DER SCHWEIGSAME FREMDE (1953)

Westerner treibt Doppelspiel

André De Toth, Regisseur der grandiosen Western DER SCHARFSCHÜTZE (1950) und TAG DER GESETZLOSEN (1959), lässt Western-Star Randolph Scott in diesem Film ein doppeltes Spiel mit zwei Banden treiben. Dabei bewegt sich De Toth allerdings auf herkömmlichen Pfaden. Mit dem jungen Lee Marvin und Ernest Borgnine in Nebenrollen.

 

INHALT:

Im amerikanischen Bürgerkrieg folgt Jeff Travis (Randolph Scott) den Befehlen eines Offiziers und spioniert für ihn unschuldige Leute aus. Was Jeff nicht weiß: Sein Boss ist unehrenhaft aus der Armee entlassen worden und mordet und plündert auf eigene Hand mit Jeffs Hilfe das Land. Als Jeff dies erfährt, verlässt er den Mann und wird ehrlicher Soldat.

Einige Zeit nach dem Bürgerkrieg wird Jeff als Spion des Offiziers erkannt und zum Duell herausgefordert. Gerettet wird er von dem Bandenchef Jules Mourret (George Macready). Jeff steht nun in der Schuld dieses kriminellen Mannes und das nutzt Mourret aus. Er erpresst ihn, ein Postkutschenunternehmen auszuspionieren und Gelegenheiten für Überfälle zu melden. Jeff spielt das Spiel kurze Zeit mit. Als es aber zu Gewalt kommt, will Jeff Mourret austricksen und die ganze Bande loswerden.

FAZIT:

Jeff Travis ist ein undurchsichtiger Charakter. Er wird als Held und moralisch Guter inszeniert. Doch er beteiligt sich an kriminellen Machenschaften, auch wenn die Gründe dafür nicht immer sofort klar sind. Seine Verbrechen werden nicht rechtfertigt, wie es oft bei den mythisch erhobenen Banditen wie Billy the Kid oder Jesse James gemacht wurde. Jeff stolpert eher in die Verbrechen hinein, scheint sich damit aber schnell abzufinden. Vor allem will er sich nicht zur Verantwortung ziehen lassen.

Das macht den Charakter schwer zu durchschauen. Dass Jeff dabei ein doppeltes Spiel spielt und zwei Banden, ähnlich wie der einsame Fremde in FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR, gegeneinander auszuspielen versucht, macht die Einschätzung nicht einfacher. Ist er auf der Seite des Postkutschen-Unternehmers und seiner hübschen Tochter? Will er wirklich für Mourret arbeiten? Geht es ihm nur darum, auf irgendeine Art viel Geld zu verdienen? Und wie sind seine Absichten mit seiner alten Bekanntschaft Josie?

Diese Fragen machen DER SCHWEIGSAME FREMDE ganz interessant, der ansonsten eine ziemlich routinierte Western-Story abliefert. Zum großen Teil besteht der Film aus Verfolgungsjagden und Überfällen, die Jeff mit organisiert. Einzig auffällige Abweichungen vom gewöhnlichen Inszenierungsstil ist die Einbindung der Kamera ins Geschehen: Es wird in die Kamera geschossen, Fackeln, Stühle und Tische werden gegen sie geworfen. So kann der Zuschauer direkter an der Gewalt teilhaben. Darüberhinaus bietet DER SCHWEIGSAME FREMDE allerdings nicht sehr viel. Für Leute, die an eher mittelmäßigen Westernklassikern Freude haben, ist der Film aber unterhaltsam.

Das Bonusmaterial fällt mit dem Trailer und einer Bildergalerie dürftig aus. DER SCHWEIGSAME FREMDE ist seit dem 07.12.2017 auf Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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