und es konterkariert. Schon wie der Privatdetektiv eingeführt wird, ist eine grandiose Idee. Beim Verhör der Polizei sitzt er unscharf im Hintergrund, sodass man ihn als Zuschauer erst recht spät überhaupt bemerkt und erkennt. Er macht hingegen auf sich aufmerksam, indem er scheinbar im zufälligen Moment eine Taste auf dem Klavier anschlägt. Immer wieder, bis er den Verdächtigen auf die Nerven geht.

KNIVES OUT hat damit eigentlich alles, was man von einem guten Krimi erwartet: einen geheimnisvollen Fall, interessante Figuren, eine gute Dramaturgie und gut abgepasste Humor. Was bei KNIVES OUT besonders hinzukommt: ständige Wendungen im Plot, die der Geschichte immer wieder neuen Drive geben. Sie wirken dabei nie erzwungen, sondern sind intelligent gemacht.

Für Freunde, gutgemachter und spannender Krimiunterhaltung ist der Film also genau das Richtige. KNIVES OUT ist am 8. Mai 2020 auf DVD, Blu-ray und als VoD erschienen.

Bewertung:

Quelle:
Pressematerial LEONNIE

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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