SIE LEBEN (1988)

Die Welt ist nicht, was sie scheint

SIE LEBEN von HALLOWEEN-Macher John Carpenter hat heute Kultcharakter und gilt bei vielen als Meilenstein des Science-Fiction-Actionfilms. Er erinnert vom Stil her an Filme wie TOTAL RECALL (1990) oder THE 6TH DAY (2000) und ist für Verschwörungsfanatiker die reinste Freude. Denn er kreiert eine Welt, die in unser jetzigen existieren kann: Darin sind wir Menschen Sklaven, ohne es zu wissen. Manchmal hilft da eine Brille für Klarsicht.

 

INHALT:

Der arbeitslose John (Roddy Piper) kommt in die Großstadt, um nach Arbeit zu suchen. Bei einem Gelegenheitsjob auf einer Baustelle lernt er Frank (Keith David) kennen, der ihm auch einen Ort zum Unterkommen zeigt: ein einfaches Lager auf einer Wiese, in dem viele Menschen hausen. Irgendetwas Geheimem scheinen aber manche Bewohner nachzugehen: Sie treffen sich heimlich in einer nahen Kirche zu Versammlungen und haben dort eine Art Labor eingerichtet.

Tags darauf räumt die Polizei ohne ersichtlichen Grund das Lager und die Kirche mit brutaler Gewalt. John kann entkommen und eine Sonnenbrille aus dem Kirchenlabor mitnehmen. Als er sie aufsetzt, bricht seine Welt zusammen: Wie Neo in MATRIX erkennt John, dass die Welt nicht die ist, die sie zu sein scheint. Außerirdische haben längst die Macht übernommen. Durch ein Signal, das übers Fernsehen übertragen wird, können sie sich als Menschen tarnen. Sie lenken die Menschheit über Befehle, die hinter alltäglichen Gegenständen stecken: Ein Werbeplakat sagt in Wirklichkeit „Gehorche“ oder „Produziere Kinder“, eine Zeitschrift „Siehe fern“ oder „Wach nicht auf“. Sichtbar wird die Wahrheit nur durch die Brille. John macht sich mit Frank auf zum Kampf gegen die fremdartigen Kreaturen, denn sie haben ihn bemerkt und beginnen, ihn zu jagen…

FAZIT:

In den ersten 20 Minuten des Films passiert recht wenig: John kommt in die Großstadt, sucht einen Job und eine Bleibe – ruhig, unaufgeregt, unspektakulär. Dann aber geht es los, wenn das Polizeikommando in einer beeindruckenden Sequenz das Lager räumt. Jetzt nimmt der Film Fahrt auf und fesselt vor allem wegen seines Plots.

Denn die Sci-Fi-Geschichte ist super: spannend, geheimnisumwoben, im höchsten Grade gesellschaftskritisch und sie hat auch heute von ihrer Aktualität nichts eingebüßt: Thema Konsumgesellschaft, Klimawandel und Überwachung. Die filmische Umsetzung dieser Geschichte hingegen überzeugt nicht immer, dafür sind die Figuren, ihre Handlungen und die Dialoge oft zu unausgereift – was dem Film aber immerhin das Flair eines B-Pictures gibt und damit irgendwie sympathisch macht. Trotzdem: Die Geschichte hat enorm viel Potential, das SIE LEBEN aber nicht ganz ausschöpft. Anstatt die dem Film zugrunde liegende Kurzgeschichte mit plotreichen Entwicklungen anzureichern, streckt Carpenter seinen Film lieber mit anderweitigen Szenen auf Spielfilmlänge: etwa mit einer fast 10-minütigen (was bei einer Gesamtlänge von 90 Minuten recht viel ist), überaus witzigen Schlägereiszene, die heute schon einen gewissen Kultstatus erlangt hat. Das macht SIE LEBEN zwar weit weniger tiefsinnig als möglich gewesen wäre, dafür aber unbestreitbar unterhaltsam.

Und noch ein Hinweis für diejenigen, die sich durch das rote Quadrat auf dem Cover auf die ein oder andere Weise beeinflussen lassen: Die FSK-Freigabe ab 18 ist stark übertrieben und führt den Zuschauer zunächst in die Irre. Denn SIE LEBEN ist kein gewalttätiger Splatterfilm, sondern ein interessanter Science-Fiction-Actionfilm. Die Gewaltszenen beschränken sich auf harmlose Schießereien und Prügeleien, sodass auch empfindliche oder jüngere Zuschauer ohne Sorge den Film genießen können: Eine FSK-12-Freigabe hätte es auch getan. SIE LEBEN ist ein gelungener Film mit B-Movie-Charme: unterhaltsam, witzig, actionreich, klug.

SIE LEBEN erschien am 8. November 2018 neben den beiden weiteren Carpenter-Filmen DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT und THE FOG mit hervorragender Bildqualität bei STUDIOCANAL. Als Extra gibt’s den Audiokommentar von John Carpenter und Roddy Piper.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial StudioCanal

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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Ein Gedanke zu „SIE LEBEN (1988)

  1. Hat für mich bis heute an Nichts verloren und damals fand ich ihn weniger trashig als mehr comichaft. Die Idee an sich war so großartig: obey! und dann die Musik dazu. Ich liebe Carpenter dafür.

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