Schwarz auf weiß #30: SIN CITY

Es wird einfach mal Zeit, ein bisschen Farbe in diese Reihe zu bringen. Also zumindest diesmal und auch nur in Form von sehr strategisch eingesetzter Farbe. Ich spreche natürlich von der Comicverfilmung SIN CITY des Regisseurs Robert Rodriguez (FROM DUSK TILL DAWN) aus dem Jahr 2005.

Der Look des Films zeigt sofort, welchem Genre er entsprungen ist – dem Comic. Und dies sogar so originalgetreu, dass sowohl beim Casting, als auch beim Make-Up die gezeichneten Vorlagen in Betracht gezogen wurde. SIN CITY basiert auf der siebenbändigen Comicreihe SIN CITY von Frank Miller. Rodriguez selbst weigert sich jedoch, den Film als Adaption zu bezeichnen – er nennt ihn lieber Übersetzung. Der Film ist aber mindestens genauso düster wie der Comic selbst und erinnert sehr an das Genre Film Noir.

Die Handlung des Films ist in mehrere Handlungsstränge unterteilt, die weitestgehend unabhängig voneinander nebeneinander herlaufen. Der Film beginnt mit der Geschichte um den Polizisten Hartigan (Bruce Willis), der wohl letzte ehrenwerte Polizist. Als der pädophile Mörder Roark Jr. (Nick Stahl) die kleine Nancy (Makenzie Vega) entführt, stellt er diesen. Jedoch nichtsahnend, dass sein Partner (Michael Madsen) auch keine weiße Weste hat und Roark Jr. einen mächtigen Vater.

Der zweite Handlungsstrang erzählt die Geschichte des muskelbepackten Mannes Marv (Mickey Rourke), dessen Erscheinungsbild alleine dazu in der Lage ist, Angst und Schrecken zu verbreiten. Seine eine Schwäche liegt bei der Prostituierten Goldie (Jamie King), eine Tatsache, die wiederum zu einem tragischen Ende führt.

In der dritten Episode will der ehrenvolle Dwight (Clive Owen) die Kellnerin Shellie vor der Gang um Jack (Benicio Del Toro) schützen. Dies gelingt zunächst, jedoch schert Jack Rache, die er an der Prostituierten Becky (Alexis Bledel) ausleben will. Das endet in Selbstjustiz der organisierten Prostituierten – ein Fehler, wie sich noch herausstellen soll.

Die drei Geschichten des Films basieren auf Millers „The Hard Goodbye“, „The Big Fat Kill“, „That Yellow Bastard“ und „The Custimer is Always Right“. Frank Miller wurde ohne Zweifel von den Gangster Geschichten der 30er und 40er Jahre inspiriert, in denen Männer Trechcoats trugen und Polizisten korrupt waren, in denen Frauen die Damsel in Distress verkörperten und es viel zu häufig regnete. Natürlich modernisierte er auch Teile dieser Erzählungen. Denn die Gruppe aus organisierten Prostituierten haben für mich nicht mehr viel mit der Damsel in Distress zu tun, die immer von einem starken Mann gerettet werden muss.

Wie schon der Comic selbst, ist auch die Verfilmung größtenteils in schwarz-weiß gehalten, mit wenigen Ausnahmen, wie die roten Lippen oder aber die Farbe des Charakters Yellow Bastard, das als besonders unappetitlich hervorsticht. Im Gegensatz zu anderen Comicverfilmungen, wirkt SIN CITY wirklich wie ein zum Leben erweckter Comic. Man könnte auch von jeder Szene einen Screenshot erstellen und sie als Comic drucken.

Der Autor Frank Miller soll auch gar nicht mal so einfach davon zu überzeugen gewesen sein, seinen Comic Hollywood zu übergeben. Rodriguez machte ihn zum Co-Regisseur und verzichtete komplett auf ein Drehbuch, in dem er die Dialoge aus den Comics übernahm. Als Ergebnis wurde auch für das Kino nichts beschönigt. Es spritzt das Blut. Die Szene, in der Elijah Wood mit seinem grauenvollen Blick dasitzt und gefressen wird, werde ich wohl niemals mehr aus meinem Gedächtnis verbannen können. SIN CITY ist also völlig nachvollziehbar mit FSK 18 versehen.

SIN CITY ist auf seine Weise ein Klassiker des Films, der sich gleichberechtigt in meine Reihe der farblosen Klassiker einfügen kann.

Sarah Binder

Sarah Binder

Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
Sarah Binder

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