BIRDMAN (2015)

Die Filmkritik

In den letzten Jahren haben Filme von Regisseur Alejandro González Iñárritu immer öfter für anspruchsvolle, aber dabei keineswegs langweilige Kinomomente gesorgt. Das hat auch die Academy honoriert. So ist sein kommendes Werk BIRDMAN ODER (DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT) in diversen Kategorien für einen Goldjungen nominiert. Ob diese Nominierungen auch gerechtfertigt sind, erfahrt ihr jetzt.

INHALT:

Die Karriere von Riggan Thomson (Michael Keaton) ist quasi am Ende. Früher verkörperte er den ikonischen Superhelden Birdman, doch heute gehört er zu den ausgedienten Stars einer vergangenen Ära. In seiner Verzweiflung versucht er, ein Broadway-Stück auf die Beine zu stellen, um sich und allen anderen zu beweisen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Als die Premiere näher rückt, fällt Riggans Hauptdarsteller unfallbedingt aus. Der Regisseur findet mit Mike Shiner (Edward Norton) schnellen Ersatz – der jedoch nicht nur ein genialer Schauspieler, sondern auch ein exzentrischer Choleriker ist und Riggans Tochter Sam (Emma Stone) anbaggert, die gerade einen Drogenentzug hinter sich gebracht hat. Zusätzlich unter Druck gesetzt wird der gebeutelte ehemalige „Birdman“ von seiner Freundin Laura (Andrea Riseborough), die erzählt, von ihm schwanger zu sein. Ex-Frau Sylvia (Amy Ryan) schneit ebenfalls immer dann herein, wenn die Künstlernerven gerade ohnehin wieder besonders angespannt sind…

FAZIT:

Vorneweg sollte man sich als Fan von Superheldenfilmen auf keinen Fall vom Poster und dem Titel BIRDMAN in die Irre führen lassen, denn der Film hat nur im weitesten Sinne etwas mit einem richtigen Superhelden zu tun. Wie in der Inhaltsangabe bereits beschrieben will Riggan Thompson nämlich allen beweisen, dass er eben nicht nur als ehemaliger Birdman-Darsteller angesehen werden will, sondern das Theater erobern und vielleicht sogar revolutionieren möchte. Hier sieht der Zuschauer die Entstehung und den Werdegang einen solch groß angekündigten Stücks mit all dem Stress der damit verbunden ist. Hört sich das auf den ersten Blick langweilig an? Das tut es wohl wirklich, doch wir haben ja bekanntlich Alejandro González Iñárritu auf dem Regiestuhl sitzen, und welche Charaktere und Filmtechniken er zum Einsatz bringt, ist einfach unglaublich:

Jeder Darsteller hat zwar einen Charakter, wie man ihn vielleicht im Theaterdschungel des Broadway an den Tag legen sollte, denn ständige Streitereien wegen speziellen Wünschen oder einfach nur der Stress nicht zu versagen klingen doch sehr realitätsnah. Der Zuschauer bekommt aber im Idealfall nichts davon mit und sieht einfach nur das Schauspiel auf der Bühne. So bekommen wir aber dann doch einen Einblick in die Gefühlswelten von in die Tage gekommenen Superstars, jenen die sich einbilden solche zu sein und ihren Familienmitgliedern und Freunden, die ja irgendwie auch noch involviert sind. Und jeder Darsteller, angefangen mit Michael Keaton, über Edward Norton, Andrea Riseborough, Zach Galifianakis und Emma Stone liefern wirklich unfassbare Leistungen dabei ab. Besonders Stone hat eine unglaubliche Dialogszene mit Keaton, die wirklich oscarreif inszeniert ist und Zach Galifianakis beweist uns, dass er sehr viel mehr kann als nur der Dicke aus der HANGOVER-Reihe zu sein. Stark ist auch noch die Einbindung und gleichzeitige Kritik an den sozialen Netzwerken, denn um sein Ansehen zu behalten oder zu steigern, muss man aktuell wohl bei Facebook oder Twitter registriert sein und alles Mögliche über sich preisgeben. Ebenfalls sehr gut dargestellt ist auch die Presse, für die einfach jedes Falsche Wort ein gefundenes Fressen ist und die Realität im Theateralltag dadurch oft verdreht wird.

Doch auch die Filmtechnik leistet einen beträchtlichen Beitrag zum Unterhaltungswert des Films bei, denn bis auf den Anfang und das Ende existieren im Film keine wirklichen Schnitte und jede Szene reiht sich nahtlos an die andere. Natürlich erkennt man bei einem Tag- und Nachtwechsel, dass hier ein wenig getrickst wurde, doch man muss die ganzen zwei Stunden lang wirklich aufmerksam sein, denn ständig passiert etwas Neues und es gibt wie gesagt kein Schwarzbild um mal durchzuatmen. Zusätzlich bleibt die Kamera auch sehr oft im Gesicht der Schauspieler, um alle Ausdrücke einzufangen, die ihre Rollen hergeben. Aber bei all der anstrengen Aufmerksamkeit gibt es auch einige sehr lustige Sequenzen, die die angespannte Lage wieder auflockern. Begleitet wird das Geschehen die ganze Zeit über zusätzlich noch vom treibenden Schlagzeug einer Bigband – einfach toll.

Trotzdem ist dieser Film wahrscheinlich nichts für den normalen Kinogänger. Wer jedoch neben dem ganzen Einheitsbrei einmal wirklich extrem gute Schauspieler erleben will, die mit einem tollen Drehbuch agieren dürfen, ist bei BIRDMAN ODER (DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT goldrichtig. Es ist kein Wunder, dass dieser Film für 9 Oscars nominiert ist und egal ob im Kino oder zu Hause, man sollte sich diesen Film ansehen.

BIRDMAN ODER (DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT) startet am 29.01.2015 in den deutschen Kinos.

von Tobias Dute

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial 20th Century Fox 2015

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Tobias Dute

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Hey, ich bin Tobi, 25 Jahre alt und ein riesen Scifi- und Fantasyfan, doch auch Disneyfilme finde ich echt klasse. Und damit ihr meine Begeisterung auch irgendwann einmal teilt, teile ich meine Kritiken und Neuigkeiten aus Hollywood mit euch!
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