SCOUTS VS. ZOMBIES (2015)

Drei Waldnerds retten die Welt

Sie schnitzen, sie sammeln Blätter, sie ahmen den Ruf der Vögel nach und sitzen abends gemeinsam am Lagerfeuer und erzählen sich Gruselgeschichten: Pfadfinder. Als Kind ist es verdammt cool, dabei zu sein. Doch mit zunehmenden Alter ist man nur noch ein seltsamer Verlierer, der auf keine Party eingeladen wird. In SCOUTS VS. ZOMBIES beweisen drei Halbstarke Verlierer, wie geil es ist, ein Waldnerd zu sein.

INHALT:

Nach einem Unfall in einer Forschungsstation verbreitet sich langsam, aber heftig, ein Virus über eine amerikanische Kleinstadt. Davon ahnen die drei überreifen Scouts Ben (Tye Sheridan), Carter Grand (Logan Miller) und Augie (Joey Morgan) sowie ihr Scout Leader Rogers (David Koechner) noch nichts. Sie planen ihren Camp-Ausflug in den Wald – und zwei von ihnen sogar insgeheim auch den Besuch einer geheimen Party, auf der eine Menge angesagter Kids sind.

Die langersehnte Party erreichen Ben und Carter jedoch erst einmal nicht. Statt dessen versuchen die drei den vermissten Rogers zu finden und landen mitten in einer Stadt voller Zombies. Mit Hilfe der taffen Denise (Sarah Dumont) kämpfen sich die Scouts durch Zombiehorden. Ihr Ziel: Die Party retten und die Stadt von der Seuche befreien.

FAZIT:

SCOUTS VS. ZOMBIES – HANDBUCH ZUR ZOMBIE APOKALYPSE Regisseur und Drehbuchator Christopher Landon (BLOOD & CHOCOLATE; 2007/ PARANORMAL ACTIVITY 2-5; 2010 – 2014) ist eine von vielen Horrorkomödien, in der unbefangene Außenseiter-Teenager auf Horden von Untoten treffen, die Welt retten und am Ende das Mädchen bekommen. So simpel und bekannt die Story ist, so solide wurde dieses B-Movie umgesetzt.

SCOUTS VS. ZOMBIES spielt mit Klischees, überzeugt jedoch in seinem Abfeuern von Stereotypen nur bedingt. Die Pfadfinder wirken von der ersten Minuten an cooler als sie sein sollen. Ein Nerdtum dichtet man höchsten dem dicken, braven Augie an. Alle Charaktere wirken durchdacht, aber zu arg konstruiert und platt. Man nimmt ihnen ihr Rolle als Klischeefigur nicht ab und manche Figuren (wie etwa dem männlichen Kontrahenten von Ben), die mehr Konfliktpotential besitzen, erhalten zu wenig Spielzeit, um sich als Stereotyp einbringen zu können. So gelingt es SCOUTS VS. ZOMBIES, trotz seines geringen Anspruchs, nicht, seine eigene, niedrig angesetzte Spieltiefe zu erreichen – und das ist wohl das Größte Problem des Films.

Obendrein reitet die Handlung im Gallopp voran und lässt vielen Lücken zurück: Warum brach die Seuche aus? Wie konnte sich die Seuche so schnell – es sind höchstens zwei Stunden vergangen, dann war die halbe Stadt entweder evakuiert oder hat sich in Zombies verwandelt – ausbreiten? Wer wurde wirklich alles gerettet? Was passiert mit manchen Figuren, die zuerst eingeführt werden und dann nicht mehr auftauchen?

Während es die Charaktere und die Handlung holpert, trifft SCOUTS VS. ZOMBIES optisch genau den richtigen Farbton. Die Kostüme untermalen die individuellen Figuren. So hat jeder der drei Pfadfinder seine eigene Interpretation der Scout-Uniform. Und auch die anderen Charaktere, selbst die Zombies, haben jeder für sich einen Look gefunden. Die Splatter-Effekte sind zudem recht hochwertig und mit einer nötigen Prise Humor versehen. Gelungenen sind zudem die kleinen Geschichten, die immer wieder im Hintergrund der Szenen erzählt werden. Vor allem die Choreographie und Optik der Zombies ist in diesem Zusammenhang zu loben. So sieht jeder Zombie anders aus, hat andere Blessuren und erzählt durch sein Outfit oder sein Verhalten eine andere Geschichte: Da haben wir die Zombie-Stripperin, die, bevor sie los beißt, instinktiv einen Lapdance an der Stange vollführt, den Rollschuhfahrenden Zombie, der sich nicht mehr auf den Beinen halten kann, oder die Zombie-Oma, die im Hintergrund mit ihrer Fahrhilfe durch die Gegend düst. So viel Individualität in einer Zombiemasse gab es wohl selten im Film.

Hervorzuheben ist Comedian und Schauspieler David Koechner (ANCHORMAN – DIE LEGENDE KEHRT ZURÜCK; 2014/ THANK YOU FOR SMOKING; 2007), der in seiner Rolle als Scout Leader frühzeitig das Leben verliert, als Zombie jedoch zum Running Gag wird. Er wird erstochen, verbrannt und überfahren, steht aber immer wieder auf.

Natürlich darf auch in dieser Horrorkomödie die ein oder andere Schweinerei nicht fehlen. Gerade Carter zeigt sich von einer triebgesteuerten Seite und ist die maßgebliche Kraft für die Umsetzung von einer Menge Unsinn und schlechter Ideen. So lässt es sich Carter nicht nehmen, kurz die entblößten Brüste einer Zombie-Polizisten zu kneten. Sein Kumpel Ben hingegen geht ungewollt auf Tuchfühlung mit einem nackten Zombie-Rentner, an dessen Penis er sich festhält, um nicht aus dem Fenster zu fallen. Dieses Schweinereien gehören einfach zum Filmgenre dazu, fallen aber im Gegensatz zu anderen Vertretern, wie etwas DEATHGASM gerade harmlos, ja vielleicht sogar prüde aus.

SCOUTS VS. ZOMBIE unterhält mit infantilem Humor und netten Splatter-Effekten. Die Produktion wirkt nicht billig, allerdings setzt sich der Film auch nicht sonderlich innerhalb seines Subgenres ab. Liebhaber solcher Horrorkomödie werden ihr helle Freude haben, manch anderen wird aber wohl nicht mehr als ein verschmitztes Lächeln über die Lippen kommen – aber auch kann für einen netten Filmabend ausreichen.

SCOUTS VS. ZOMBIES ist ab dem 24.03.2016 auf Blu-Ray und DVD im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Universal Pictures Germany GmbH 2016

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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