Affentheater

CineRatio #1: Filmzitate

Mit „Rosebud“ beginnt Orson Welles sein Opus Magnum CITIZEN KANE, den angeblich besten Film aller Zeiten. Zeitgleich ist dieses kleine, kryptische Wort auch ein Hinweis, auf die Auflösung einer epischen Geschichte um einen Medienmagnaten. Das Wort steht stellvertretend für ein filmisches Stilmittel, das jeden Cineasten fasziniert: das Filmzitat – und sein Einzug in unseren Alltag.

Wir begrüßen die Familie mit einem fröhlichen „Bin da, wer noch?“ und verabschieden uns theatralisch von unserem besten Kumpel mit einem „Möge die Macht mit dir sein!“. Dem Chef versichern wir mit einem inbrünstigen „Läuft!“, dass die anstehenden Aufgaben bald fertig sind. Und wenn uns ein Missgeschick passiert, rufen wir ein lautes „Nope!“ heraus. Uns geht was gegen den Strich? Dann verlassen wir die Gruppe mit „Leckt mich, Leute. Ich geh nach Hause.“ oder „Friss meine Shorts.“ Und auf Party freuen wir uns immer, denn sie werden garantiert „le-gen-…warte kurz…där!“

Filmzitate sind kult und haben einen großen Einfluss daran, ob Filme oder Serien nicht nur erfolgreich sind, sondern es über Generationen hinweg bleiben. Hierfür dürfen wir uns vor allem bei einer Person bedanken: dem Drehbuchautor. Jener Kaste im Filmgeschäft, der vor allem im Deutschland viel zu wenig Ruhm zugestanden wird. Zu den ausflussreichsten Zitatgeber zählen große Namen, wie Billy Wilder oder Woody Allen. Beide brillierte durch ihre Mischung aus smartem Witz, guten Wortspielen und intelligenten Aussagen.

Knallharte Oneliner & improvisierte Evergreens

Doch nicht jedes Filmzitat stammt aus der Feder eines erfahrenen Schreibers. Manche bekannten Zeilen sind spontane Eingebungen aus Improvisationen während der Dreharbeiten. „Yippie Ya Yay, Schweinebacke“ aus STIRB LANGSAM, jene Zeilen, die John McLaine aka Bruce Willis berühmt machten, standen so nicht im Drehbuch. Auch Jack Nicholsons „Hier ist Jacky“ aus THE SHINING oder Robert DeNiros legendärer Satz „Redest du mit mir!“, den er vor dem vor dem Spiegel in TAXI DRIVER zum Besten gab, stammen aus den Köpfen der Schauspieler. Und eine der kultigsten Liebesbekundungen der Filmgeschichte, in der auf Leias „Ich liebe dich“ nur ein cooles „Ich weiß“ von Han Solo folgte, war vollständig improvisiert. Ist auch viel besser als dieses schnöde „Ich dich auch“ aus dem Drehbuch.

Als schmissige Oneliner zählen Filmzitate mittlerweile zum Filmstil-Kanon gewisser Genre und werden häufig stärker abgefeiert, als die Darsteller, die ihn aussprechen. Nicht selten werden solche bekannten Sätze auch auf anderen Filmen und Serie als popkulturelle Referenz aufgegriffen.

Beispiele für bekannte Onliner:

  • „Hasta la vista, Baby!“ aus TERMINATOR
  • „Ich bin zu alt für den Scheiß.“ Aus LETHAL WEAPON
  • „Willkommen auf der Erde.“ aus INDEPENDENCE DAY
  • „Das ist Sparta!“ aus 300
  • „Führ mich zum Schotter!“ aus JERRY MAGUIRE

Popkulturelle Unsterblichkeit

Manche Filmzitate sind so tief in die Alltagssprache eingeflossen, dass so mancher Nutzer dieser Sätze sie gar keinem Film mehr zuordnen kann. Ein „Ich schau dir in die Augen, Kleines!“ als neckischer Flirt klingt eben auch ohne das Wissen darum, dass das Zitat aus CASABLANCA stammt, fabelhaft. Und die Erkenntnis „Nobody’s perfect“ funktioniert ohne MANCHE MÖGEN’S HEISS gesehen zu haben – wobei: schämt euch, diesen Billy Wilder Klassiker nicht zu kennen!  

Filmzitate, die (beinahe) jeder schon einmal ausgerufen hat:

  • „Ich bin der König der Welt.“ aus TITANIC
  • „Mein Baby gehört zu mir.“ aus DIRTY DANCING
  • „Lauf, Forrest. Lauf!“ aus FORREST GUMP
  • „Freiiiiiheit“ aus BRAVEHEART
  • „Ich habe Feuer gemacht!“ aus CAST AWAY
  • „Gut gemacht, Schwein.“ aus EIN SCHWEINCHEN NAMENS BABE
  • „Ich werde ihm ein Angebot machen, das er nicht ausschlagen kann.“ aus DER PATE
  • „Nimm Dir ’nen Keks. Mach es Dir schön bequem… Du Arsch!“ aus DAS LEBEN DES BRIAN
  • „Einigen wir uns auf ein Unentschieden“ RITTER DER KOKOSNUSS
  • „Helft mir, Obi Wan Kenobi. Ihr seid meine letzte Hoffnung.“ aus STAR WARS
  • „Mist. Ich hasse Mist.“ aus ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT

Lebensweisheiten für die Ewigkeit

Filmzitate müssen jedoch nicht nur unterhalten, um im Kopf zu bleiben. Manche sind echte Lebensweisheiten, die jeder Diskussion unter Freunden gleich eine ganze neue Ebene geben können. Oder habt ihr schon mal darüber nachgedacht:

  • „Das Leben bewegt sich sehr, sehr schnell. Wenn du nicht gelegentlich anhältst und dich umschaust, könntest du es verpassen“ aus FERRIS MACHT BLAU
  • „Falls du auf den richtigen Moment gewartet hast, das war er!“ aus FLUCH DER KARIBIK
  • „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt.“ aus FORREST GUMP
  • „Die Dinge, die du besitzt, werden letztendlich dich besitzen.“ aus FIGHT CLUB
  • „Warum sollte ich die Erwartungen anderer Leute erfüllen, anstatt meine eigenen?“ aus 10 DINGE, DIE ICH AN DIR HASSE
  • „Wenn du gut in etwas bist. Mach es nie umsonst.“ aus THE DARK KNIGHT
  • „Niemand macht ein Foto von etwas, das er vergessen will.“ aus ONE OUR PHOTO

Und okay, mache Filmzitate sind auch einfach so herrlich absurd, dass wir nur kopfschüttelt lachen können. Oder fasst ihr etwa eine tiefere Erkenntnis aus Sätzen, wie „Nichts funktioniert! Nicht einmal der Füllfederhalter ist angespitzt!“ aus DER GROSSE DIKTATOR.  oder „Wir können hier nicht halten, das ist Fledermausland!“ aus FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS. Und so bleibt am Ende jedem selbst überlassen, welches Zitat für ihn die größte Bedeutung hat.

Fakt ist jedoch: Wir kommen heute nicht mehr ohne sie aus. Filmzitate gehören zu uns und wir tragen sie weiter. Als tradierte Erinnerung überleben die Besten von ihnen vermutlich sogar das Medium selbst. Und das macht das Filmzitat zu einem der wertvollsten Elemente des Films.

IHR SEID DRAN:

Was ist euere Lieblingsfilmzitat? Und wie stark prägen Filmzitate euren Alltag?

Über die Reihe „CineRatio“
Mit der Reihe CineRatio ergründen wir unsere Liebe zum Film. In jeder Episode besprechen wir ein anderes Element der Filmkultur, das für muntere Diskussion unter Filmfans sorgt und es sogar in unseren Alltag geschafft hat.

Moin! Ich bin der Filmaffe. Den Blog hab ich mir ausgedacht. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.

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