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CRAWL (2019)

Die Alligatoren sind los

Dass der Alligator-Horror CRAWL kein Billig-Trash á la 2-HEADED-SHARK-ATTACK (2015) oder SHARKNADO (2013) ist, sieht man schon mit einem Blick auf die Namen der beteiligten Personen: Alexandre Aja (PIRANHA 3D, 2010; HORNS, 2013) zeichnet sich für die Regie verantwortlich, Sam Raimi (TANZ DER TEUFEL, 1981, SPIDERMAN 1-3) ist Mitproduzent. Und so ist CRAWL – zumindest, was die Effekte und den Aufwand beim Dreh betrifft – Qualitäts-Tierhorror. Er erinnert damit (und auch von der Story her) an den 2012 erschienenen BAITS – HAIE IM SUPERMARKT. Nur kämpfen die Protagonisten hier eben nicht gegen Haie im Supermarkt, sondern gegen Alligatoren im Haus.

INHALT

Ein starker Hurrikan kommt auf Florida zu. Viele Gebiete werden evakuiert, darunter auch die Gegend, in der Haleys Vater (Barry Robert Pepper) wohnt. Die junge Schwimmerin (Kaya Scodelario) wundert sich, dass sie keine Nachrichten von ihrem Dad bekommt und macht sich auf den Weg zu ihm in das evakuierte Gebiet, in dem gerade der Jahrhundertsturm losgeht.

Haley findet ihren Vater auch: unter ihrem Haus, wo er Leitungen reparieren wollte. Allerdings ist er verletzt und Haley bemerkt auch bald, was ihn verletzt hat: Ein Alligator hat ihn angegriffen und will sich nun auch in ihr festbeißen. Sie nimmt den Kampf auf engstem Raum auf, doch es bleibt ihr nicht viel Zeit: Der Keller füllt sich mit Wasser und der Damm in der Nähe droht zu brechen.

FAZIT

Bei all dem ganzen Tierhorrorschund, der auf Streamingplattformen, Fernsehkanälen oder auf DVD und Blu-ray zu sehen ist, hatte man schon fast vergessen, dass man auch gute Beiträge dieses Genres machen kann. Gut, dass Alexandre Aja uns nun daran erinnert. Er beweist mit CRAWL, dass es möglich ist. Nun hatte er – im Gegensatz zu den Trash-Filmen – mit mehr als 13 Millionen Dollar zumindest ein klein wenig Budget. Für diese Kosten hat er den Film visuell sehr gut umgesetzt: Die Effekte sind sehr gut, das Setting authentisch, die Bildqualität hervorragend. Dass die Story hingegen dünn ist und auch einige Logiklöcher besitzt, wird wettgemacht durch die tollen Bilder, die Kamerafahrten und auffallend ungewöhnliche Einstellungen.

Aja versteht es, Atmosphäre zu schaffen und vor allem Spannung aufzubauen. Mit 88 Minuten ist CRAWL nicht gerade lang, doch die Minuten sind voll mit Spannung gespickt. Es ist – vor allem zum Ende hin – reines Adrenalinkino.

Doch natürlich kommt CRAWL nicht ganz ohne Schwächen aus. Die klischeehafte, problembehaftete Vater-Tochter-Beziehung ist durch ihre Oberflächlichkeit nervig. Die Diskussionen der beiden sind angesichts der dramatischen Situation, in der sie sich befinden, nun wirklich fehl am Platz. Auch das Verhalten der Alligatoren folgt nicht einer klaren Logik, eher den Notwendigkeiten des Drehbuchs. Mal sind sie schnell und bringen ein Boot zum Kentern, dann wieder sind sie nicht in der Lage, die Trennwand einer Dusche zu durchbrechen.

Positiv ist aber die Ernsthaftigkeit, die Aja dem Film gibt. Humor ist völlig abwesend. Nur einen Witz lässt er sich dann doch nicht nehmen, ganz zum Schluss, wenn der Abspann läuft. Denn welches Lied lässt er da laufen? „See you later, alligator“!

CRAWL ist ein bildgewaltiges, erfreulich qualitatives Tierhorrorerlebnis fernab jeden Trashs, das Liebhaber des Genres erfreuen wird.

CRAWL erscheint am 19. Dezember 2019 auf Blu-ray und DVD.

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Paramount Pictures

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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