EL BAR – FRÜHSTÜCK MIT LEICHE (2017)

Zwischenmenschliche Unzulänglichkeiten meet Horrorszenario

EL BAR – FRÜHSTÜCK MIT LEICHE ist ein klaustrophobischer Horror-Thriller aus Spanien, der mit schwarzen Humor ein ungemütlich-düsteres Szenario versüßt: Während draußen alles getan wird, um den Ausbruch einer Seuche zu verhindern, eskaliert die Lage bei einer Gruppe von Menschen in einer Bar.

INHALT:

Madrid. Innenstadt. Die Vögel zwitschern. Der Tag beginnt. Alles könnte eigentlich nicht besser sein. Nur noch ein frisch-gebrühter Kaffee macht aus diesem Arbeitsmorgen einen perfekten Start in den Tag. Also rein in die Bar des Vertrauens und erst einmal frühstücken.

Doch leider kommt an diesem Tag alles anders als erwartet: Ein Gast geht aus der Bar, sinkt zu Boden, wurde am Kopf getroffen. Er ist Tod. Und noch bevor der erste Schock überwunden ist, ist die Leiche vor der Eingangstür auch schon wieder weg. Wer hat sie da weggetragen? Oder ist sie gar von selbst gegangen?

Eine zusammengewürfelte Gemeinschaft aus ängstlicher Hausfrau, ruppiger Barbesitzerin, unterdrücktem Kellner, zwielichtigen Yuppie (Mario Casas), unbekannter Schönheit (Blanca Suarez), notgeilen Unternehmern und einem extrovertierten Penner (Jaime Ordóñez) ohne Manieren ist nun notgedrungen eingesperrt in der Bar. Sie suchen nach dem Geheimnis hinter diesem Vorfall. Denn der Täter scheint in den eigenen Reihen zu sein. Aus erstem Zusammenhalt wird bald ein erbitterter Machtkampf – Lagerkoller stellt sich ein und die Situation eskaliert…

FAZIT:

Regisseur Alex de la Iglesia (MAD CIRCUS; 2010/ LA COMMUNIDAD; 2000) ist bekannt für makabre Filme, die nicht selten ins Fantastische abdriften. EL BAR – FRÜHSTÜCK MIT LEICHE haut genau in diese Kerbel, jedoch ohne ein Monster zu kreieren. Das ist auch gar nicht nötig. Denn der Mensch selbst wird zum Täter und zeigt sich von seiner dunkelsten, triebgesteuerten Seite.

EL BAR ist ein Kammerspiel, das auch gut in ein Theater passen würde: Die Bedrohung von außen wird nur vermutet, ja man sieht nicht mehr als das, was von den Fenstern der Bar aus zu sehen ist und was in der Bar selbst geschieht. Und das ist eine zuerst stille und dann offensichtliche Eskalation der Lage. Niemand traut den anderen und alle wollen überleben:

Ein Gruppe Klischees treffen sich in einer Bar. Manche kennen sich, manche nicht. Andere sind gar zum erstem Mal in diesem Lokal, würden so etwas sonst nie betreten. Konflikte sind vorprogrammiert. Dem Zuschauer ist schnell klar, wer hier welche Rolle einnehmen wird. Zumindest anfangs. Denn tatsächlich verändern sich die Figuren, jedoch nur innerhalb ihres engmaschigen Charakters. Wenn sie überspitzt ausgemalt wurden, macht dies wiederum die Personen authentisch – und die Atmosphäre so packend.

Aber EL BAR ist nicht nur ein spannender Mystery-Thriller, sondern eben auch eine Satire. Mit voller Breitseite entlässt der Film explosionsartig Vorurteile und kämpft mit zwischenmenschlichen Unzulänglichkeiten. Die eigentliche Gefahr, die geheimnisvolle Seuche, ist nur ein Katalysator. Denn der Mensch ist weit bedrohlicher, wenn er in einem Raum mit anderen Menschen eingeschlossen wird. Aus der Herde, die uns sonst so stark macht, werden Einzelkämpfer, die sich partiell Verbündete suchen, in Wahrheit aber nur eines zum Ziel haben: Ich will überleben.

Diese Gesellschaftsstudie gelingt in EL BAR vortrefflich – nicht zuletzt wegen seines schwarzen Humors unter der Gürtellinie, der sich häufig in Zynismus entlädt. Seichte Unterhaltung ist das nicht. Vielmehr handelt es sich um eine überraschend packende Geschichte, die sich nicht verstecken muss und gegen Ende immer mehr zuspitzt. Da weiß man letztlich gar nicht, ob man böse Lachen oder doch einfach nur geschockt unter der Couchdecke verschwinden soll.

EL BAR – FRÜCHSTÜCK MIT LEICHE ist seit dem 24.08.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich und steht derzeit auch auf Netflix zum Abruf bereit.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media 2017

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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