PERSONAL SHOPPER (2016)

Unkonventioneller Geister-Film mit Kristen Stewart

Olivier Assayas (DiIE WOKLEN VON SILS MARIA) hat mit PERSONAL SHOPPER einen ungewöhnlichen Geister-Film geschaffen, für den er in Cannes ausgezeichnet wurde. Das Publikum soll den Film dort allerdings ausgebuht haben. Scheint so, als würde PERSONAL SHOPPER polarisieren. Aber was ist denn jetzt angebracht? Ausbuhen oder auszeichnen?

INHALT:

Maureen (Kristen Stewart) arbeitet in Paris für die prominente und reiche Keira. Doch sie hasst ihren Job und sie hasst die Frau, für die sie arbeitet. Eigentlich bleibt sie nur in Paris, weil sie auf eine Nachricht ihres vor kurzem verstorbenen Bruders aus dem Jenseits wartet. Der war – wie Maureen auch – ein Medium.

Sie versucht an verschiedenen Orten, mit ihrem Bruder Kontakt aufzunehmen, doch sie bekommt nur undefinierbare Zeichen. Und dann sind da noch die ominösen Nachrichten eines Fremden, der ihr aufs Smartphone schreibt. Schreibt da ein Toter oder ein Lebendiger? Ist dieser Jemand ihr Bruder? Oder hat womöglich ein anderer Geist Kontakt zu ihr aufgenommen?

FAZIT:

PERSONAL SHOPPER ist kein klassischer Geister-Grusel-Film. Er folgt keiner klassischen Dramaturgie. Daher ist er auch nicht im herkömmlichen Horrorfilm-Sinne spannend. Seine Spannung gewinnt PERSONAL SHOPPER daraus, dass er interessant, ungewöhnlich und undefinierbar ist. Nur zwischendurch blitzen immer wieder gruselige Elemente auf, die dann aber schnell bewusst zurückgenommen werden.

PERSONAL SHOPPER ist mehr Drama als Grusel – und zwar unaufgeregtes Drama. Er legt sich nicht auf einen Handlungsstrang fest – und auf ein Genre schon gar nicht. Das macht den Film reizvoll, kann den einen oder anderen Zuschauer aber auch irritieren. Er lässt sich Zeit für seine – oft nur schwer erkennbaren – Anliegen. So widmet PERSONAL SHOPPER viel Zeit (mehr als eine Viertelstunde) lediglich dem Chat von Maureen und dem Fremden. Nur tippen, warten, Antwort bekommen und wieder tippen. Trotzdem: Langweilig wird einem dabei nicht. Dass ihm das gelingt, zeigt die Stärke des Regisseurs Olivier Assayas. Man folgt man dem Film gerne bis zum Ende.

Und das ist ebenso Kristen Stewart zu verdanken. Es ist ein Glück, dass sie nach ihrer BREAKING DAWN-Phase mit Filmen wie STILL ALICE (2014), CAFÉ SOCIETY (2016) und jetzt PERSONAL SHOPPER ihr Image etwas zu ändern versucht und damit zeigt, dass sie als tolle Schauspielerin ernstzunehmen ist. Auch hier beweist sie wieder, wie viel sie mit ihrer Mimik ausdrücken kann.

So ist PERSONAL SHOPPER als interessanter und ungewöhnlicher Film doch sehr zu empfehlen. Wer allerdings Genre-Grusel erwartet, ist hier falsch. Er ist ab dem 23. Juni 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich, die gut mit Extras ausgerüstet sind: Es gibt ein Interview mit Kristen Stewart, ein Expertengespräch, eine zusätzliche Szene und eine Trailershow.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Weltkino 2017

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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