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COLD WAR – DER BREITENGRAD DER LIEBE (2018)

Fünf Jahre nach seinem ruhigen, bedächtigen Werk IDA (2013), das viele Preise abräumte, beeindruckte der polnische Regisseur Paweł Pawlikowski auf Festivals erneut mit einem Film: Sein COLD WAR ist mehrfach preisgekrönt, unter anderem gewann er den Europäischen Filmpreis und wurde für drei Oscars nominiert. Das Drama erzählt die sich über zwanzig Jahre erstreckende Geschichte zweier Liebenden, während des Kalten Krieges. Seine ruhige Erzählweise sowie sein Verzicht auf Mainstream-konforme Inszenierung erschafft eine stark an die Nouvelle Vague erinnernde Atmosphäre.

INHALT

Polen, 1949: Wiktor Warski (Tomasz Kot) und Irena Bielecka (Agata Kulesza) sammeln im ganzen Land Volkslieder, die sie auf den Bühnen des Landes vortragen wollen. Anschließend veranstalten sie ein großes Casting unter jungen Leuten, um für ihre Tournee die passenden Sängerinnen und Tänzerinnen zu finden. Unter den jungen Bewerbern ist auch die hübsche Zula Lichon (Joanna Kulig). Wiktor ist sofort von ihr angetan und nimmt sie in das Ensemble auf.

Bald schon haben sich Wiktor und Zula ineinander verliebt und sind heimlich ein Paar. Doch es ist keine leichte Zeit in Polen. Die Regierung nimmt immer mehr Einfluss auf das Ensemble und diktiert Lieder und Auftritte. Zula wird gezwungen, ihren Geliebten auszuspionieren. Wiktor möchte daher mit Zula in den Westen fliehen, doch am Tag der Flucht erscheint sie nicht am abgemachten Treffpunkt. Wiktor geht alleine nach Paris. In den kommenden Jahren soll sich der Weg der zwei Liebenden aber noch einige Male kreuzen…

FAZIT

Auf den ersten Blick ähnelt die Form von COLD WAR stark der des Vorgängers IDA: Wieder in Schwarzweiß gedreht, wieder in engem 4:3 Format. Doch die Bilder sind in Pawlikowskis neuem Werk nicht ganz so statisch, der Bildaufbau nicht ganz so dezentral wie in IDA. Auch die Stimmung der beiden Filme ist auf den ersten Blick sehr ähnlich: ruhig, unaufgeregt, fast schon zu sanft. Doch COLD WAR ist um einiges romantischer, wenn auch eher unter der Oberfläche. Die durchaus dramatische Geschichte von COLD WAR erzählt Pawlikowski in einer undramatischen Inszenierung. Der Trailer gibt von dem Drama des Plots einen Eindruck, aber seine mitreißende, pathetische Form führt in die Irre: COLD WAR bietet keine hollywoodmäßige Erzählweise, sondern bedächtiges Arthouse-Kino. Was auf keinen Fall etwas Negatives ist!

Nur an ein paar Stellen verliert sich COLD WAR etwas. Es ist schade, dass die politische Dimension der Geschichte zwischendurch nachlässt und stattdessen gängige Beziehungsprobleme auftauchen. Diese Szenen wirken dadurch etwas belanglos, zumal da sie in diesem großen geschichtlichen Kontext eingebettet sind. Auch das Ende hätte so nicht unbedingt sein müssen. Es ist doch etwas zu aufdringlich und zu platt.

Der Rest an COLD WAR überzeugt jedoch! Die Schauspieler füllen ihre Rollen intensiv mit Leben. Die Liebesgeschichte zieht den Zuschauer trotz ihres gemächlichen Tempos in ihren Bann. Die vielen musikalischen Szenen sind nicht nur für Musik-Interessierte interessant, sondern sie berühren auch in der Story. Trotz der relativ kurzen Laufzeit von 88 Minuten widmet Pawlikowski der Musik viel Zeit. Die Gesangseinlagen auf der Bühne aber auch die der einfachen Leute auf den Straßen zu Beginn des Films versprühen eine ganz besondere Atmosphäre.

Wem IDA zu formal, zu distanziert und zu langsam war, der wird auch mit COLD WAR seine Schwierigkeiten haben. Wer aber von IDA berührt wurde, dem wird es auch bei COLD WAR nicht anders ergehen.

COLD WAR – DER BREITENGRAD DER LIEBE erscheint am 11. April 2019 auf DVD und Blu-ray.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Euro Video

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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