DER GROSSE ZUG NACH SANTA FÈ (1951)

Coming of Age-Geschichte im Westen

DER GROSSE ZUG NACH SANTA FÈ ist eigentlich weniger Western als im Westen angesiedeltes Coming-of-Age Drama. Er verzichtet auf die typischen Wild-West-Konfrontationen á la Indianerkämpfe, Saloon-Schlägereien oder Shoot-Outs, sondern zeigt einen seltenen Western-Protagonisten: ein Kind. Völlig gewaltfrei erzählt DER GROSSE ZUG NACH SANTA FÈ von diesem Jungen, an dem die gute Erziehung vorbeigegangen ist und der seine Lektion lernen muss. Dabei konzentriert sich der Film auf dessen Beziehung zu einem Cowboy. Wie im zwei Jahre später erschienenen Meisterwerk MEIN GROSSER FREUND SHANE (1953) himmelt der Junge auch hier den Cowboy an und sieht in ihm seinen großen Helden.

INHALT:

Der junge Chester (Dean Stockwell), Sohn eines stinkreichen Präsidenten der Eisenbahngesellschaft, ist ein verwöhnter und eingebildeter Bengel. Als er auf einer Zugfahrt bei einem Stopp kurz den Wagen verlässt, um ein paar kleine Tiere zu töten, verpasst er die Weiterfahrt des Zuges und steht mitten in der Wüste alleine da.

Er trifft den Cowboy Dan (Joel McCrea), der mit seiner Mannschaft gerade eine Rinderherde nach Santa Fé treibt. Chester schließt sich widerwillig den Männern an. Es dauert etwas, bis er Vertrauen zu den Cowboys entwickelt. Dan lehrt den Jungen auf sanfte Weise Disziplin, Respekt und Ehrlichkeit, und so langsam wird aus dem arroganten, verwöhnten Knaben ein netter junger Mann.

 

FAZIT:

In den ersten Sekunden gibt sich der Film alle Mühe, Chester als verwöhnten Bengel zu charakterisieren und so beim Zuschauer Abneigung gegen ihn zu erzeugen: Chester sitzt hier in dem Privatwaggon seines Vaters, sein Diener fragt, was er zum Frühstück essen möchte. Chester will Erdbeeren. Nun ist es aber in der weiten Wüste des Westens nicht möglich, an Erdbeeren zu kommen – zumal die Erbeerzeit schon vorüber ist. Dennoch: Chester will Erdbeeren und sonst nichts. Und die Schuhe soll der Diener auch mal ordentlicher putzen.

Da wird schon klar: Dieser Junge muss eine Lektion bekommen. Er bekommt sie auch, aber nicht auf die harte Tour, sondern auf die weiche: durch die Freundschaft zu Dan. Und am Ende ist Chester diszipliniert und brav. So simpel, wie das klingt, ist es auch. Der Film macht es sich recht einfach, ist in seiner nicht immer fehlerfreien Inszenierung sehr schlicht und wenig subtil, und wirkt dadurch – vor allem zu Beginn – oft unfreiwillig komisch.

Trotzdem hat er im Mittelteil und gen Ende doch einige Schauwerte zu bieten: Pferderennen, eine ausbrechende Rinderherde und die Jagd nach dem begehrten Wildpferd „Panther“. Vor allem als Familienfilm auch mit noch kleinen Zuschauern eignet sich DER GROSSE ZUG NACH SANTA FÈ bestimmt gut. Für jemanden, der von einem Western Action oder etwas Tiefe erwartet, ist dieser Film vielleicht zu simpel gestrickt.

DER GROSSE ZUG NACH SANTA FÈ erscheint am 10. August 2017 auf DVD und Blu-Ray, die als Extras ein Booklet und eine Bildergalerie bieten.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media 2017

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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