DER NUSSKNACKER UND DIE VIER REICHE (2018)

DER NUSSKNACKER UND DIE VIER REICHE verfolgt eine schöne Idee. Doch der Film ist einfach nicht konsequent genug. Pompöse Kostüme und ein hochkarätiger Cast reichen leider nicht aus, um eine schwache Handlung und triefend kitschige Bilder wettzumachen.

INHALT

Clara (Mackenzie Foy) hat keine Lust auf das Leben in der feinen Gesellschaft. Nach dem Tod ihrer Mutter ist ohnehin nichts mehr wie es einmal war. Doch es ist Weihnachten und so muss sie mit ihrem Vater, ihrer Schwester und ihren Bruder mit zu einem Ball. Völlig abgeneigt ist sie dem nicht, jedenfalls was den Ort betrifft. Denn der Erfinder Drosselmeyer (Morgan Freeman) veranstaltet das Fest. Die Technik-interessierte Clara hält sich nur allzu gerne in seiner Werkstatt auf.

Jeder Gast erhält von Drosselmeyer ein Geschenk. Claras ist ein Schlüssel, der sie in ein geheime Welt führt. In dieser gibt es vier magische Reiche, die miteinander im Krieg stehen. Als unverhoffte Thronerbin kann nur Clara die Reiche einen und wieder Frieden in die Welt bringen…

FAZIT

Was würde Gruselautor E.T.A. Hoffmann denken, wenn er die Adaption seines Nussknackers im Kino sehen würde. Wahrscheinlich wäre er begeistert vom Tüll und vom Pomp, aber die Geschichte wäre auch ihm etwas zu wirr und dünn – von der fehlenden Grausamkeit der Vorlage ist in dieser Disney-Adaption selbstredend auch nichts zu sehen. Aber was anderes hätte uns auch gewundert.

DER NUSSKNACKER UND DIE VIER REICHE möchte eine mythische Geschichte von vier magischen Reichen erzählen. Diese stehen im Konflikt und warten auf eine Person, die es vermag, den Frieden wiederherzustellen. Der Ansatz könnte eine ganze Serie füllen. Leider haben wir nur etwa 99 Minuten Zeit – das, so zeigt sich im Laufe des Films immer deutlich, ist viel zu wenig.

Lasse Hallströms DER NUSSKNACKER UND DIE VIER REICHE reitet im Galopp durch eine dünne Handlung, die als viktorianische Coming-of-Age-Geschichte beginnt, eine Wunderland-Wendung erhält und dann eine völlig eigene Welt aufbaut, die keine Zeit erhält, sich in ihren Tiefen zu zeigen.

Dabei liest sich die Besetzung zunächst prima: Morgan Freeman, Keira Knightley, Hellen Mirren und Mackenzie Foy als Clara. Jeder einzelne ist großartig besetzt. Allen voran Keira Knightley merkt man an, dass sie an ihrer abwechslungsreichen Rollen viel Freude hat. So vielversprechend die Namen sind, so sehr überzeugen die Darbietungen. Nein, die Schauspieler sind nicht das Problem. Es ist die Zeitnot.

Denn kaum ist Heldin Clara in den vier Reichen angekommen, wird sie gefeiert. Figuren werden eingeführt, spielen aber schon bald keine Rolle mehr. Ein Spurt durch alle Reiche folgt, nur um dann doch wieder in irgendwelchen schneeweißen Austauschwäldern oder viel zu kulissenhaften Thronsälen zu enden. Die bunte, farbenfrohe Kitschoptik, die vielleicht nicht jedem gefällt, erhält durch das Setting künstliche Grenzen. Diese engen auch die Handlung ein und schmälern die Begeisterung für die magische Welt.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Story selbst keine Gelegenheit erhält, sich wirklich zu entfalten. Die Charakter wirken eindimensional, plakativ manchmal auch stumpf in ihrem Verhalten. Und der große Twist, der vor Intrigen und Heimtücke trieft, ist so ausgeleiert wie ein dünnes Korsett am Busen einer fülligen Anstandsdame. Als TV-Film wäre der Film nett gewesen. Für das Kino reicht er leider nicht aus. Und so ist gerade die Heimkino-Version das ideale Format, um DER NUSSKNACKER UND DIE VIER REICHE zu präsentieren. Der Film ist seit dem 14.03.2019 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Disney

© Disney

Jörg Gottschling

Moin! Ich bin der Filmaffe. Den Blog hab ich mir ausgedacht. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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