MADAME – NICHT DIE FEINE ART (2017)

Nicht fein, aber von innen schön!

MADAME – NICHT DIE FEINE ART ist eine Cinderella-Story mit französischem Akzent nicht verbaler, sondern inhaltlicher Natur: Ein Hausdienerin wird Teil einer Dinner-Party – aus der Notlage heraus. Eine Lüge, die zunächst aufrecht erhalten werden muss. Diese Entwicklungen sind so komisch, wie tragisch. Unterhaltung trifft hier auf einen melancholischen Unterton.

 

INHALT:

Ein abendliches Dinner steht im Hause Fredericks an. Madame Anne (Toni Colette) und ihr Gatte Bob (Harvey Keitel) laden zum Dinner ein. Nur herausragende, ausgewählte Gäste sollen sich um den Tisch versammeln: Der Bürgermeister von London, nebst charmanten Ehemann und ein schweigsamer, wie genialer Künstler sind hier nur zwei, die zu nennen würdig sind. Das Problem ist, dass plötzlich Stiefsohn und Gelegenheitsschriftsteller Steven (Tom Hughes) auftaucht.

Aus zwölf sind nur dreizehn Gäste geworden. Das geht nun wirklich gar nicht. Nun muss Hausdienerin Maria (Rossy de Palma) aushelfen. Kurzhand in ein Kleid gesteckt und mit gerichteter Frisur sitzt sie unverhofft mit am Esstisch. Eigentlich soll sie hier die schweigsame Nummer vierzehn sein. Eine unnahbare Fremde. Doch die erregt mehr Aufsehen als geplant…

FAZIT:

MADAME – DIE FEINE ART von Regisseurin Amanda Sthers ist ein durchweg charmanter Film mit sympathischen Persönlichkeiten eingebettet in eine einfache, aber gefühlvoll erzählte Geschichte. Die mag einfach und nicht sonderlich innovativ sein. Aber die Darsteller und das Setting erwirken ihr Übriges, um eine kurzweilige, nette Komödie entstehen zu lassen. Dabei ist es keine Komik im albernen Sinn. Zwar gibt es auch Pointen, die in Slapstick übergehen. Doch es ist eher ein Humor auf Dialogebene: Bissige Seitenhiebe verpackt in französische Eleganz.

Maria ist eine lebensfrohe, positiv denkende Persönlichkeit. Die begnügt sich mit ihrem Status und hofft auf die bessere Zukunft ihrer Tochter. Für genau diese lässt sie sich überhaupt auf ihren recht harten und einnehmenden Beruf als Hausdienerin ein. Ihr Glück erfährt sie durch kleine Dinge: kurzweilige Filme, ein Lied, das zum Tanzen einlädt und die Unterhaltung mit ihren Freundinnen. Als sie unerwartet von ihrer Chefin Anne als vierzehnter Gast zum Dinner hinzugezogen wird, gerät sie mitten in eine Gesellschaft, die ihr nicht fremd ist, aber in der sie nicht wirklich hineinpasst. Schauspielerin Rossy de Palma spielt Maria mit viel Herz. Sie mimt eine nach außen starke, aber nicht selbstbewusste Frau. Ihre Hakennase, die paar Pfündchen mehr auf den Hüften lassen sie im ersten Moment unscheinbar erscheinen. Doch Maria ist eine Person, die auffällt. In MADAME – NICHT DIE FEINE ART bedarf es dafür nur einen Abend.

Die geheimnisvolle Fremde mit ihrem recht plumpen Auftreten bleibt hängen. Vor allem beim Kunsthändler David Morgan, gespielt von Michael Smiley. Eben jenem möchte der in Geldnot geratene Hausherr Bob ein Gemälde verkaufen. Das muss zunächst auf seine Echtheit geprüft werden, was wiederum dauert. Und so wird die Lüge der „feinen Dame Maria“ aufrecht erhalten. Was keiner ahnen konnte: Zwischen David und Maria bahnt sich etwas an – eine Liebe. Doch würde er sich auch noch lieben, wenn er wüsste, wer sie wirklich ist?

Diese Frage steht im Raum. Vielmehr noch: Die Frage darf zunächst gar nicht erst in den Raum kommen – so bleibt alles ein Geheimnis. Zum Missfallen der tatsächlichen feinen Dame Anne, elegant dargestellt von Toni Collette (A LONG WAY DOWN; 2014), erfährt ihre Dienerin während dessen das eine Glück, dass Anne, die eigentlich alles besitzt, schon lange nicht mehr erhielt. Neid kommt auf. Denn zwischen Anne und Bob ist die Luft raus. Auch offensive, wie peinliche Ballungsversuche von Anne stoßen bei Bob auf Granit. Nicht, weil er sie nicht liebt, sondern, weil seine wilder Zeit wohl einfach vorbei ist. Diese Tragik einer Ehe ist auch komisch.

Und so entwickeln sich zwei Frauen, die Hausdame und die Dienerin, in neue Richtungen. Ja, sie nähern sich gar einander an. Freunde werden sie dadurch nicht. Auch keine Konkurrentinnen. Und doch ist es gerade jener Vergleich zwischen den beiden Frauen, der den Rhythmus des Films prägt. Ganz französisch fehlt in diesem durchaus auch romantischen Film das überzeichnet Amerikanische. Es gibt kein Geschnulze, kein großes Drama. Niemand rennt hinter einem Flugzeug her, um seine Angebetete zu gewinnen. Nein, wir erleben hier ein Aufblühen eines Mauerblümchens – ohne, dass diese sich groß verstellen muss. Im Gegenteil: Maria bleibt immer so wie sie ist und wird genau deswegen geliebt. Das ist schön, das ist witzig, das gefällt auf allen Ebenen.

MADAME – NICHT DIE FEINE ART ist ab dem 19.04.2018 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial StudioCanal

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Jörg Gottschling

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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