MANDY (2018)

Malerische Melodie aus schaurig-bunten Klängen

Der Horrorthriller MANDY von Regisseur Panos Cosmatos entführt uns in ein Opus aus kräftigen Farbkontrasten und 80er Synthie Sound. Schwermütig, hochgradig pathetisch und gleichermaßen anmutend inszeniert sich eine schauderhaft-wahnsinnige Geschichte zwischen Traum und Wirklichkeit. Was passiert in diesem Film? Warum passiert es? Und: Ist das wirklich ernst gemeint oder doch nur eine karikierte Hommage?

 

INHALT: 

Ein einfaches Leben irgendwo im Nirgendwo: Das hat sich ein Paar erschaffen. Sie wohnen in einer kleinen Hütte an einem malerischen See. Red (Nicolas Cage) ist Holzfäller, Mandy (Andrea Riseborough) arbeitet in einem kleinen Laden. Ein Glück, ein Gefühl der Zufriedenheit umgibt die beiden, sobald sie beieinander sind. Sie erfreuen sich an den kleinen Dingen und daran, dass sie einander haben. Das könnte alles so weitergehen.

Dann dringt eine Sekte mit Hilfe von Kreaturen des unfassbaren Bösen in das Haus des Paares ein. Ihr begehrtes Ziel ist Mandy, die ein neues Mitglied der religiösen Gruppierung werden soll. Aber sie weigert sich. Und so muss Red gefesselt und verwundet mit ansehen, wie seine Frau zum Opfer der Wahnsinnigen wird. Sein einziger Gedanke ist nun, Rache zu üben. Doch kommt er gegen die Mächte, denen er gegenübersteht, überhaupt alleine an?

FAZIT:

Selten wurde Pathos so passend eingesetzt, wie in MANDY. Es gibt kaum eine Szene ohne dramatische Pausen, schwermütiger Betonung oder großer Gesten. Das wirkt in vielen Fällen übertrieben, ja gar albern. Schräg wäre für diesen Film noch eine untertrieben Bezeichnung. Vielmehr hat der Wahnsinn Methode. Denn dieser Film ist ein optisches Kunstwerk voll von überzeichneten Verrücktheiten. Es ist ein Paralleluniversum musikalischer Klangkontrast, in denen sich das Böse durch Menschen des Glaubens manifestiert.

MANDY ist eine Sinfonie im Geiste des Heavy Metals. Stilistisch angelehnt an ein Musikvideo, zelebriert dr Film seine Szenen und ertränkt sich selbst in Farbe. Er erinnert an den Zeichentrickfilm HEAVY METAL. Beide Filme sind sprudelnde Referenzkunstwerke für epische Rockhymnen der 70er und 80er Jahre. Dabei bietet dieser Film viele Szenen, die sich gut auf Schallplattencover von Slayer, Mötlye Crue, Iron Maiden oder Judas Priest machen würden. Nebenbei setzt MANDY als Zwischensequenzen auf einen Animationsstil, der auch gut in den Film aus dem Jahre 1981 passen könnte.

Regisseur Panos Cosmatos hat unbestreitbar die Bildsprache des Heavy Metals studiert und auf seinen Film übertragen. Dabei bedient er sich vor allem dem okkult-religiösem Thema. Ganz im Sinne des Metals präsentiert MANDY ausgerechnet das Christentum als fanatisch und fehlgeleitet: Ein mysteriöser Chemiker braut Drogen, dank denen man wiederum offensichtlich in einen Blutrausch verfällt. Statt Nächstenliebe darf man von dieser Sekte vielmehr Chaos und Fanatismus erwarten. Gemeinsam mit einer höllischen Motorradgang entführen sie hilflose Menschen. Bei Red sind sie jedoch an den Falschen geraten.

MANDY lässt sich Zeit, um uns Erklärungen für seine verträumt albtraumhaften Bilder zu liefern. Der Film ist aufgeteilt in Kapitel, die werden stilecht mit einem Schriftzug eingeleitet. Auch sie sind für sich kleine Kunstwerke. Ganz im Stil ein Grindhouse-Rachefilms baut sich das Werk gemächlich und melancholisch auf und endet in einem absolut brutalem Blutrausch. Nicolas Cage, der schon früher gezeigt hat, was für einen irren Blick er drauf hat – wir erinnern uns etwa an WILD AT HEART oder FACE/OFF, legt hier einen durchdringenden Seelenstrip ab. Und das alleine durch seine Augen. Blutverschmiert wird er von hilflosen Opfer zu eiskalten Rächer. Wahrhaftig eine seine stärksten, wenngleich auch oberflächlichsten Rollen.

Er mag etwas zu trashig geworden sein. Auch die schauspielerisch Leistung der Nebenrollen ist etwas plump, ihre Charaktere sind jedoch ebenso flach. Doch MANDY erfüllt in seiner Bildkraft, in seiner blutigen Brutalität eigentlich alles, was ein Horrorfilm seines Subgenres ausmacht – obendrein ist er in all seiner plakativen-offensiven Inszenierung so laut, wie leise – ein nachdenklich-ekliger Film, der absolutes Kultpotential besitzt.

MANDY ist seit dem 29.11.2018 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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