Affentheater

CineRatio #2: Spoiler

„Neeeeeein! Nichts sagen, die kenn‘ ich noch nicht.“

Schon früher war es wichtig, am Wochenende die neuste Folge der Trendserie gesehen zu habe, um am Montag auf dem Pausenhof oder im Büro mitreden zu können. Bis heute hat sich hier nicht viel geändert. Bis auf die Tatsache, dass bei der Menge an Filmen und Serien, die uns heute täglich zur Verfügung stehen, Freunde, Schulkameraden und Arbeitskollegen aneinander vorbeischauen. Es gibt eben nicht mehr die fünf Serien, über die alle sprechen. Doch umso mehr Filme und Serien Teil die Diskussion sind, desto größer ist die Gefahr vor einer der größten Alltagsängste: dem Spoiler!

Ein Verrat im doppelten Sinne

Dank Reddit, Social-Media-Kanälen und Chatgruppen können wir uns über alles und theoretisch auch mit jedem austauschen. Aber wir erfahren eben auch Dinge, die wir lieber erst selbst erlebt hätten. Niemand möchte von einem plötzlichen Charaktertod oder einem einschneidenden Ereignis seiner Serienhelden erfahren, bevor die entsprechende Folge selbst gesichtet wurde. Und so schützen wir uns, meiden das Gespräch oder werden gar zum Höhlenmenschen, der das Internet gänzlich meidet.

Erfahren wir dennoch etwas, wird aus der Furcht Wut. Das Spoilern, ob gewollt oder versehentlich, gleicht einem Verrat im doppelten Sinn: Er verstößt an den ehrwürdigen Kodex der Seriengucker und an der Freundschaft an sich – mal davon abgesehen, wird uns etwas verraten, das wir nicht wissen wollten.

SPOILER; englisch „to spoil“ = verderben.
Eine Information, die wesentliche Handlungsverläufe, Twist oder Überraschungen in Filmen, Serien, Bücher, Videospielen oder Sportereignissen zusammenfasst, ohne dass die Zuhörer diese bereits kennen. Eine Folge ist, dass den Zuhörer dadurch alles verdorben wird.   

Wie der Spoiler zum Allgemeinwissen wurde…

Das Spoilern ist keine Erfindung des Internetzeitalters. Es gab nur noch nicht diese ausgeprägte Kultur des Verratens und des Austausches. Über Filme reden ist Teil des Mainstreams. Damals, als das Filmwissen noch nicht so breit wie heute war, reichten Filmzitate, um einen Spoiler auszulösen. Eines der bekanntesten Zitate dieser Art ist „Luke, ich bin dein Vater.“ Heutige Kinder lernen diese bekannte Familienbeziehung von klein auf, für uns hingegen war es noch in den frühen 90er Jahren eine riesige Überraschung.

Das liegt vor allem am Zugang zu Filmen, der heute völlig anders als noch vor 20 Jahren ist. Aber auch daran, dass aus Kultfilmen und -serien große Franchise gewachsen sind, die mit Spielfilmen ein älteres Publikum abholen und mit Kinderserien neue Generationen erreichen. Die Folge: Um die neuen Sequels, Prequels und Remakes zu verstehen, hilft es, wesentlich Fakten über die Originale zu kennen. Spoiler werden so zu Allgemeinwissen, zu Lektüreschlüssel, die das gesamt Franchise dechiffrieren. Verrückt, aber eine natürliche Entwicklung.

Die Spoiler-Kultur

Mittlerweile hat sich gar eine Spoiler-Kultur entwickelt. Es gibt viele, die es nicht mehr so eng sehen, wenn ihnen etwas verraten wird. Vielmehr spoilern sie sich selbst gerne. Auch dies liegt wieder am Zugang zu den Medien. Denn wer es nicht schafft bei der Masse an Optionen alles zu sehen, aber trotzdem gerne mitreden möchte, braucht die Spoiler als Wissensquelle. Spoiler-Foren und Filmkritiken werden so zum Wikipedia für das Unausgesprochene.  

Manche mögen es gar, auf dieses Wissen zurückgreifen zu können, um so Schockmomente zu umgehen. Denn wer weiß, was passieren wird, kann viel entspannter seine geliebte Filmreihe oder Serie anschauen. Schließlich ist das Medium Film heute mehr denn je auch eine Aktivität zur Entspannung.

Spoilerwarnungen & Popkultur

Für ängstliche Spoilergegner hingegen hat sich die Spoilerwarnung etabliert. Sie signalisiert in Texten, wie in Videoformaten Stellen, ab denen Informationen preisgegeben werden, die nicht jeder zu diesem Zeitpunkt wissen möchte. Keine neue Erfindung. Schon Quizshows arbeiteten mit akustischen Signalen, innerhalb denen die Antwort eingeblendet wurde. In dieser Zeit sollten die Zuschauer, die mitraten wollen, die Augen geschlossen halten oder sich vom Fernseher abwenden.  

Manche Serien und Filme gehen mit Spoilern jedoch nicht so sanft vor. Als Referenzen spielen sie mit dem Wissen und bauen diese in ihre Gags ein. Gerade Sitcoms wie BIG BANG THEORY oder Zeichentrickserien, wie FAMILY GUY oder DIE SIMPONS. Der Spoiler fließt so als Zitat in die Popkultur ein. Und wiedermal hilft es, wenn das Publikum die Filme kennt, denn manchmal sind die Spoiler in den Pointen so gut versteckt, dass sie als Easter Egg erst in einer zweiten, dritten oder gar vierten Sichtung erschlossen werden.

Klar: Es ist nicht nett, anderen etwas zu verraten, die davon nichts wissen wollen. Lasst es! Aber der Spoiler ist heute eben auch längst nicht mehr nur eine böse Unart von einst. Wie mit dem etwas schrulligen Onkel, der viel meckert, haben wir gelernt mit ihm zu leben. Heute ist er ein fester Bestandteil der Filmkultur. Und man kann mit ihm sogar viel Spaß haben – wenn man sich auf ihn einlässt.   

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