Film, die du nicht gesehen haben musst
Affentheater

Filme, die du NICHT gesehen haben musst

Zunächst eine Klarstellung: Du musst gar nichts. Und nein, du findest hier auch keine Filmliste mit Empfehlungen für einen gepflegten Heimkinoabend – diesmal nicht. Schon der Titel macht deutlich, dass dies auch keinen Sinn macht. Wozu also dieser Text?

Kennste, kennste?

Die Offenbarung cineastischer Ektasen ist heute nur wenige Klicks entfernt. Man muss sie nur finden. Wie gut, dass so ziemlich jeder einen ultimativen Filmtipp in petto hat. Ungefragt brabbelt man heute seine neusten Entdeckungen in die Welt hinaus, schimpft sich Filmexperte und meint, man hätten ein Medium verstanden, das man häufig noch nicht mal im Ansatz kenngelernt hat. Doch das ist nicht das Problem.

Objektiv gesehen ein Klassiker

Natürlich gibt es ganz objektive Gründe, an denen man einen guten Film erkennen kann – Kameraführung oder Bildbearbeitung beispielsweise. Natürlich gelten manche Filme als Meilensteine, weil sie Techniken oder Themen als erste ansprachen oder in einer Form erzählten, die es so vorher nicht gab. Und natürlich verdienen einige Filme das Prädikat „muss man gesehen haben“. Aber müssen sie deswegen gesehen werden? Muss man sich wirklich durch 2,5 Stunden Orson Wells CITZEN KANE quälen lassen, nur weil er zu den besten Filmen aller Zeiten zählt? Die Antwort ist einfach: Nein!

Lasst die Meilensteine liegen

Frederico Fellini, Woody Allen, Fritz Lang oder David Lynch kennt ihr nur vom Namen her? Wes Anderson und Tim Burton sind euch zu seltsam? Und spätestens bei den Namen John Hughes oder Lars von Trier zeichnen sich zarte Fragezeichen über eure Köpfe? Aber Quentin Tarantino steht bei euch auf einer Stufe mit Michael Bay? Das ist alles okay. Horizonte haben Grenzen, die meist dort beginnen, wo sie uns nicht mehr berühren: beim persönlichen Geschmack. Viele Filme gelten als gut, sind aber anstrengend und erfordern Arbeit. Sie sind langatmig erzählt, anspruchsvoll oder komplett aus den heutigen Sehgewohnheiten gefallen. Man muss sich darauf einlassen, aber man muss sie eben nicht sehen, wenn man nicht will.  

Den gibt’s doch gerade auf Amazon!

Immer mehr Filme, immer mehr neue Serien, Eigenproduktionen kreiert für digitale Abo-Angebote, exklusive Titel, die nur an jedem dritten Sonntag bei Vollmond gesehen werden können. Und trotzdem MUSS man sich alle gesehen haben. Sich ernsthaft mit dem Medium Film zu beschäftigen, bedeutet Stress – insofern man alles mitnehmen will. Und genau diesen Anspruch haben viele von uns. Paradox, denn es gibt nur noch selten große Filmreihen und Serien, über die alle sprechen. Vielmehr hat doch jeder seine kleine Nische und Vorliebe entdeckt, in der man eifrig die angebotenen Titel abgrast – und trotzdem nicht mehr hinterherkommt.

Algorithmen statt Konsum

Wir leben in einer Zeit des Überangebots. Täglich entstehen neue Werke und Alte geraten in Vergessenheit. Dabei gibt es aus allen Jahrzehnten seit Beginn des Films Vertreter, die sich zu sehen lohnen. Man kann jedoch nicht alle sehen. Warum auch? Filme zu schauen ist kein Spiel, bei dem nur die die letzte Trophäe ergattern, die alles gesehen haben. Doch dafür ist das Leben viel zu kurz. Wir haben unsere Vorlieben. Diese können sich im Leben immer mal wieder ändern. Doch wir wissen, was wir sehen wollen. Und dafür brauchen wir Filter. Deswegen versinken wir ganze Abende in Trailer-Sichtungen, lassen unseren Konsum durch Algorithmen beeinflussen und verlieren uns nur allzu gerne in Filmlisten, um den einen ultimative Filmtipp zu entdecken – ein unerfüllter Wunsch, von dem wir uns endlich befreien müssen.

Wozu also dieser Text?

Die Reihe der Filme und Serien, die so wären wie die eine, die man damals mochte, gibt es nicht. Ihr sucht nach bestimmten Themen, Genre und nach Gefühlen, die Erinnerungen wecken. Dabei habt ihr sie schon gefunden. Schaut euch das an, was euch gefällt – und wenn es eben das zwanzigste Mal STAR WARS, ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT oder BANANE JOE ist. Hauptsache ist doch, es unterhält euch. Denn genau darum geht es doch bei diesem Medium.

Hier bloggt die Redaktion.

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