ER IST WIEDER DA (2015)

Der Führer back in Action?!

Stellt euch vor, der Führer ist zurück und geht ins Internet. Was er da alles anstellen kann und wie er in unserer Gegenwart zurechtkommen würde, dass erzählt uns die Romanverfilmung ER IST WIEDER DA. Die schwarze Komödie von David Wnendt ist amüsant, aber auch äußerst harmlos.

 

INHALT:

Und plötzlich wacht er auf. Irgendwo im Gras liegt er, macht seine Augen auf und kann diesen kaum glauben. Wie ist es möglich? Was für ein Jahr haben wir? Wer sind die ganzen Menschen? Und haben wir den Krieg gewonnen? Der Führer, Adolf Hitler (Oliver Masucci) ist zurück und zunächst völlig verwirrt.

Angekommen in einem neuen Jahrtausend fängt er da an, wo er aufgehört hat. Er manipuliert die Massen. Die denken, er sei ein begnadeter Comedian und Doppelgänger. Das Volk liebt ihn und seinen „Humor“. Dabei reist er keine Witze, sondern meint alles ernst. Er lässt sein Publikum in dem Glauben und arbeitet an seinem Comeback. Wider Willen hilft ihm dabei der Journalist Fabian (Fabian Busch). Der denkt, er hat eine irre Story vor der Linse. Doch als er merkt, wen er da wirklich vor sich hat, ist bereits alles zu spät…

FAZIT:

Die schwarze Komödie ER IST WIEDER DA spielt mit Grenzen, überschreitet diese aber selten. Dies mag an seinem eher harmlosen Witz liegen, der so unterschwellig daherkommt, dass wohl nur wenige den Zynismus begreifen. Aber es mag wohl auch daran liegen, dass ER IST WIEDER DA so verbissen politisch korrekt inszeniert wurde, dass beinahe jede nur denkbare Tabugrenze höchstens gestreichelt wird.

Apropos Biss: genau der fehlt dem Film. Alles hätte einen Ticken frecher sein können, eine Prise böser sein müssen. Zwar wird der Führer als charismatischer Charakter dargestellt, der selbstbewusst und überzeugend auftritt. Betritt er den Raum, sind alle Augen auf ihn gerichtet. Ein Effekt, der beeindruckt. Aber das ist eben nicht immer nachvollziehbar. Müsste man als Zuschauer nicht ebenso mitgerissen sein, wie die Mittelklasse, die ihm im Film laut applaudiert. Ja, aber eben das geschieht nicht. Man gibt dem Führer nicht recht. Nicht, weil er der Führer ist, sondern plump deswegen, weil seine Argumente bröckeln. Dennoch steht er oft nur da und macht nichts. Das scheint (für die Menschen im Film und vielleicht auch für einige Zuschauer) zu reichen. Das wiederum ist wirklich schockierend.

Die Story selbst ist relativ schnell auserzählt: Hitler reist mit einem Journalisten durch Deutschland. Was zunächst eine Comedy-Tour ist, wird bald so etwas wie ein Wahlkampf. Der Führer schwingt Reden, erhält Lacher und bald schon immer mehr nickende Knöpfe. Zwischendrin kämpft ein Journalist um seine Existenz und der Führer mit den Tücken der Moderne. Das mag alles ganz unterhaltsam sein, wirkt mit zunehmender Länge jedoch etwas dröge.

Für Abwechslung sorgt vor allem der Stil von dieser Filmproduktion: ER IST WIEDER DA bedient sich einer Mischung aus fiktiven Szenen und echten Interviews mit Passanten, Politikern und Unternehmern. Dazu reiste das Filmteam quer durch Deutschland, stellte ihre Hitler-Version auf die Straße und fing Impressionen und Reaktionen ein. Diese sind so bunt wie die Bevölkerung und natürlich nicht immer positiv. Der Ruck nach rechts wie links, der satirische Umgang mit Hitler, als das ist bekannt. Und so wirkt der dadurch erzeugte authentische Touch gewollt und verfehlt seinen schockierenden Effekt. Man ist solche Szenen schlicht aus dem normalen Fernsehprogramm gewöhnt.

ER IST WIEDER DA mag bei manchen ein tiefes Schlucken im Hals verursachen. Richtig fies ist der Film aber nicht, vielmehr bitter ehrlich. Aber es ist eben eine Ehrlichkeit, die wir bereits Wissen. Trotz der bitteren Schwere, die das Thema nach sich ziehen könnte, bleibt der Film daher nur Mittelklasse. Anschauen kann man ihn sich trotzdem. Denn eine Auseinandersetzung mit diesem Thema ist nie verkehrt – schon gar nicht in unserer Zeit. Und wer weiß, vielleicht werden doch noch einige Augen dadurch geöffnet.

ER IST WIEDER DA steht derzeit auf Netflix zum Abruf bereit.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Constantin Film

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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