DVD & Blu-Ray,  Kritiken

AUFBRUCH ZUM MOND (2018)

Der neue Film vom „Wunderkind“ Damien Chazelle

Nach dem kleinen Meisterwerk WHIPLASH (2014) und dem großen Meisterwerk LA LA LAND (2016) war die Vorfreude groß auf den neuen Film von Damien Chazelle. Als dann bekannt wurde, was sein neustes Werk wird, konnten viele eine Enttäuschung nicht verbergen. Kein Musikfilm. Kein Jazz. Nein, AUFBRUCH ZUM MOND klang nach dem typisch amerikanischen Film nach wahren Begebenheiten über einen amerikanischen Helden, voller Pathos und ohne Überraschungen. Auch der wenig überzeugende Trailer verstärkte diesen Eindruck.

Wieso macht Chazelle so etwas gewöhnliches, fragte man sich unwillkürlich? Aber trotzdem gab man die Hoffnung nicht auf, dass er eben doch etwas Ungewöhnliches aus dieser Geschichte entwickelte. War sie berechtigt?

INHALT:

Der Ingenieur Neil Armstrong (Ryan Gosling) arbeitet 1961 als Testpilot und fliegt zu Beginn des Films sogar über die Erdatmosphäre. Mit seiner Frau Janet (Claire Foy) hat er zwei Kinder, doch das jüngere der beiden stirbt schon in frühem Alter an einem Hirntumor. Es ist ein Verlust, den die Eltern niemals überwinden werden.

Armstrong bewirbt sich beim Gemini-Projekt der NASA, dessen endgültiges Ziel es ist, einen Menschen auf den Mond zu schicken. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, gegen die Sowjetunion, gegen die Politik und die Kritik der Bevölkerung. Die NASA muss viele Rückschläge verkraften, ebenso Armstrong auf persönlicher Ebene. Doch es soll ihnen gelingen: Am 21. Juli 1969 betritt Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.

FAZIT:

Das Ende der Geschichte ist jedem bekannt, umso unbekannter sind viele Etappen auf dem Weg dahin und die Person Neil Armstrong. Und genau dies rückt Chazelle in seinem Film in den Fokus. Er inszeniert AUFBRUCH ZUM MOND nicht als gewöhnliches amerikanisches Heldendrama voller Pathos. Eigentlich ist von Pathos kaum etwas zu finden in diesem mit 142 Minuten Laufzeit etwas überlangen Spielfilm. Chazelle geht einen interessanten Weg. Ihm geht es weniger um die technischen und politischen Entwicklungen, die es brauchte, um das Weltraumprogramm durchzuführen, auch wenn er ihnen viel Spielzeit einräumt. Vielmehr geht es Chazelle um die Figur Neil Armstrongs und die Menschen in seinem Umfeld: seine Frau, seine Kinder, seine Kollegen. Mit auffällig vielen Nahaufnahmen arbeitet Chazelle, um uns die Personen näher zu bringen.

Tragisch ist, dass dies trotz hervorragender Leistungen von Ryan Gosling und Claire Foy nicht gelingen mag. An den Schauspielern kann es bei ihrem intensiven Spiel nicht liegen, dass einem die Figuren seltsam fremd bleiben; es ist die Inszenierung zu beschuldigen. Auch wenn man 142 Minuten in Nahaufnahmen an Neil Armstrong dran ist, versteht man bis zum Schluss weder die Figur noch seine Handlungen. Wieso lässt er sich auf diese lebensgefährliche Mission ein? Wieso behandelt er seine Familie so kalt und ignoriert seine beiden Söhne die meiste Zeit? Mit dem Tod der Tochter, lassen sich diese Fragen nicht einfach beantworten.

Wo also das Drama zwischen den Figuren nicht richtig zu packen versteht, verhält es sich mit den Szenen, die die Mission behandeln, etwas anders. Eine sehr kluge Entscheidung ist es, bei den Raumfahrtsequenzen die Kamera selten das Shuttle verlassen zu lassen. Die Enge, die Komplexität und die Unübersichtlichkeit dieser Rakete werden einem so direkt vermittelt. Es ist unvorstellbar, wie man in dieser beklemmenden, blechernen und wackligen Raumkapsel keine Panik bekommen kann. Und so ist AUFBRUCH ZUM MOND auch in diesen Szenen stets nah an den Personen dran, interessiert sich weniger für die Vorgänge draußen im All als für die Insassen. Die wenigen Bilder, die man vom Geschehen außerhalb des Raumschiffs zu sehen bekommt, sind oft unverständlich. Was genau da passiert, welche technischen Abläufe vonstattengehen, erschließt sich dem Zuschauer nicht unbedingt. Umso deutlicher wird das Gefühl im Raumschiff vermittelt. Zwar erlangen die Raumfahrtszenen nie die Intensität wie sie GRAVITY (2013) oder INTERSTELLAR (2014) zu schaffen verstehen, doch eine (An-Spannung kann man ihnen keinesfalls abstreiten. Ärgerlich ist, dass die Geräusche an vielen Stellen unbeabsichtigterweise so laut sind, dass sich der Dialog beim besten Willen nicht verstehen lässt – dabei wären die Gespräche über die verzerrte Funkanlage nicht unwichtig.

So hält AUFBRUCH ZUM MOND den Zuschauer irgendwie auf Distanz, obwohl er eigentlich genau das Gegenteil erreichen will. Der Gesamteindruck ist daher trotz überragender Schauspieler und einiger spannender Sequenzen irgendwie fad…

Ganz und gar nicht fad ist hingegen die Aufbereitung der DVD/ Blu-Ray, die am 14. März 2019 erscheint. Schon ohne die beiliegende Bonus-DVD wären es eine Menge Extras. Erfreulicherweise ist es auch nicht gewöhnliches, nichtssagendes Bonusmaterial, sondern durchaus interessante Features, aus denen die Intention der Filmemacher deutlich wird und die nochmal zu einem anderen Verständnis des Films beitragen. Auch der Aufwand beim Dreh von AUFBRUCH ZUM MOND wird deutlich. Man bekommt einen Eindruck davon, wie detailgenau und historisch exakt der Film inszeniert wurde. Wenn auch der Film also hinter seinen Erwartungen angesichts des hervorragenden Regisseurs zurückbleibt, so ist die Ausstattung der DVD/ Blu-Ray das große Plus dieser Veröffentlichung!

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Universal Pictures

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Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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