HARD POWDER (2019)

Liam Neeson im Schnee und kleine Morde

Der schwarz-humorige Thriller HARD POWDER ist ein US-amerikanisches Remake zur dänischen Produktion EINER NACH DEM ANDEREN aus dem Jahre 2014. Der Neuauflage gelingt den Rhythmus und den Geist des Originals einzufangen und ihn in ein kriminell-amerikanisches Milieu einzubetten. Dies liegt ohne Frage an Regisseur Hans Petter Moland, der bereits für das Original verantwortlich war.

INHALT:

Nels Coxman (Liam Neeson) ist ein einfacher Mann. Er lebt mit seiner Frau Grace (Laura Dern) und seinem Sohn am Rande seiner Heimatstadt irgendwo bei den Rocky Mountains. Die erfuhr in den letzten Jahrzehnten einen wahren Boom und wurde zum beliebten Urlaubsziel für Ski-Touristen. Umso bedeutender ist Nels‘ Aufgabe. Denn er hält die Straßen frei von Schnee.

Jeden Tag fährt er dafür immer die selben Routen. Es ist ein einsamer Beruf. Aber einer, der vor kurzem honoriert wurde: Nels wird zum „Mann des Jahres“ in seiner Stadt ausgezeichnet. Eine Ehre, mit der dieser bodenständige Mann nicht so recht etwas anzufangen weiß. Mag er doch sein Leben lieber ruhig und abseits der Gesellschaft.

Als jedoch sein Sohn tot aufgefunden wird und sich herausstellt, dass dieser an einer Drogen-Überdosis gestorben ist, zerfällt das ruhige Leben in tausend Scherben. Sein Sohn war kein Junkie, soviel ist sicher. Es muss ein also Mord gewesen sein. Machtlos und verzweifelt möchte Nels schon mit seinem Leben abschließen, als er schließlich den wahren Grund für den Tod seines Sohnes erfährt.

Der örtliche Boss der Unterwelt ist dafür verantwortlich. Den gilt es nun zu überführen – besser noch: auszuschalten. Nels dringt dafür immer tiefer ins kriminelle Milleu seiner Stadt vor und lässt dabei Leichen zurück. Er will Rache!

FAZIT:

HARD POWDER (im Original COLD PURSUIT) ist ein harter, dreckiger Thriller mit trocken-schwarzem Humor. Inbrünstiges Gelächter entwickelt man nicht, dafür kann man ein Dauerschmunzeln nur schwer unterdrücken. Die kleinen Morde, die in ihrer Vielzahl wie Brotkrumen den Weg von Liam Neeson Figur markieren, sind so fies und bitter inszeniert wie sie ein Gefühl der Erleichterung beim Publikum hinterlassen.

Der Weg, den Nels beschreitet, gleicht einer Wanderung durch den Tiefschnee. Er kommt nur schwerlich voran, wirkt oft planlos und spontan. Und mit jedem Schritt wird die weiße Wand dicker und undurchdringlicher. Ein Mann legt sich wortwörtlich mit einer ganzen Stadt an. Die Melancholie und Hoffnungslosigkeit dieser Tat wird durch Wortwitz, markant-skurrile Figuren und bitterböser Situationskomik aufgelockert, driftet jedoch niemals ins Albernde ab. Die Mischung ist intensiv und packt gerade durch einen gebremsten Erzählstil.

HARD POWDER ist kein Actionfilm, sondern mehr ein Drama, dass sich Ansätzen des Thrillers bedient. Mehr einem Leidensweg, denn eines eiskalten Rachefeldzugs ähnlich, mischt sich ins das Schmunzeln des Publikums eine Melancholie. Diese beängstigt aber nicht. Vielmehr erfrischt sie. Liam Neeson spielt den kauzigen Einzelgänger ebenso souverän, wie seine Gegner den eindimensionalen Schurken vollends ausfüllen. Besonders die Indianer bleiben in Erinnerung, indem sie in ihrem pompösen Unterschlupf einerseits ein allzu weißes Verbrecherleben frönen, auf der anderen Seite aber selten ein Augenrollen auslassen, um den weißen Mann auf die Schippe zu nehmen.

In der Welt, wie wir sie in HARD POWDER zu sehen bekommen, scheint Stillstand und Bewegung auf gleicher Ebene zu koexistieren. Der Ort, an dem dies alles spielt, ist eine Mischung aus verschlafener Provinz und High Society-Leben. Vordergründig lebt die Stadt vom vor wenigen Jahren erst aufkeimenden, nun jedoch vollends florierenden Tourismus. In Wahrheit wurde dieser jedoch auf einem toxischen Fundament errichtet. Die wahren Herrscher der Stadt sind tief in das organisierte Verbrechen verstrickt. Sie verstecken sich hinter der Fassade aus Schneeromatik und Bergidylle.

Eben jene romantischen Schneemassen räumt Liam Neeson sowohl wortwörtlich als auch metaphorisch auf und zettelt indirekt auch noch einen Bandenkrieg zwischen der weißen Oberschicht und einem indianischen Stamm an. Dabei wechselt das Tempo des Films zwischen verzweifelten und geplanten Morden, tragikomischen Dialogen und trist-urbanen sowie still-natürlichen Momentaufnahmen laufend. Atmosphärisch unterstützt werden die Bilder durch einen äußert gelungenen Soundtrack. Der überzeugt mit popmusikalischen Werken und den Kompositionen von George Fenton.

Wer dem nordischen Krimi zugetan ist, aber von DER SCHNEEMANN (2017) oder dem VERBLENDUNG-Remake von 2011 verschreckt wurde, der darf mit HARD POWDER einen dritten Versuch starten und wird diesmal nicht enttäuscht werden.

Ab dem dem 28.02.2018 läuft HARD POWDER in den deutschen Kinos.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial StudioCanal

Jörg Gottschling

Moin! Ich bin der Filmaffe. Den Blog hab ich mir ausgedacht. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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