PLANET DER AFFEN: SURVIVAL (2017)

Das letzte Gefecht zwischen Primaten und Menschen

PLANET DER AFFEN: SURVIVAL von Matt Reeves ist das finale Ende einer Trilogie und gleichzeitig das Bindeglied zwischen den neuen und alten Filmen. Ebenso effektgeladen, wie geradlinig erzählt, ist der Film eine Mischung Rachefeldzug, Selbstfindungsreise und Gefängnisthriller. Einmal mehr dürfen wir hier über modernes Motion Capturing stauen und in eine postAPEokalyptische Welt versinken.

INHALT:

Die Welt ist eine andere geworden: Die Menschen sind stark dezimiert und befinden sich mit dem Rücken zur Wand. Eine neue Mutation bedroht zudem ihre Zukunft. Während dessen ist Caesars (Andy Serkis) Affengemeinde gewachsen und hat sich tief im Dschungel verschanzt. Doch seit Jahren herrscht ein offener Krieg zwischen beiden Völkern. Und obwohl die Offensive von den Menschen ausgeht und sich die Affen in einer Verteidigungsstellung eher um Frieden als um einen Konflikt bemühen, sind es ausgerechnet die Menschen, die diesen Kampf verlieren.

Unter der Führung des Colonels (Woody Harrelson) machen sie erbarmungslos Jagd auf die Primaten. Doch Caesar als strahlender, souveräner Anführer sucht bereits nach neuen Möglichkeiten, sich den Menschen zu entziehen: Sein Sohn Rocket hat weit entfernt hinter einer langen Wüste eine Oase entdeckt, die wie geschaffen für ein neues Zuhause wäre. Doch wie soll man ein ganzen Volk an den feindlichen Truppen vorbeischleusen?

Als dann auch noch eine Soldateneinheit in das Lager eindringt, um den Anführer der Affen auszuschalten und dabei Caesars Frau und Sohn getötet wird, verliert Caesar die Fassung und sinnt nach Rache. Obendrein droht schon eine neue Gefahr: Weitere menschliche Truppen sollen als Verstärkung die ausgedünnten Reihen des Colonels stärken. Den Affen bleibt keine Wahl, sie müssen fliehen.

Und so beschließt Caesar: Während die anderen Affen in die neue Heimat reisen, möchte er sich dem Colonel stellen, um die Truppen abzulenken und den Krieg zu beenden. Es läuft auf ein Duell hinaus, bei dem beide Seiten verlieren. Ist Caesar am Ende doch dem abtrünnigen Verräter Koba ähnlicher als er dachte?

FAZIT:

PLANET DER AFFEN SURVIVAL ist das, was wir erwarten: Die Zeit der großen Gespräche ist vorbei. Es herrscht Krieg. Entsprechend viele Kampfszenen sind enthalten. Doch der Film wird nicht nur seinem Actiongenre gerecht, sondern weiß auch, Kritik zu üben. Kritik an der Gesellschaft. Kritik an denen, die Macht haben und Macht missbrauchen. Gleichzeitig ist er einmal mehr ein Appell dafür, dass ein Volk zusammenstehen muss, um zu überleben. Dafür braucht es jedoch wohl immer einen starken Anführer.

Der Rachefeldzug von Caesar macht den einstigen Helden jedoch schwach – schwächer als jemals zuvor. Die Figurenentwicklung wiederum prägt den Film auf Gute, aber auch auf schlechte Weise. Denn das irrationale Verhalten, ja gar der eigene Kampf mit den Emotionen von Caesar wird zu einem ermüdenden Handlungsstrang. Es ist eine sinnlose Reise ins Verderben. Denn Caesar will es alleine mit den Menschen aufnehmen. Natürlich wird er ungefragt von seinen besten Freunden und einem Mädchen (Nova) begleitet. Und doch wissen wir: Dieser Selbstfindungstrip, diese Reise zum letzten Kampf kann nicht gewonnen werden.

Es liegt entsprechend viel Pathos in PLANET DER AFFEN: SURVIVAL. Es wird gesprochen über Loyalität, Mut, Familie und Freundschaft – über gute Werte, auf die man sich besinnen soll. Der Mensch ist dabei als eine leeren Hülle dargestellt. Er ist ein kalter Stereotyp, ein einfaches Feindbild, das blind seinem Anführer folgt. Ja, dem Affen werden dagegen mehr menschliche Züge zugesprochen. Diese Figuren stehen auch im Vordergrund, während die Seite der Menschen nur noch einseitige, platte Soldaten sind. Das Gleichgewicht dieses Konfliktes in all seinen Facetten war in PLANET DER AFFEN: REVOLUTION noch deutlich ausgewogener und glaubwürdiger.

Doch um den Menschen geht es in SURVIVAL schon lange nicht mehr. Er ist abgeschrieben. Zumindest wirkt es so: Eine seuchenartige Mutation macht ihn ohnehin bald zum Neandertaler.

Doch nur, weil eine Seuche ausbricht, erklärt das noch nicht, warum Menschen ebenfalls wie Vagabunden durchs Land ziehen. Immerhin wäre ein Wohnen in Städten mehr als möglich. Und wo sind eigentlich die Menschen, die keine Soldaten sind? Sind alle Zivilisten ausgerottet? Und wo sind die Frauen?Tatsächlich ist bis auf das Mädchen Nova nicht ein einziges weibliches, menschliches Wesen im Film zu sehen. Bei all den negativ aufgeladenen Werten, die die menschlichen Figuren ausmachen, ist es eigentlich auch kein Wunder, mit welch platter Notlösung die menschliche Bedrohung am Ende zurückgedrängt wird. Aber wir wollen mal nicht zu viel verraten.

Die Geschichte selbst versucht in ihrer Geradlinigkeit die eine oder andere Wendung, gar frischen Wind reinbringen. So wird aus der atmosphärischen Reise durch Wald und Feld (Affen machen sich einfach prima im Schnee), in der sehr stimmungsvoll kaum ein Wort gewechselt wird, bald ein fieses Gefängnisdrama. Das ist wirklich spannend, wenngleich auch stellenweise etwas unlogisch. Warum klettern die Affen eigentlich nicht einfach über die Zäune, wenn über ihnen gar kein Gitter ist? Außerdem wenn Affen so stark, viel stärker als Menschen sind, warum greifen sie die Menschen nicht an? Warum lassen sie sich so plump einsperren. Offensichtlich waren die Affen mit Waffen ausgerüstet und keineswegs wehrlos. Der Twist, dass plötzlich alle Primaten zu Gefangenen wurden, erschließt sich nicht ganz.

Und so locker wie die noch freien Affen vor der Basis herumzuhüpfen und den Ausbruch der anderen planen, fragt man sich zwischendurch, ob die Wachen besoffen in der Ecke liegen. Denn wenn selbst die Kamera, die aus der Position der Basis heraus auf die Affen filmt, diese am Tor der Basis sehen kann, dann sollten die Menschen, die Wache schieben, das auch können. Aber wer weiß. Vielleicht haben einige menschliche Vertreter nicht nur ihr Sprachvermögen, sondern auch ihre Sehkraft eingebüßt.

Aber bei all den inhaltlichen Lücken und Schwächen hat PLANET DER AFFEN: SURVIVAL auch seine guten Seiten. Die liegen vor allem in den Effekten. Die Affen sehen wiedermal großartig aus und fügen sich als computergenerierte Wesen nahtlos in die reale Welt ein. Es macht Spaß sie zu sehen und ihre Entwicklung von Tieren zu höheren Wesen mitzuverfolgen.

Zudem gibt es einige Anspielungen und Andeutungen auf die alte Filmreihe: So sah man schon auf einem der ersten Promobilder endlich die Affen auf Pferden reiten. Außerdem wird von einer neuen Heimat jenseits einer Wüste geredet – Kenner der alten Filmreihe wissen genau, wo diese liegt. Und dann tauchten mit Nova noch ein bekanntes Mädchen auf, das auch in späteren Zeiten noch eine Rolle innehat. Nicht zu vergessen heißt Caesar zweiter, jüngerer Sohn ausgerechnet Cornelius. Wieder eine Anspielung auf einen Charakter der alten Filme. Aber das sind nur ein paar Beispiele des clever eingebauten Fanbonus.

Nicht zu vergessen, weil er in all seiner Albernheit einfach danach schreit, erwähnt zu werden, trifft Caesar kleiner Trupp noch auf einen neuen Affen. Der kann fließend reden, sogar besser als der Anführer und zeigt auch sonst sehr menschliche Züge in all seiner liebenswürdigen Tollpatschigkeit. Mit ihm ist ein Comic Relief erdacht wurden, der ähnlich wie Jar Jar Binks sofort ins Herz aufgenommen oder als abgrundtief störend empfunden werden kann. Ich fand ihn und seine Art in all der Trostlosigkeit und fast depressiven Grundstimmung des Films als heitere Auflockerung sehr erfrischend.

Seine Aufgabe als Bindeglied konnte PLANET DER AFFEN: SURVIVAL insgesamt erfüllen.Okay, die Story hätte an der einen oder anderen Stelle noch ein wenig nachjustiert werden können. Aber sie steuert auf ein zufriedenstellendes, emotionales Ende zu. Auch gelingt es dem Film durch tolle Effekte, eine rasante Handlung und eine stellenweise einnehmenden Atmosphäre zu überzeugen.

PLANET DER AFFEN: SURVIVAL läuft seit dem 03.08.2016 in den deutschen Kinos und ist ab dem 07.12.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Quelle: Pressematerial 20th Century Fox 2017

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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