Das Filmjahr 2017 auf dem Filmaffen

Ein Rückblick auf unsere Kritiken

Das Filmjahr 2017 begann äußerst stark, machte in der Mitte eine ordentliche Figur, verpatzte den einen oder anderen Kracher und durchbrach am Ende die Schallmauer: Fast 130 Kritiken kamen dieses Jahr auf dem Blog hinzu. Das sind mehr als zwei Kritiken in der Woche. Für einen Hobby-Filmblog gar nicht so schlecht, oder?

Wir blicken nochmal zurück auf die Filme, die wir 2017 gesehen und besprochen haben. Wir heben Highlights hervor, erfreuen uns an Überraschungshits und schütteln auch mal resignierend den Kopf. Denn eines ist sicher: Das Filmjahr 2017 war abwechslungsreich und unterhaltsam, aber nicht perfekt!

 

Das Filmjahr 2017 startet…

Unser filmkritisches Jahr begann mit der Besprechung zu CAPTAIN FANTASTIC. Den Film haben wir nachgeholt. Doch das Filmjahr selbst begann außerordentlich stark. Unter anderen kam MANCHESTER BY THE SEA in die Kinos, den wir leider noch nicht gesehen haben. Dafür widmeten wir uns dem Oscar-gekrönten Musical LA LA LAND, Gore Verbinskis Thriller A CURE FOR WELLNESS, dem Superhelen-Epos LOGAN und dem eiskalten Thriller SPLIT.

 

Lachgeschichten!

Der Großteil aller Filme 2017 waren solche des komischen Sujets. In ihrer oft infantilen Einfachheit glänzten sie durch Slapstick und flache Handlungen. Ja, es gab gute Komödie. SWISS ARMY MAN war so eine. Allerdings grenzte Sie am Rande des Geschmacks.

Vor allem unsere Franzi kämpfte sich durch das Unterhaltungsprogramm: Während MIKE AND DAVE NEED WEDDING DATE noch gut wegkam und BRIDGET JONES BABY begeisterte, floppte SCHUBERT IN LOVE bei uns auch im zweiten Anlauf im Heimkino. Nette Unterhaltung brachte MÄDELSTRIP und der deutsche Film MEIN BLIND DATE MIT DEM LEBEN überzeugte gar durchweg.

Durch viel dagegen bei Lena SOMMERFEST, wohingegen FACK JU GÖHTE 3 gut aufgenommen wurde. Salih landete mit BAD MOMS und CATFIGHT, den er als „Frauenkampf im Woody Allen-Gewand“ beschrieb, gleich zwei unterhaltsame Komödien-Treffer. Und ich widmete mich, trotz der Vielzahl an neuen französischen Komödien 2017 um die einzige Kritik zu einem Film dieser Art: MADAME CHRISTINE UND IHRE UNERWARTETEN GÄSTE war holprig, aber charmant und ist gerade zu dieser kalten Jahreszeit ein kurzweiliger Nachmittagsfilm.

 

Die Superhelden-Mania

Das DCU von Warner Bros. bleibt ambivalent. Dieses Jahr mehr denn je. So brillierte WONDER WOMAN mit seiner Art und seiner starken Heldin, während JUSTICE LEAGUE entweder als Nonplusultra gefeiert oder als eine ungeschickte Schnittfassung bezeichnet wurde.

Auch Disneys MCU humpelt. Klar: DOCTOR STRANGE brach Rekorde und GUARDIANS OF THE GALAXY 2 übertrumpfte nochmal alles. Aber THOR – TAG DER ENTSCHEIDUNG kam nicht bei jedem an. Vor allem der Humor gefiel oder gefiel eben gar nicht. Etwas dazwischen gab es nicht. Für SPIDER-MAN: HOMECOMING lief es da besser. Die Spinne etabliert sich im Franchise. Fast schade, dass sie bald wieder draußen ist. Und das LOGAN geil ist, hatte ich eben schon erwähnt, oder? Egal, dann hier eben nochmal.

 

Western-Revival

Kaum beschäftigt sich ein Affe mal mehr mit einem Thema, beginnt gleich eine ganze Flut an Filmen, die wir für euch durchgesehen haben. In diesem Fall bedeutet „wir“, dass unser Ben ordentlich in die Tasten gehauen hat. Cowboys, Indianer, weiß Hüte, lange Märsche durch karge Steppen und immer wieder das Motive der Rache – Ben hat fast jeden Western in diesem Jahr mit genommen; egal, ob alt oder neu!

Um nur ein paar Filme zu erwähnen, die sich Ben dieses Jahr angesehen hat: STUNDE DES TERRORS, DIE UHR IST ABGELAUFEN, DIE LEGENDE VON BEN HALL (im übrigen einer der meistgelesenen Beiträge dieses Jahr!), PISTOLEROS, DER ELEKTRISCHE REITER, DER GROSSE ZUG NACH SANTA FE und der aktuelle Kinofilm BRIMSTONE. Und am Ende des Jahres gab es noch ein kleines Special über eher unbekannte Western-Filme.

Das bedeutet jedoch nicht, dass wir anderen untätig waren. Nein, die erste Western-Kritik 2017 war sogar von Salih: WALKER. Und Sarah widmete sich in ihrer „Schwarz auf weiß“-Reihe dem Klassiker HIGH NOON.

 

Dramatisch, historisch & philosophisch.

Wer den Filmaffen kennt, der merkt gerade meine Affinität zu guten und ungewöhnlichen Dramen. Im historische Kostümbereich brachte das Genre mit DER STERN VON INDIEN, THE PROMISE und SILENCE mindestens drei durchaus sehenswerte, aber völlig unter dem Radar des Publikums fliegende Filme hervor. MEINE ZEIT MIT CEZANNE, ein vielversprechendes Biopic, verlor bei uns hingegen wegen seiner unzureichenden Figurenschärfe und einer fehlenden Sympathie für die Charaktere. Faith Akins Coming of Age Roadtrip TSCHICK konnte da mehr überzeugen. Ebenso die Tragikomödie ZU GUTER LETZT mit eine süffisant-ruppigen Shirley MacLaine in der Hauptrolle.

Richtig emotional und hochaktuell ging es in DIE LETZTEN TAGE DES PARVIS K. zu Gange. Dieser Film und sein Ausgang blieb mir im Gedächtnis. Auch Jim Jarmuschs PATERSON ging mir in all seiner lakonisch-ruhigen Art ins Mark. Und TOM OF FINNLAND sowie DIE VIERHÄNDIGE waren für mich absolute Überraschungshits, die ich wohl ohne diesen Blog nie entdeckt hätte.

 

Animierte Freude

Zugegeben: Die Animationsfilme kamen bei uns dieses Jahr etwas zu kurz. Aber durch unsere Teilnahme bei Internationalem Trickfilmfestival in Stuttgart kamen gleich fünf Kritiken zustande: IN THIS CORNER OF THE WORLD, BIRDS LIKE US, ÜBERFLIEGER, REVENGEANCE und OZZY. Unsere Trickfilmqueen war dieses Jahr ohne Zweifel Lena: Mit ihren lustigen Kritiken zu THE BOSS BABY, SING, CAPTAIN UNDERPANTS und TROLLS waren wir stets up to Date. Dabei machte sie immer sehr schnell klar, was ihre Meinung von diesem animierten Spaß ist. Manchmal sogar so deutlich, dass die knallbunten 80er Trolle beim Lesen bestimmt farblos wurden.

Auch ich als Fan des Animierten hatte mir ein paar Filme ausgeguckt, die ich sehen wollte. Und wurde bei keinem Film enttäuscht: VAIANA war wirklich schönes Disney-Kino, DIE ROTE SCHILDKRÖTE und MEIN LEBEN ALS ZUCCHINI bewiesen hingegen, warum das Genre Animationsfilm nicht immer nur für Kinder sein muss, sondern für jedes Alter sein kann.
Wer uns hier noch völlig fehlt: COCO und FERDINAND. Wir nachgeholt!

 

Schaurig-schöne Märchen & Science Fiction Kracher

Das fantastische Genre war im Filmjahr 2017 doch sehr rar besetzt. Woran das lag? Wissen wir auch nicht genau. Und so sticht insbesondere ein Film hervor: SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT. Einfach Kritik lesen und danach den Film anschalten. Er ist ein Kandidat für den Thron des Filmjahres. Während wir auf weiter Fantasy-Filme warten, arbeiteten wir DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER von 2016 auf und setzt lieber auch Science Fiction.

Von dem Genre gab es wahrlich genug. Zunächst ALIEN: COVENANT, dann POWER RANGERS und schließlich PLANET DER AFFEN: SURVIVAL. Alle sind durchweg sehenswert, wenn auch mit kleinen Schwächen behaftet. Doch sie hätten uns eigentlich schon gereicht. Aber nein, Luc Besson war noch da und bewies, dass er seit DAS FÜNFTE ELEMENT nichts verlernt hat: VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANET ist eine sehr lustige, optische Science Fiction-Droge, von der ich auf jeden Fall mehr vertragen könnte. Kurz danach wurde mit BLADE RUNNER 2049 auch noch ein Film fortgesetzt, der zum Kultfilm avanciert ist. Die Fortsetzung schlägt sich wacker – hat aber auch ihre Längen. Und wieder waren wir eigentlich zufrieden. Doch dann kam auch noch STAR WARS 8 – DIE LETZTEN JEDI. Was ein Science Fiction Jahr!

 

Action-Graben und Krimi-Ecke

An Actionfilmen gehen wir meist uninteressiert vorbei. Jedenfalls dieses Jahr. Irgendwie eintönig aufgebaut, sprachen uns nur wenige Filme des Genres an. Zwar hätten wir gerne einen genaueren Blick in JOHN WICK 2 oder LUCKY LOGAN riskiert. Aber statt dessen betrachteten wir FREE FIRE – und das war gut so. Ein kleiner dreckiger Ganovenfilm ist doch immer etwas schönes. KINGSMAN: THE GOLDEN CIRCLE reiht sich da nahtlos ein. Und der Action-geladene Abenteuerfilm FLUCH DER KARIBIK 5: SALAZARS RACHE war sogar ein erfreulicher Neuankömmling einer Filmreihe, mit der ich schon fast abgeschlossen hatte. Und dass, obwohl eben jener erste Teil mich dazu bewog, meine Bachelorarbeit über Piratenfilme zu schreiben. Abe die Filme wurden auch immer schlechter!

In der Krimi-Ecke betrachteten wir die ältere, aber sehr charmante Serie MISS MARPEL und einen Rowan Atkinson als KOMMISSAR MAIGRET, der sich als Charakterdarsteller unglaublich gut verkauft – und nebenbei sind die Geschichte wirklich, wirklich spannend. Wie schön, dass die Serie fortgesetzt wurde. Zwei Filme, die uns hier ohne Frage fehlen, sind BABY DRIVER und das Remake MORD IM ORIENT EXPRESS. Wir sprechen uns 2018 nochmal dazu. Dann kommt auch die Kritik zu THE LIMEHOUSE GOLEM.

 

Horror-Ecke

Ein Film überragte alles: ES. Schlimm genug, dass wir den Film noch gar nicht gesehen haben. Hier gibt es ordentlich Nachholbedarf. Den hat auch die SAW-Reihe, denn das Prequel JIGSAW ging völlig unter. Auch wir schauten lieber auf Klassiker: Die Horrorkomödien RITTER DER DÄMONEN und BORDELLO OF BLOOD zum Beispiel oder den japanischen Horrorfilm BATTLE ROYAL. BEFORE I WAKE war einer der aktuelleren Filme, die wir schauten, und eine absolute Überraschung für Salih. Denn dem Film gelang es, gruselig und anspruchsvoll zu sein. Das ist selten für das Genre. Einen besonderen Anspruch kreierte auch THE GIRL WITH ALL THE GIFTS mit seinem ungewöhnlichen Zombiefilm-Ansatz.

PERSONAL SHOPPER und VIRAL waren für Ben und Salih dagegen nur so okay – trotz anderem Ansatz. HAPPY DEATHDAY konnte Ben mehr überzeugen, jedoch nicht ohne Einschränkungen. Horror ist eben ein schwierige Genre-Ecke mit besonderen und sehr engmaschigen Konventionen. Besonders zu leiden hatte da VOICE FROM THE STONE, der optisch gut, aber inhaltlich sehr schwach und wirr war. Da wirkten GET OUT und EL BAR – FRÜHSTÜCK MIT LEICHE wie eine erfrischende Brise, die nicht alles anders, aber eben besser macht. Weitere Filme, die wir noch auf dem Zettel haben, sind MOTHER und A GHOST STORY. Auch hier hören wir uns 2018 wieder.

 

Filmjahr 2017 – Fazit!

War es ein gutes Filmjahr? In jedem Fall! Und doch hinkt die Branche. Denn auch in diesem Jahr funktionierten die selben Arten von Filme am Besten: Französische Komödien, US-amerikanische Superheldenfilme, deutsche Tragikomödien, skandinavische Krimis und Disneys Trickfilme. Dazwischen verorten sich noch große und kleine Dramen, die meist auf wahren Geschichten basieren, und märchenhaft-fantastische Buchverfilmungen. Das alles ist so bekannt, wie eintönig, kann viel Spaß machen, braucht aber auch mal einen Relaunch – und nicht noch ein Remake.

Jörg Gottschling

Jörg Gottschling

Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: