Affentheater

7 Gründe, warum ich lieber nicht in einem Film leben würde

Leben wieder doof? Dann schnell mit einem Film ablenken. Das machen wir doch nur allzu gerne, seit es dieses Medium gibt. Und geben wir doch mal zu: Oft denken wir uns, dass es wunderschön wäre, eine dieser Personen im Film zu sein. Aber wäre es wirklich schöner, sein Leben mit dem in einer fiktiven Filmwelt zu tauschen? Nö! Ich gebe euch mal sieben Gründe, die dagegensprechen.  

Das Nebenrollen-Dilemma

Stell dir vor, du spielst in dieser schönen Filmwelt nur eine Nebenrolle. Ungewöhnliche wäre das nicht, denn seien wir mal ehrlich: Auch in unserer normalen Welt sind wir beide keine großen Stars, Politiker oder angesehene Wissenschaftler, die das Weltgeschehen beeinflussen. Warum soll es im Film also anders sein. Dein Charakter, deine Talente ändern sich ja nicht, nur weil du plötzlich im Film lebst. Also bleibt für dich nur die Nebenrolle, im schlimmsten Fall sogar nur ein Cameo. Am Ende ist dein Leben im Film gar kürzer. Also lieber hierbleiben.

Die Tiefpunkt-Melancholie

Jeder Film hat immer diesen einen Punkt, an dem alles zusammenbricht. Der ist nötig, um danach die Story in ein Happy-End zu führen. Das bedeutet jedoch für dich, dass du auch im schönsten und attraktivsten Filmsetting irgendwann an einem Punkt bist, an dem es dir richtig schlecht geht. Mit diesem Wissen im Hintergrund kannst du dein Leben aber nicht genießen. Denn du musst jederzeit mit dem Tiefpunkt rechnen. Keine schöne Aussicht für ein Traumleben, oder? Also dann doch lieber das Glück im hier und jetzt selbst beeinflussen.

Die Cinderella-Crux

In Filmen sind die Außenseiter entweder eine Lachnummer oder Antihelden, in jedem Fall aber immer seltsame Sonderlinge und Looser. Klar, am Ende sind sie es, die die Welt retten – jedenfalls in vielen neuen Filmen heutiger Zeit ist das so. Doch willst du wirklich die Tortur eines dicken Tollpatschs oder schlaksigen Geeks durchlaufen, nur damit kurz vor Ende deines Filmlebens alles gut wird? Willst du wirklich ein Verlierer sein? Und wie unterscheidet sich dieses Filmleben von deinem derzeitigen? Willst du dich nicht verbessern? Eben!

Die Side-Story-Komplexität

Filme brauchen Tiefe, wollen allen Figuren gerecht werden und durch interessante Wendungen überraschen. Dies gelingt durch Side-Stories. Deswegen erhalten Nebenfiguren ihre eigenen Hintergrundgeschichten. Und was machst du währenddessen? Du wartest, bist die Rückblenden und Nebenhandlungen vorbei sind. Abgestellt steckst du als Hauptfigur in Aufzügen fest, reist gerade auf einer Landstraße von A nach B oder wartest im Gefängnis auf deine Befreiung. Währenddessen erleben die anderen aufregende Abenteuer oder finden ihre große Liebe. Irgendwann in ferner Zukunft darfst du wieder Teil deines Lebens sein, wenn die Side-Stories auserzählt und mit der Haupthandlung wieder verwoben sind. Was für eine Zeitvergeudung.

Die Logik-Divergenz

Umso komplexer die Story, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit sich in Details zu verrennen, schlimmer noch wichtige Details zu übersehen. Die Folge: Logiklöcher. In einem Moment liegst du am Strand auf einem Sonnenstuhl und genießt eine eiskalte Limo. Im nächsten Moment bist du Raketenforscher in Sibirien. Wie es dazu kam? Ist doch egal. Ne, eben nicht! Im Leben passieren manchmal Dinge, die so keinen Sinn machen, aber logisch sollte der Weg dahin trotzdem sein.

Das Charakterentwicklungs-Handicap

Das Drehbuch bestimmt den Charakter – nicht dein Leben. Du fühlst, was im Drehbuch steht. Du gehst, wohin der Regisseur es möchte. Und du machst, was du machen musst, damit die Geschichte so weitergeht, wie es gedacht ist. Mit anderen Worten: Dein Leben ist keineswegs frei. Selbstbestimmung gibt es nicht. Mehr noch: Du bist vielleicht doch nicht mehr die Person, die du gerade bist. Also lass es und bleib lieber bei uns.

Das Happy-End-Problem

Am Ende wird (in der Regel) alles gut. Wirklich immer? Wie öde ist das denn? Muss sich denn immer alles in Wohlgefallen auflösen? Ist ein Leben mit Ecken und Kanten nicht viel schöner? Ist es nicht großartig, dass du nicht weißt, was dich morgen erwartet? Ich möchte von meiner Zukunft noch nichts wissen. Ich möchte meine Gegenwart unbefangen genießen können. Ich möchte mein Leben selbst steuern. In meiner Welt bin ich immer die Hauptrolle.

Meine Welt braucht keine künstlich erzeugten Tiefpunkte, um etwas Gutes hervorzubringen. In meiner Welt bin ich gerne ein Verlier. In meiner Welt spiele ich selbst in den Side-Stories stets eine wichtige Rolle. In meiner Welt gibt alles einen Sinn, auch wenn ich nicht alles verstehen mag. In meiner Welt darf ich so bleiben, wie ich bin. Und wenn es am Ende kein Happy End gibt, dann habe ich bis dahin wenigstens so gelebt, wie ich wollte.

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