A THOUGHT OF ECSTASY (2017)

philosophisch-poetische Reise mit experimentellen Zügen

Der neue Film von RP Kahl (BEDWAYS) dürfte nicht jedermanns Sache sein. Er ist speziell, alles andere als konventionell und an manchen Stellen zart skandalreißerisch. Oberflächlich ist A THOUGHT OF ECSTASY ganz vage ein Erotikthriller, aber mit stark experimentellen Zügen. Für Cineasten durchaus von Interesse, der Otto Normalverbraucher ist hier eindeutig falsch.

 

INHALT:

In einem Buch erkennt Frank (RP Kahl) sich selbst und die Beziehung zu einer Marie, die er vor 20 Jahren gekannt hat, wieder. Er fährt nach Amerika und macht sich dort in den Wüsten und Städten Kaliforniens auf die Suche nach der amerikanischen Buchautorin, die er für seine frühere Liebe hält. Frank spricht mit ihrer Agentin (Deborah Kara Unger), die ihm versichert, hinter der Autorin verberge sich keine Marie. Allerdings treibt die Agentin ein undurchsichtiges Spiel mit ihm. Frank trifft eine Prostituierte, die ihr Geld mit Videos verdient, die sie für oder mit reichen Klienten dreht. Da Frank dringend eine Schlafgelegenheit braucht, arbeitet er im Gegenzug für ein Dach über dem Kopf für sie als Kameramann – und taucht ein in eine Welt der Versuchungen…

FAZIT:

Zu Beginn des Films wähnt man sich in einem Film von David Lynch. Eine Landstraße bei Nacht im Scheinwerferlicht, beobachtet durch die Frontscheibe eines fahrenden Autos! Man könnte in der Welt von TWIN PEAKS gelandet sein, in LOST HIGHWAY (1997) oder MULHOLLAND DRIVE (2001). Doch spätestens wenn das philosophisch-poetische Voice-over einsetzt, weiß man, dass man es nicht mit einem surrealen Verwirrspiel á la Lynch zu tun hat. Es geht hier nicht um Angst, das Böse oder das Unbewusste, es geht nicht um Gefühl, sondern um Intellekt.

Zwar weiß man auch in A THOUGHT OF ECSTASY nicht, was Wahn und was Wirklichkeit, was Vision und was Fantasie ist. Doch während so etwas in Lynchs Kino im Dienst der Story steht, existiert in A THOUGHT OF ECSTASY eigentlich gar keine wirkliche Story. Der Film folgt keiner Logik, keiner klaren Struktur, er hat kein sichtbares Ziel und nichts, worauf er hinausläuft. Negativ interpretiert dümpelt der Film vor sich hin, positiv gesprochen gibt sich der Film einem Fluss hin, frei und ohne Zwänge zu experimentieren und die Gedanken laufen zu lassen. Alles ist bewusst künstlich und kunstvoll zugleich.

Frank macht auf seiner Reise verschiedene Erlebnisse, die Fantasie oder auch Wirklichkeit sein können. Mal ist er Teilnehmer dieser Szenen, wie in einer unkommentierten Sexszene in der Wüste, die an Antonionis ZABRIESKI POINT (1970) erinnert, mal ist er nur Beobachter, etwa wenn er Zeuge eines sadomasochistischen Spiels in einem Kellerraum wird. Die Überschrift über all diesen fragmentarischen Szenen ist Verführung – das verrät uns ein Zitat von Jean Baudrillard ganz am Ende des Films. Und so sieht man in den (unwirklichen?) Erlebnissen auch sexuelle Verführung verschiedenster Art – Sexspielchen, in denen es um Macht und Kontrolle geht. Die Sexszenen sind dabei recht explizit, aber nie pornographisch. Sie sind nicht anregend, sondern distanziert inszeniert.

A THOUGHT OF ECSTASY ist kein Film zum Verstehen, sondern ein Film zum Wirkenlassen und Nachdenken. Allerdings dürfte nicht jeder vom Stil des Films zufriedengestellt werden. Man kann es niemandem übel nehmen, sollte er den Film als träge und öde bezeichnen – er ist es ohne Zweifel, das ist Teil seines Stils. Darin muss man etwas Positives sehen können, um in den 90 Minuten unterhalten zu werden.

So ist er insgesamt eher nur für Cineasten geeignet. Der normale Zuschauer wird sich die meiste Zeit fragen, was eigentlich gerade los ist.

A THOUGHT OF ECSTASY erscheint am 23. August 2018 auf DVD, Blu-Ray und als Special Edition. Als Extras gibt’s Trailer und ein Interview mit RP Kahl.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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