COLD SKIN – INSEL DER KREATUREN (2017)

Stimmiges Horrordrama aus europäischer Produktion

In der spanisch-französischen Produktion COLD SKIN stehen zwei Männer einer riesigen Horde unheimlicher, gefährlicher Kreaturen gegenüber. Was zunächst nach Gemetzel klingt, ist in Wirklichkeit ein stimmungsvolles und vielschichtiges Werk. Für einen Horrorfilm setzt COLD SKIN ungewöhnliche Akzente, bedient sich aber auch häufig genug dem, was von dem Genre erwartet wird. Inszeniert wurde das von der Story her simple, aber visuell stark überzeugende Horrordrama von Xavier Gens, der vor allem durch FRONTIER(S) (2006) und HITMAN (2007) bekannt wurde.

INHALT

Wir schreiben das Jahr 1914: Wetteroffizier Friend (David Oakes) wird auf einer abgelegenen, einsamen Insel abgesetzt. Er soll dort die Windstärken messen und aufzeichnen. Auf der Insel erwartet ihn der schroffe, unfreundliche Leuchtturmwärter Gruner (Ray Stevenson), der in dem hohen Leuchtturm der Insel wohnt. Friend selbst haust in einer kleinen Holzhütte nebenan.

In der ersten Nacht wird Friend von einer unheimlichen, fischartigen Kreatur aufgesucht und angegriffen, doch er kann sich wehren und verjagt sie. In der nächsten Nacht attackiert eine ganze Horde dieser Kreaturen sein Haus, das er daraufhin in Panik niederbrennt. Gruner erlaubt ihm, mit im Leuchtturm zu wohnen. Er hält sich dort allerdings – zum Unmut Friends – eine der Kreaturen als Haustier. Nacht für Nacht wird in der Folge der Leuchtturm angegriffen, Nacht für Nacht muss er von den beiden Männern in den Schlachten verteidigt werden. Doch die riesige Zahl der Monster scheint nicht abzunehmen. Wie kann man sie aufhalten?

FAZIT

Die FSK-ab 12 Freigabe zeigt schon, dass es sich bei COLD SKIN nicht um splatterhaften, blutigen Monsterhorror handelt. Vielmehr bekommt man ein atmosphärisches und düsteres Horrorthrillerdrama geboten. Es baut Spannung und Stimmung langsam auf und nutzt erzählerisch laute Effekte wie Jump-Scares nur höchst selten. Darüber hinaus behandelt es Themen wie Einsamkeit, die menschliche Psyche und – wie zuletzt auch Guillermo del Toros SHAPE OF WATER – das Verhältnis zwischen Mensch und Monster.

Was nicht bedeutet, dass die Action zu kurz kommen würde. Die Nacht für Nacht stattfindenden Schlachten sind stets immer ein klein bisschen Helms Klamm – nicht nur aufgrund der Ork-haften Geräusche wird man des Öfteren an HERR DER RINGE erinnert. Auch der sarumanische Turm, auf dem sie sich befinden, und das Äußere von Gruner, das dem dunklen Zauberer aus Isengart ähnelt, lässt die Gedanken manchmal zu der Fantasy-Trilogie schweifen, auch wenn COLD SKIN ansonsten nichts mit ihr gemein hat.

Die Special Effekts können sich nicht nur in den Schlachtszenen sehen lassen – trotz der geringen Mittel, die für COLD SKIN zur Verfügung standen: keine billigen CGI-Bilder (auch wenn man in der ersten Einstellung des Films zunächst das Gegenteil befürchtet), sondern handgemachte Effekte und gute Visual Effects. Arturo Balseiro, der schon bei PANS LABYRINTH fürs Special-Effects-Makeup verantwortlich war, überzeugt auch hier mit seinem Design der Kreaturen – es liegt irgendwo zwischen Avatar, Uruk-hai und dem Amphibienmenschen aus SHAPE OF WATER. Ihrem Aussehen nach können sie sowohl bösartige Bestien sein als auch friedliebende Lebewesen.

Das macht die Entwicklung der Filmstory unberechenbar. Sind die beiden Männer die Guten, die gegen das Böse ankämpfen? Oder sind sie Eindringlinge, die die Einheimischen einfach abschlachten? Daraus resultiert auch die Frage, die COLD SKIN in einem Nietzsche Zitat („Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“) vorne anstellt: Können aus Menschen nicht auch ganz leicht Monster werden?

COLD SKIN erschien am 4. Oktober 2018 bei Tiberius Film auf Blu-ray und DVD. Als Extras sind leider nur Trailer enthalten und keine Beiträge mit Hintergrundinformationen zum Film.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Sony Pictures Home Entertainment

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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