Schwarz auf weiß #28: ANNA KARENINA (1935)

Kaum zu glauben, aber Keira Knightley war nicht die erste Frau, die der russischen Figur Leben einhauchte. Greta Garbo machte es sogar zweimal. Schon 1927 verkörperte sie Anna Karenina in dem Stummfilm LOVE, viel bekannter ist allerdings das Werk von Clarence Brown aus dem Jahr 1935. Produziert wurde das Ganze von David O. Metro-Goldwyn-Mayer.

Und aufgrund des Fehlens von Farbe, schafft er es diesen Monat in meine kleine farblose Rubrik.

Bei ANNA KARENINA handelt es sich zwar um einen amerikanischen Film, aber es ist natürliche eine Adaption des Romans von Leo Tolstoi. Aufgrund von zahlreichen Zensurbestimmungen ist die Handlung aber nur angelehnt an den Roman. Der Film dreht sich um Anna Karenina, die Ehefrau eines Diplomaten. Er ist älter und sehr angesehen in der Gesellschaft in St. Petersburg. Die beiden haben einen Sohn, aber wirklich leidenschaftlich ist die Ehe nicht. Als sie auf den Grafen Vronsky (Frederic March) trifft, beginnt sie eine verhängnisvolle Affäre, die sich durch die Kreise der High Society Russlands des 19. Jahrhunderts zieht. Anna will ihre Liebe ausleben und sich aus ihrem Umfeld lösen. Aber ihr Mann akzeptiert das nicht und droht damit, ihr den geliebten Sohn wegzunehmen. Was Anna anfänglich für eine große Liebe gehalten hat, hat am Ende desaströse Konsequenzen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich über die Legende Greta Garbo schreibe. Durch ihre zurückhaltende Art haben sich über die Jahrzehnte zahlreiche Gerüchte und Mythen über sie entwickelt. Eine davon ist, dass sie eine Freundschaft zu einem jungen Schauspieler am Set hatte, bis dieser um ein Autogramm bat. Danach war diese Freundschaft vorbei. Oder aber, dass sie nicht bei Nacht drehen wollte und daher ganze Verdunklungskonstrukte errichtet werden mussten.

Egal ob und welche Geschichten nun wahr sind oder nicht, ANNA KARENINA war eine der besten Leistungen, die Garbo in ihrer Karriere abgeliefert hat. Verglichen mit ihrer Rolle in NINOTCHKA ist Garbo hier der herausragende Stern des Films. Die zeigt sich verletzlich und voller Ausstrahlung und schafft es mit einzelnen Blicken ganze Drehbuchseiten zu erzählen. Dass sie allerdings so heraussticht, wurde von Regisseur Brown definitiv begünstigt. Denn während Tolstois Buch die russische Kultur und die Menschen kritisch beleuchtete, ging dem Film etwas dieser Tiefe verloren. Es ging ihm vorrangig darum, Greta Garbo zu inszenieren. Und man darf nicht vergessen – es ist und bleibt eine Hollywood Produktion. Die Sets sind opulent, die Musik sehr pathetisch und die Besetzung der männlichen Rollen auf die Schönheitsideale der damaligen Zeit angepasst.

ANNA KARENINA ist dennoch ein Klassiker der Filmgeschichte. Wenn ihr euch ausgiebiger mit dem Thema beschäftigen wollt, könnt ihr die zahlreichen Verfilmungen gerne mal miteinander vergleichen. Es lohnt sich!

Sarah Binder

Sarah Binder

Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
Sarah Binder

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