INDISKRET (1959)

Cary Grant belügt Ingrid Bergman

In wie vielen Filmen gaukelt ein Mann seiner Geliebten vor, er wäre nicht verheiratet! INDISKRET dreht dies schön um: Hier täuscht Cary Grant seiner Liebe vor, er wäre verheiratet, obwohl das nicht stimmt – um weiter frei zu sein. Mit INDISKRET erscheint ein eher unbekannterer Film des erst kürzlich verstorbenen Stanley Donen (er starb Ende Februar 2019 an Herzversagen) noch einmal auf Blu-ray und DVD.

Er war einer der großen Vertreter der „Goldenen Ära“ Hollywoods. Mit seinen Musicals HEUT GEHEN WIR BUMMELN (1949) und SINGING IN THE RAIN (1952) und Komödien wie EIN SÜßER FRATZ (1957), VOR HAUSFREUNDEN WIRD GEWARNT (1960) oder ARABESKE (1966) feierte er große Erfolge.

INHALT

Anna Kalman (Ingrid Bergman) ist eine berühmte Theaterschauspielerin. Über ihre Schwester (Phyllis Calvert) und deren Mann (Cecil Parker) lernt sie den erfolgreichen und gut aussehenden Philip Adams (Cary Grant) kennen, der eine ganz wichtige Persönlichkeit ist: Die NATO hat ihm eine wichtige Stelle angeboten, er diniert mit dem französischen Außenminister und dem Präsidenten und unterhält sich mit ihnen über Pyjamas und Nachthemden. Anna ist ihm sofort ergeben. Innerhalb eines Abends haben sich Anna und Philip ineinander verliebt.

Als sie sich für ein nächstes Treffen verabreden wollen, gesteht Philip ihr, dass er verheiratet ist, aber von seiner Frau getrennt lebt. Zunächst ist Anna darüber erschrocken, doch wirklich stören tut es sie nicht. Sie treffen sich weiterhin und werden ein Paar. Annas Schwager findet heraus, dass Philip gelogen hat. Er ist gar nicht verheiratet. Er hat es nur behauptet, um… Ja warum eigentlich?

FAZIT

Der Plot der Komödie hat eigentlich viel Potential. Man vermutet Verwirrungen, Geheimniskrämereien und Verstrickungen in Lügen. Doch dahingehend wird man enttäuscht. Man hätte bei INDISKRET den Fokus auf Spannung setzen können – das Verwirrspiel bietet dafür Möglichkeiten zu Hauf. Doch so spannend wie Donens ARABESKE oder CHARADE (1963) wird es hier nie. Man hätte andererseits auch auf deftige Screwball-Dialoge setzen können, von denen man weiß, dass Cary Grant und Ingrid Bergman sie perfekt beherrschen. Doch INDISKRET ist nie so flott wie etwa VOR HAUSFREUNDEN WIRD GEWARNT. Donen geht in seiner Komödie einen anderen Weg: Er setzt auf Romantik.

Und das führt leider zu einigen Längen. Zwar versprühen Cary Grant und Ingrid Bergman, auch wenn sie sichtlich gealtert sind, wie gewohnt ihren Charme. Doch die Romantik der Beziehung der beiden Protagonisten will sich nicht so ganz auf den Zuschauer übertragen. Schuld ist die Inszenierung: Von der ersten Begegnung an ist klar, dass die beiden Hauptfiguren voneinander fasziniert sind. Trotzdem verbraucht der Film viel Zeit damit, die entstehende Liebe des Paares zu zeigen. Das ist recht überflüssig, weil dieser Aspekt vom ersten Moment an klar ist. Es werden keine neuen Informationen geliefert (alles notwendigen Gefühle sind schon in der ersten Begegnung enthalten), auch werden wenig ansprechende Bilder gefunden: minutenlanges schweigendes Spazieren durch London oder eine einminütige Fahrt im Aufzug, in der sich das Liebespaar zu aufdringlicher Musik nur anschmachtet.

Diese gewollte Romantik ist langweilig, wenn nicht stellenweise sogar recht anstrengend. Auch die Lüge von Philip ergibt wenig Sinn, da er offensichtlich in diese Frau verliebt ist. Der Film schafft es nicht, eine wirklich überzeugende Erklärung dafür zu finden.

Dass INDISKRET dennoch beileibe kein Reinfall ist, liegt an den guten Darstellern, einigen sehr gut platzierten Gags und so mancher grandioser Szene, die ewig im Gedächtnis bleiben wird. Wie so oft im Goldenen Zeitalter Hollywoods mussten die Regisseure kreativ werden, um die sexuelle Beziehung der Protagonisten deutlich zu machen, ohne dass sie etwas deutlich zeigen durften. Davon gibt es viele schöne Beispiele in INDISKRET. Das Schönste – und zugleich die beste Szene des Films – ist eine raffinierte Sequenz in der Mitte des Films: Philip und Anna haben eine Fernbeziehung. Sie ist in London, er in Paris und sie telefonieren jeden Abend im Bett miteinander. Durch ein geschicktes Split Screen sorgt Donen dafür, dass das Liebespaar dennoch scheinbar im selben Bett liegt, sich ansieht, Händchen hält und an einer Stelle – man glaubt es kaum – tätschelt er ihr sogar den Hintern. Solche Szenen entlohnen die zwischendurch auftretenden Längen und weniger gelungenen Passagen.

So ist INDISKRET keinesfalls misslungen, aber auf jeden Fall einer der schwächeren Filme in Stanley Donens Karriere. Die Komödie ist am 18.04.2019 bei STUDIOCANAL erschienen und als DVD und Blu-ray erhältlich. Als Extras sind mehrere Trailer vorhanden.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial StudioCanal

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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2 Gedanken zu „INDISKRET (1959)

  1. Ja, als Komödie eher unbefriedigend. Mit einem solchen Cast hätte man da wesentlich mehr draus machen können. Nach wie vor klasse ist allerdings die Tanzszene, in der Grant wunderbar leichtfüßig, obwohl er da schon Mitte/Ende 50 ist, seinem Affen Zucker geben kann.

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