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LETO (2018)

Sommer auf Russisch

Ein Regisseur steht aufgrund fragwürdiger Anschuldigen in seiner Heimat Russland unter Hausarrest und kann seinen eigenen Film nur aus der Ferne beenden. Der Grund für all das Drama könnte seine kritische Haltung der Regierung gegenüber sein. Der Stoff für einen guten Film? Nein, lediglich die Umstände unter denen LETO entstand.

INHALT

Die Musikwelt der 70er und 80er Jahre waren gefüllt mit David Bowie, Bob Dylan, Blondie und Lou Reed. Diese Welt beschränkt sich nicht nur auf den Westen, auch in Russland entstehen junge Rockbands, die ihren Vorbildern nacheifern. In Leningrad (das heutige Sankt Petersburg) ist Anfang der 80er Jahre Mike Naumenko (Roman Bilyk) der Anführer der Rock Szene.

Seine Band Zoopark genießt Ruhm und zählt viele Fans. Jedoch alles im Rahmen der staatlichen Kontrolle. Privat ist Mike eher „normal“. Er ist verheiratet mit Natalia (Irina Starshenbaum) und hat ein Kind. An einem Abend lernt er den jungen Sänger Viktor Tsoi (Teo Yoo) kennen, der unbedingt für ihn vorsingen möchte. Mike erkennt schnell das Potential des jungen Viktors. Es entsteht eine innige Freundschaft, nicht nur zwischen Mike und Viktor, sondern auch zwischen Viktor und Natalia. Als bei letztere aus Freundschaft mehr zu werden scheint, ist das Drama vorprogrammiert.

FAZIT

Der Titel LETO ist denkbar einfach gewählt, es ist das russische Wort für Sommer. In Eben dieser Jahreszeit spielt auch die Handlung des Films. Wie bereits erwähnt wurde der Regisseur Kirill Serebrennikow während der Dreharbeiten zu LETO festgenommen und unter Hausarrest gestellt. Auch nach Cannes konnte er nicht reisen, wo sein Film gezeigt wurde. Es wurden Petitionen für seine Freilassung gestartet, die lange erfolglos war. Erst am 8.4.2019 wurde der Hausarrest überraschend aufgehoben.

Aber nun zum Film. LETO ist ein schwarz-weiß Film. Nutzt heute ein Filmemacher das aktive Weglassen der Farbe, kann ich immer nur denken, dass er eine besondere Melancholie einfließen lassen wollte. Die ruhigen Bilder transportieren eine Ruhe und Entspanntheit, die der rebellischen Musik gegenübersteht. Es ist dabei immer spannend zu sehen, wie Musik und ihre Macher in den vorgegebenen Grenzen der russischen Regierung agieren, man will ja schließlich nicht eingesperrt werden.

Technisch gesehen handelt es sich bei LETO um ein Biopic, da jedoch beide Männer bereits lange tot sind, basiert die Handlung lose auf den Erinnerungen von Natalia Naumenko und der Fantasie der Filmemacher. Inwieweit die komplizierte Dreiecks-Beziehung wirklich stattgefunden hat, ist umstritten. Das kann einen als Zuschauer stören, muss es aber nicht. Selbst BOHEMIAN RHAPSODY war nicht 1A originalgetreu. Was ich jedoch eher als störend empfunden habe, war das gelegentliche Durchbrechen der vierten Wand, wenn jemand ein Schild mit „Das ist alles gar nicht so passiert“ präsentiert.

Alles in allem ist LETO ein, unter erschwerten Bedingungen hergestellter, aber durchaus gelungener Musikfilm, der mir Musiker vorgestellt hat, von denen ich bisher nie gehört hatte. Der Film ist seit dem 12.04.2019 im Handel erhältlich.

von Sarah Binder

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Weltkino

Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.

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