DER VORNAME (2018)

die beste deutsche Komödie seit Jahren!

DER VORNAME ist endlich einmal ein perfektes Beispiel dafür, wie eine grandiose Komödie auszusehen hat. Schon der Trailer war einer der witzigsten und Bestgemachtesten, die man seit langem gesehen hatte. Man konnte bei ihm schon das perfekte Timing sehen, das DER VORNAME auszeichnet. Und er lockte die Zuschauer glücklicherweise ins Kino: Über eine Millionen Menschen sahen die Mischung aus psychologischem Kammerspiel und bitterböser Komödie im Kino. Jetzt kann man DER VORNAME noch einmal oder zum ersten Mal im Heimkino genießen. Es ist ein Film, den man nach der Sichtung direkt noch mal sehen will.

INHALT

Literaturprofessor Stephan (Christoph Maria Herbst) und seine Frau Elisabeth (Caroline Peters) erwarten zum Abendessen Freunde und Familie: den Freund seit Kindertagen René (Justus von Dohnányi), Elizabeths Bruder Thomas (Florian David Fitz) und dessen schwangere Frau Anna (Janina Uhse). Bevor Anna dazukommt, gibt Thomas den Namen ihres zukünftigen Sohnes bekannt: Adolf. Vor allem der linke Stephan kann das nicht fassen. Es beginnt eine heftige Diskussion darüber, ob man sein Kind heutzutage Adolf nennen darf oder nicht. Doch schon bald beschränkt sich der Streit nicht mehr nur auf den Namen. Die Situation eskaliert und es werden Dinge gesagt, die besser unausgesprochen bleiben sollten…

FAZIT

In DER VORNAME stimmt einfach alles: die Screwball-artigen schnellen Dialoge, die grandiosen Schauspieler, die genaue Inszenierung – alles auf höchstem Niveau und stets im Dienste der Handlung und Figurenzeichnung. Vor allem in zwei Dingen begeistert die Komödie: Mit ihrem Witz einerseits und andererseits mit ihrem spannenden Thema, das in ihr klug und mit interessanter Argumentationsstruktur der Figuren diskutiert wird.

Den Witz erleben wir zum einen durch ein riesiges Gagfeuerwerk im Dialog (besonders in den ersten 60 Minuten) in rasantem Tempo, zum anderen im perfekten Timing der Inszenierung. Bewegungen der Figuren, Geräusche, Blicke sind perfekt auf den Dialog abgestimmt und entfalten die größtmögliche komische Wirkung. Regisseur Sönke Wortmann (KLEINE HAIE, DAS WUNDER VON BERN) weiß genau, wie er seine grandiosen Schauspieler zu führen hat. Von der ersten Sekunde an ist es schwierig, mit dem Grinsen aufzuhören. Schon im Vorspann findet sich der erste genial komische Einfall: In den Vorspann-Credits werden jeweils nur die Vornamen der Schauspieler aufgeführt. Damit ist man sofort im Thema des Films drin und wird für Namen sensibilisiert, die in den folgenden 90 Minuten eine so tragende Rolle spielen.

Mindestens ebenso unterhaltsam wie der Witz ist auch der Inhalt der Diskussion der Figuren. Vor allem diskussionsfreudige Menschen werden daran ihren Spaß haben. Sie finden sich hier genau wieder und ihre wahren Diskussionsgründe werden tückisch entlarvt. Zunächst scheint es unmöglich, rechtfertigen zu können, dass man sein Kind Adolf nennt. Doch mit bezeichnender Logik schafft Thomas es, diese Sicherheit stark ins Wanken zu bringen. Dabei überzeugt in vielen Dingen nicht nur, was er sagt, sondern vor allem, wie Florian David Fitz es sagt. Immer wieder geht die Diskussion zwischen Thomas und Stephan los, sehr zum Leidtragen von Ehefrau Elizabeth, und bildet damit eine wunderbaren Running Gag.

Und damit sind wir beim eigentlichen Kern, der für das Gelingen der Komödie verantwortlich ist: die Schauspieler. Christoph Maria Herbst überspitzt als arroganter, intellektueller Literaturprofessor seine Stromberg-Rolle und gestaltet sie aggressiver. Florian David Fitz spielt dessen Gegenspieler als ein provozierendes Großmaul mit mindestens genau so viel Arschlochfaktor. Caroline Peters ist die zunächst naiv wirkende Hausfrau, die von den Männern nicht ernst genommen wird (erinnert dabei oft an Else von Herz und eine Seele). Doch ihr wird der abschließende Monolog zugeteilt, in dem sie mit allen Figuren abrechnen kann. Und Justus von Dohnányi ist der gutmütige Freund, der mit seinen nett gemeinten Kommentaren in der aggressiven Diskussion immer für Lacher sorgt. Jede Figur kriegt hier sein Fett weg: Die Darsteller stellen ihre Charaktere bloß, ohne sie lächerlich zu machen.

Sie alle, ausnahmslos, spielen unglaublich authentisch. Man möge meinen, solche Natürlichkeit kann nur durch Improvisation hervorgerufen werden, doch wie man im Bonusmaterial erfährt, war dies keine Option: Es wurde sich strikt ans Drehbuch gehalten, von dem man wegen der tollen und durchdachten Dialogführung nicht abweichen wollte. Und so kommen die Szenen dem Zuschauer aus dem eigenen Leben bekannt vor. Mit jeder Figur kann man sich identifizieren – mit der einen mehr, mit der anderen weniger. Es wirkt nichts aufgesetzt in DER VORNAME, sondern extrem realitätsnah. Es ist die reine Freude, diesen Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie sich in ihren Rollen austoben. Nur so lässt sich erklären, dass etwa eine Szene funktioniert, in der minutenlang nur ein Name erraten wird und dass diese Szene unfassbar witzig ist.

Zum Schluss hin lassen die Geschwindigkeit und der Witz etwas nach. Dann werden heftige Dinge gesagt, die ganz klar unter die Haut gehen und eigentlich beziehungsgefährdend sein müssten. Weniger mit Lachen reagiert man hier als Zuschauer mit Angespanntheit. Doch die Risse zwischen den Figuren werden nie zu groß, weil stets ein Urvertrauen zwischen allen besteht, das die Schauspieler auch trotz ihrer starken Gefühlsausbrüche immer spürbar machen. So gerät auch der Schluss nicht zur tragischen Katastrophe, sondern im Kern zu einem schönen Lobgesang auf Familie, Freundschaft, Beziehungen und Vertrauen. Diese fehlende Radikalität und angeblich fehlender Mut wurde in vielen Filmbesprechungen kritisiert. Doch dieser Schluss berührt viel mehr, als es eine Katastrophe je geschafft hätte. Und er passt viel besser zu dem vorher Gesehenen.

Sönke Wortmanns Inszenierung wurde vielfach kritisiert. Sie sei filmästhetisch zu unauffällig gewesen, wurde ihm vorgeworfen. Doch genau damit hat er die richtige Wahl getroffen. Er zieht die Auffälligkeit der Inszenierung zurück und lässt die Konzentration damit ganz auf den Figuren und Dialogen bleiben. Dies ist genau der richtige Weg gewesen.

DER VORNAME ist absolut sehenswert: tiefsinnig, klug, berührend und unglaublich komisch. Mehr kann man von einer Komödie nicht erwarten! Die Komödie ist seit dem 4. April 2019 auf DVD und Blu-ray erhältlich. Als Extras gibt’s ein kurzes Making Of, Interviews und Trailer.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Constantin Film

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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