Schwarz auf weiß #32: COFFEE AND CIGARETTES (2004)

Jeder weiß natürlich, dass Zigaretten schlecht für uns sind. Darüber brauchen wir auch gar nicht mehr diskutieren. Ich habe mir diese schlechte Angewohnheit abgewöhnt, oder zumindest so gut wie, also fast – es ist kompliziert. Aber wenn ich an die Zeit zurückdenke, in der es noch nicht kompliziert war, erinnere ich mich gerne daran, mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette auf meinem breiten Fensterbrett in meiner Studenten-WG gesessen und über alles und nichts nachgedacht oder mit Freunden einfach gequatscht habe.

In Jim Jarmuschs COFFEE AND CIGARETTES geht es auch irgendwie um das Gefühl und auch um die Pausen, die man aus dieser Kombination gewinnen kann. Aber es ist ebenso eine Liebeserklärung an die Freundschaft. Denn der Vorspann liest sich, wie die beste Partygästeliste aller Zeiten und alle haben wegen Jarmusch mitgemacht. Jim Jarmusch ist einfach meine Art von verrückt. Der Held des Indie-Kinos und auch er hat glücklicherweise in seiner Karriere hin und wieder auf Farbe verzichtet, deshalb kann er hier thematisiert werden.

COFFEE AND CIGARETTES ist ein Episodenfilm, bestehend aus elf Segmenten, die zwischen 1986 und 2003 gedreht wurden (und Richard Linklater dachte, 12 Jahre sind gut). Viele der Darsteller spielen grob sich selbst, die Handlung ist mal mehr, mal weniger improvisiert. In der ersten Episode unterhalten sich Roberto Benigni und Steven Wright über das Kaffeetrinken und schließlich über Angst vor dem Zahnarzt. 1995 trafen sich Tom Waits und Iggy Pop, dazwischen erzählte Steve Buscemi als Kellner Joie und Cinqué Lee (Geschwister von Spike Lee) etwas von bösen Zwillingen und was das mit Elvis zu tun hat.

Gut, dass Jim Jarmusch so einen illustren Freundeskreis um sich herum versammelt, oder wo kann man sonst RZA und GZA vom Wu-Tang Clan Tee trinken und über Gesundheit philosophieren sehen? Ich würde ja sagen, dass deshalb auch Bill Murray Teil des Ganzen ist und sich gleich die ganze Kanne Kaffee hinunter schüttet, aber Murray ist sich auch sonst für einen guten Joke nicht zu schade (ZOMBIELAND, A VERY MURRAY CHRISTMAS). Nicht zu vergessen ist natürlich Cate Blanchett, die zwar sich selbst spielt, dann aber auf ihre fiktive, neidische Cousine trifft, die sie direkt auch noch verkörpert hat.

Alle Episoden spielen in Hotels, Bars, Restaurant etc. und Hauptdarsteller sind, wie der Titel schon sagt, der Kaffee und die Zigaretten. Das schwarz-weiße Bild und die beiden Elemente verbinden sich zu einer Melancholie, die nur Jarmusch hinbekommen kann. Es wird nicht nur über die Alltagsdrogen gesprochen, es geht auch um Paris in den 20er Jahren oder aber auch Nikola Tesla und seine berühmte Spule (Episode mit Jack White). Und dennoch, es passiert nicht wirklich etwas in den Episoden, sondern der Zuschauer schaut einfach nur zu, wie Menschen sich miteinander austauschen – so einfach und doch so effektiv. Und der halb echte, biografische Charakter, oder wie genau man es auch nennen möchte, verschafft dem Zuschauer noch eine Art Augenhöhe mit der Filmelite, die auch die einfachen Dinge genießen kann.

Mit Episodenfilme ist es doch so: entweder man mag sie oder eben nicht. Wenn ich in mein kleines Bücherregal schaue und Joey Goebels neue Kurzgeschichtensammlung neben den 50 GREAT SHORT STORIES stehen sehe, dann muss ich zugeben, dass ich persönlich Erzählungen im Miniformat sehr schätze. Und das nicht nur in der Literatur. Jim Jarmusch mag man, oder eben nicht. Aber COFFEE AND CIGARETTES hat definitiv sehr sehenswerte Episoden und ich denke, ich schau mir jetzt nochmal meinen geliebten Bill Murray an.

Sarah Binder

Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
Sarah Binder

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