BLADE RUNNER 2049 (2017)

Ein Bildgewaltiges Actiondrama im Herbstton

BLADE RUNNER 2049 folgt seinem Vorgänger in jedweder Hinsicht. Mit ein wenig mehr Action, sind es vor allem die Bilder und Dialoge, die dieses Science Fiction-Epos ausmachen. Optisch atemberaubend ist der Film inhaltlich jedoch eine halbleere Hülle. Seine größte Schwäche: Die Länge.

INHALT:

Replikant „K“ (Ryan Gosling) ist ein Blade Runner – und verdammt gut darin. Er jagt seine eigene Art: Gezüchtete Lebensformen, die stärker, intelligenter und in jeglicher Hinsicht perfekter als Menschen sind. Einige von diesen sind verschwunden. Und was man nicht kontrollieren kann, das muss eben beseitigt werden.

Doch sein letzter Auftrag lässt ihn zweifeln: Es wird die skelettierte Leiche einer bekannten und lange gesuchten Replikantin gefunden. Jene, die einst mit dem Blade Runner Rick Deckard (Harrison Ford) vor der Polizei floh und nie wieder gesehen wurde – bis jetzt. Die Zeichen weisen darauf hin, dass sie bei der Geburt ihres Kindes starb. Ein schwangerer Replikant? Ist das überhaupt möglich? Und wenn ja, dann muss dieses Geheimnis gewahrt werden.

„K“ übernimmt die Ermittlungen, soll das Kind, wenn es dieses wirklich gibt, aufspüren. Seine Spuren führen zu Deckard. Und es scheint, als sei er dem Kind näher als man vermuten möchte. Steht „K“ wirklich auf der richtigen Seite?

FAZIT:

Und wieder eine Fortsetzung eines Klassikers mit großen Ambitionen: BLADE RUNNER 2049 knüpft direkt an. Man fühlt sich gleich wieder hinein gesogen in diese kalte, post-apokalyptische Welt. Denis Villeneuve inszeniert einen stimmungsvollen, beinahe melancholisch anmutenden Science Fiction Film, in dem Hoffnung und hoffnungslose Stagnation zwei Extreme ohne Gleichgewicht sind.

Die Erde, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr: Die Tiere sind beinahe ausgerottet, pflanzliche Vegetation kennt man nur noch aus Büchern und die Armut der Menschen ist ein alltägliches Bild auf den Straßen. Auf der anderen Seite gibt es wenige Mächtige, welche die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen formen. Gerechtigkeit ist das, was von oben herab diktiert wird. Wer sich dem nicht fügt, wird selbst zum Gejagten.

In diesem Szenario eingebettet, ist BLADE RUNNER 2049 so dunkel wie sein Vorgänger. Vielmehr trägt der Film eine Last, eine nicht zu sehende, aber fühlbare Schwermut mit sich. Manche Szenen werden in die Länge gezogen, tiefsinnige leere Blicke der Charaktere treffen den Zuschauer und die Story verharrt nur allzu gern in bedeutungsschwangere Monologe. Zielführend ist das nicht, aber es sieht verdammt cool aus, hat gar etwas Kunstvolles.
Und doch: Vor allem die Optik ist Kunst. Die Kamera führt uns von einer Location zur Nächsten, ist immer genau dort, wo sie sein muss, um die Atmosphäre einzufangen. Und das Bild besticht durch seinen rot-braunen Ton. In der Zukunft herrscht Herbst – nur, dass kaum noch Bäume da sind, von denen die Blätter fallen können. Es ist eine bedrückende Zukunft, sogar noch bedrückender als im Vorgänger. Und dass wird vor allem durch das Bild vermittelt.

In dieser Welt lernen wir „K“ kennen, was eigentlich kein richtiger Name ist, sondern nur der Anfang seiner Identifikationsnummer. Er ist eine künstliche Lebensform und ein stiller Jäger – ein Blade Runner. Täglich ist er der Schikane ausgesetzt, weil er so ist wie er ist. Er ist ein Lebewesen zweiter Klasse und wird doch geduldet. In einem kleinen Apartment baut er sich ein Leben auf, führt gar so etwas wie eine Beziehung mit einem Hologramm. Das alles wirkt traurig und zeigt, dass er nicht in diese Welt gehört – aber es gibt eben keine andere für ihn.

Durch seinen neusten Fall ändert sich sein Weltbild. Aus einem Niemand wird er zu einem Jemand. Es grenzt an den Mythos, dass Jesus ein Kind gehabt haben soll: Die Annahme, dass Replikanten Kinder gebähren können, ist ein Sakrileg. Umso folgenschwerer scheint der Beweis dessen. Deswegen gilt es, das Kind zu finden und den Mythos im Keim zu ersticken. Doch jagt hier gar ein Kind sich selbst? „K“ sammelt Beweise und findet Andeutungen, ja die Möglichkeit, dass er dieses Kind ist. Nur Deckard kann ihm diese Antwort geben.

Harrison Ford spielt nach mehr als 30 Jahren wieder seine Rolle: Abgeklärt und doch noch nicht emotional verarmt, hat seine Figur sich zurückgezogen an einen unwirklichen Ort. Dort genießt er seine Einsamkeit – eben jene Einsamkeit, die „K“ krampfhaft versucht loszuwerden. Sie sind einander ähnlich und doch verschieden in ihrem Bestreben. Ein Treffen der Generationen, das auf Augenhöhe stattfindet und durch eine unausgesprochene Verbundenheit schon bald zu einer kurzen Partnerschaft reift.

Ihnen gegenüber steht Jared Leto als blinder, skrupelloser, fast stoischer Schurke. Er weiß zu beängstigen. Er geht mit jedweder Art von Leben so um, als wäre er der Schöpfer der Welt. Wahrlich ist er das auch. Jedenfalls für die Replikanten. Kaum sind diese am Leben, sind sie auch schon wieder Tod. Für ihn ist es ein Spiel. Aber eines mit ernstem Hintergrund. Denn er soll der Schöpfer, der Gott dieser Wesen bleiben. Und deswegen ist er auch der Strippenzieher im Hintergrund, der den Messias der künstlichen Kreaturen finden und vernichten muss. Seine monotonen Monologe sind so langatmig, wie seine blinde Person bedrohlich ist. Auch wenn er selbst Wesen erschafft, so ist er doch selbst der Prototyp, dieser kranken neuen Welt.

In BLADE RUNNER 2049 dauert alles länger als nötig. Aber, und hier liegt die Stärke, gibt das den Figuren Zeit sich vorzustellen, sich zu präsentieren. Leider ziehen sich dadurch die Dialoge zu Monologen. Dies gibt dem Denken der Figuren, ja der Mentalität der Bewohner dieser Welt viel Freiraum – zu Ungunsten der Handlung. Die ist, wie beim Vorgänger, schnell auserzählt und selbst der Twist und die Auflösung der Handlung gibt keine richtige Befriedigung.

So ist BLADE RUNNER 2049 wieder nur eine Episode, die so ruhig endet, wie sie begann und mehr Fragen zurücklässt, als sie beantworten konnte. Lohnt er sich? Auf jeden Fall! Doch wird er seinem Hype gerecht? Leider nein!

BLADE RUNNER 2049 läuft seit dem 05.10.2017 in den deutschen Kinos.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Sony Pictures 2017

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Jörg Gottschling

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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