Reiselust: Die besten Outdoor-Filme

Zwischen Outdoorwahnsinn und ruhiger Natur

Die Urlaubszeit geht zuende und der Alltag kehrt zurück. Einige erinnern sich an den wunderschönen Strand und das blaue Wasser, die anderen haben ihren Rucksack gepackt und sind durch fremde Landschaften, hohe Täler und dichte Wälder gestreift. So oder so vergisst man seinen Urlaub und die damit verbundenen Erinnerungen nie und sehnt sich bereits nach den nächsten Sommerferien.

Eine gute Überbrückung sind Filme, die entsprechende Erlebnisse ins Wohnzimmer holen. Komödien oder Liebesdramen, die an überfüllten Stränden spielen, gibt es zuhauf. Deshalb widmen wir uns heute einer Genrenische: Den Outdoor-Filmen.

Unglaubliches Potenzial

Egal ob Backpacker, Wanderer oder Extremsport: Filme, die Menschen auf der Durchreise zeigen, haben eines gemeinsam. Sie bringen eine Masse an Ideen mit, die meistens in einen Genremix gipfeln, der gleich mehrere Zuschauer begeistern kann. So kann ein Alleinreisender ganz schnell zur falschen Zeit am falschen Ort landen und dem wahren Horror begegnen, während der andere vielleicht auf eine ihm fremde Kultur trifft, der er sich stark verbunden fühlt. Die meisten dieser Filme beruhen sogar auf wahren Begebenheiten, was diesen Bereich noch interessanter macht. Eine kleine, aber feine Auswahl:

INTO THE WILD (2007)

Der Inbegriff des Outdoor-Kinos. Die wahre Geschichte des Aussteigers Christopher McCandless (Emile Hirsch) inspirierte viele junge Menschen, sich von der Zivilisation loszueisen und dem Kapitalismus Lebewohl zu sagen. Das dazugehörige Buch von Jon Krakauer wurde vor knapp 20 Jahren zum Bestseller, doch der Film des hauptberuflichen Schauspielers Sean Penn (DEAD MAN WALKING; 1996/ ICH BIN SAM; 2002) sorgte für eine wahre Euphorie und verwandelte den „Magic Bus“, der sich mitten in der Wildnis Alaskas befindet und McCandless damals als Unterschlupf diente, zu einem Pilgerort.

Der Plot ist schnell erzählt: Nach seinem College-Abschluss verkauft Christopher sein Hab und Gut, spendet Oxfam seine gesamten Ersparnisse (24.000 US-Dollar) und zieht mit seinem Rucksack jahrelang durchs Land. Sein entgültiges Ziel lautet Alaska. Bewaffnet mit 5KG Reis, Büchern von Tolstoi und einem Jagdgewehr startet er eine Odyssee quer durch Amerika und begegnet den verschiedensten Menschen.

Wer sich auf diesen Selbstfindungstrip einlässt, wird mit tollen Landschaftsaufnahmen, einer mitreißenden Geschichte und großartigen Schauspielern belohnt, die eindrucksvoll zeigen, wie bewegend ein junges Leben sein kann.

SIEBEN JAHRE IN TIBET (1997)

Der französische Regisseur Jean-Jacques Annaud (AM ANFANG WAR DAS FEUER; 1986/ DER BÄR; 1988) gilt als Experte für dialogarme Naturfilme. SIEBEN JAHRE IN TIBET strotzt jedoch nur so vor Erzählung und zeigt die ebenfalls wahre Geschichte des österreichischen Bergsteigers Heinrich Harrer (Brad Pitt), der es sich im Jahr 1939 zum Ziel gemacht hat, den Berg Nanga Parbat im Himalaya zu besteigen. Bevor er den Gipfel erreicht, wird er jedoch von britischen Soldaten verhaftet und in ein Internierungslager in Nord-Indien verfrachtet. Die Flucht gelingt, und Harrer schafft es, sich in das geheimnisvolle Tibet zu retten. Dort begegnet er dem jungen Dalai Lama Tendzin Gyasho (Jamyang Jamtsho Wangchuk), zu dem er eine innige Freundschaft aufbaut, während Tibet die Übernahme seitens der Volksrepublik China droht.

Kritiker bemängeln die Romantisierung des Stoffes, der inhaltlich von den bestätigten Fakten Harrers abweicht, aber Annaud betonte immer wieder, dass er ein Geschichtenerzähler ist. So vergehen die etwas mehr als zwei Stunden wie im Flug, denn SIEBEN JAHRE IN TIBET ist eine wunderschön gefilmte Erzählung. Egal ob es die internationalen Darsteller oder die grandiosen Bergaufnahmen sind: SIEBEN JAHRE IN TIBET entlässt den Zuschauer mit einem ruhigen und ausgeglichenen Gefühl, wie es nur wenige Filme schaffen.

EVEREST (2015)

Bleiben wir beim Bergsteigen: Auch EVEREST erzählt eine wahre Geschichte. Auch Jon Krakauer schrieb das Buch zum Film, wie es bei INTO THE WILD der Fall war. Nur ist Krakauer selbst ein Teil von EVEREST, denn er war im Mai 1996 ein Teilnehmer des Unglücks am Mount Everest, das nun von Baltasar Kormakur verfilmt wurde. Neben einer beachtlichen Darstellerriege (u.a. Josh Brolin, Jake Gyllenhaal und Jason Clarke) und überzeugenden IMAX- Aufnahmen des höchsten Bergs der Welt reißt einem vor allem der fast schon dokumentarische Erzählstil mit. Mit großer Genauigkeit und Feingefühl inszeniert Kormakur einen spannenden Blockbuster, der euch sprichtwörtlich den Atem rauben wird. Schreckt ab und fasziniert gleichermaßen.

THE DESCENT (2005)

Zugegeben, THE DESCENT ist hauptsächlich ein Horrorfilm, aber die gezeigte Höhlenexpedition verleiht dem Schocker von Regisseur Neil Marshall das gewisse Etwas. So bekommen wir sechs Freundinnen (u.a. Natalie Mendoza und Shauna Macdonald) zu sehen, die auf einer Höhlenforschung in den Appalachen das wahre Grauen erleben. Der eigentliche Bösewicht des Films ist das clever gewählte Höhlensystem, in dem sich die Frauen verirren. Diese endlose Mischung aus Gängen, Felsrissen und Dunkelheit machen selbst den abgeklärtesten Horrorfan ziemlich fertig.

127 HOURS (2010)

Wieder ein biographischer Film: Der Bergsteiger Aron Ralston (James Franco) liebt das Extreme und wird auf einem Solotrip in Utah mit einer besonders schwierigen Situation konfrontiert: Nach einem Sturz in eine Felswand wird sein rechter Arm eingeklemmt, den er ohne fremde Hilfe befreien muss. Kein Handy, wenig Wasser und absolute Abgeschiedenheit treiben Aron an den Rand der Verzweiflung. Regisseur Danny Boyle hat mit James Franco (ANANAS EXPRESS; 2008/ THE INTERVIEW; 2014) den passenden Darsteller gewählt und schuf mit diesem ein mitreißendes Psychogramm, in dem man sich permanent als Zuschauer fragt, wie man in derselben Situation reagieren würde. Eher abschreckend als motivierend, aber irgendwie einfach gut.

EAT PRAY LOVE (2010)

In der Autobiografie von Elizabeth Gilbert (Julia Roberts) geht es um Selbstfindung und die Liebe zu sich selbst. Nach ihrer gescheiterten Ehe will sich Liz eine Auszeit von einem Jahr nehmen und bereist drei Länder, die jeweils mit dem Buchstaben „I“ beginnen: Italien, Indien und Indonesien. Jedes Land hat eine besondere Bedeutung für sie. Das italienische Essen (Eat), Meditation (Pray) und Leidenschaft (Love).

Auch wenn der Film von Ryan Murphy (AMERISAN HORROR STORY) etwas oberflächlich bleibt, weckt er pure Reiselust und begeistert mit bunten Bilder und tollen Darstellern. Neben Julia Roberts treten noch Javier Bardem oder Billy Crudup auf. Der heimliche Star des Films sind aber die originalen Schauplätze in den erwähnten Ländern und der bunte Soundtrack. Einfach anschauen und genießen.

von Salih Yayar

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DIE REISEN DES JUNGEN CHE (2004)
THE BEACH (2000)
DER GROßE TRIP (2015)
DARJEELING LIMITED (2007)

BLOG-Tipp:

Wo wir gerade bei Reisen und Filme sind: Andrea von Filmtourismus.de geht einen anderen Weg. Sie besucht die Drehorte bekannter Filme und schaut sich an, wie Orte wirklich aussehen. Schaut mal rein: www.filmtourismus.de

Salih Yayar

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Hey, ich bin Salih, 28 Jahre alt, kinosüchtig und Serienfreund. Große Epen, Sci-Fi und Independent sind mein Ding - also eigentlich alles. Und wenn ich nicht gerade über Multimedia oder Politik diskutiere, versuche ich selber mal etwas auf die Leinwand zu zaubern. Meistens kläglich.
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