EIN SACK VOLL MURMELN (2017)

Grausamer Krieg trifft kindliche Leichtigkeit

Mit EIN SACK VOLL MURMELN präsentiert uns der frankokanadische Produzent Christian Duguay einen historischen Film aus der Zeit des zweiten Weltkriegs, in der der Fokus auf den jungen Brüdern Joseph und Maurice Joffo liegt.

Der Film basiert auf der gleichnamigen Autobiographie Joseph Joffos. Und wahrscheinlich ist es auch das, was diesen Film so natürlich und einzigartig macht. Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die in der Zeit des Nationalsozialismus spielen, kriegen wir Zuschauer hier weniger brutale Szenen von dem grausamen Krieg und dem Holocaust mit und umso mehr Eindrücke von der engen Beziehung, die die Brüder verbindet, dem Prozess, in dem sie den ernst des Kriegs realisieren und der Entwicklung eines politischen Bewusstseins.

 

INHALT:

1941: Der Krieg und somit auch der Nationalsozialismus breitet sich immer mehr in Europa aus. Als dann auch Paris besetzt wird, bleibt der jüdischen Familie Joffo nichts anderes übrig, als ihr Leben in der Hauptstadt aufzugeben, sich aufzuteilen und in die nicht besetzten Gebiete zu fliehen. Schweren Herzens lassen Roman (Patrick Bruel) und Anna Joffo (Elsa Zylberstein) ihre beiden jüngsten Söhne alleine Richtung Südfrankreich aufbrechen, in der Hoffnung sie dort wohlauf wiederzusehen. Joseph (Dorian Le Clech) und Maurice (Batyste Fleurial), die zunächst den Ernst der Lage noch nicht so ganz verstehen und das erste mal mit offensichtlichem Antisemitismus konfrontiert werden, begeben sich auf die riskante Flucht. Wir begleiten sie auf ein gefährliches Abenteuer durch Frankreich, das ihre Brüderlichkeit stärkt und sie zwingt, über sich hinauszuwachsen…

FAZIT:

Ich bin ein Fan von Filmen, die sich mit historischen Ereignissen befassen. Als ein nicht wegzudenkendes Medium in der heutigen Zeit sind meiner Meinung nach besonders Filme zur Aufarbeitung und Aufklärung der Vergangenheit sinnvoll und wichtig. Ich habe schon viele gute Filme, die in der NS-Zeit spielen geguckt und immer war da dieses unbeschreibliche, bedrückende Gefühl. Eine Mischung aus Wut, Trauer und vielen anderen Emotionen. Als ich EIN SACK VOLL MURMELN schaute überwogen diese Gefühle nicht, trotzdem wurden der Krieg und seine Konsequenzen zu keinem Zeitpunkt verharmlost oder beschönigt. Der Film verfehlte also seine belehrende Funktion nicht, sondern deutete die Grausamkeit und Brutalität der Nationalsozialisten auf eine Weise an, die trotzdem unter die Haut ging, ohne den Fokus zu verlieren. Es ist nun mal eine wahre Geschichte, die wir Zuschauer vor allem aus der Perspektive des kleinen Josephs erleben.

Die Entwicklung des politischen Bewusstseins der Hauptcharaktere zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film. Joseph und Maurice kommen auf ihrer Flucht mit Widerstandsbewegungen in Kontakt und haben Menschen um sich, von deren Kampfgeist und Mut sie sich etwas abgucken.

Wut, Vergebung, Hoffnung, Trauer und Größe – das Auf und Ab der Gefühle und die Entwicklung der Charaktere wird von den jungen Hauptdarstellern Dorian und Batyste so echt und scheinbar mühelos gespielt, sodass man schnell eine Verbundenheit zu den Protagonisten aufbaut. Und auch das Ensemble um sie herum, die vielen überraschenden Nebencharaktere, wie der jüdische NS-Arzt Dr. Rosen (Christian Clavier), der die Brüder vor der Deportation bewahrt, sowie die liebevollen Eltern beweisen uns einmal wieder: Die Franzosen, die haben es wirklich drauf (und sind uns Deutschen filmtechnisch leider noch um Längen voraus)!

Positiv überrascht hat mich der Film vor allem auch mit den spektakulären Bildern aus den französischen Bergen, den engen Gassen, weiten Meeren und sonnigen Stränden. Solche schönen Bilder und die harmonierenden Farben, die eine angenehme Atmosphäre schaffen, sind nicht das Erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man an einen Film über den 2. Weltkrieg denkt. Aber wir Zuschauer bekommen mit, was Joseph in seinen jungen Jahren gesehen und erlebt hat und das war eine Vielfalt an Eindrücken, Ereignissen und Emotionen.

Die Wahl der Filmmusik ist ebenfalls gelungen. Wie wir es bereits aus mehreren französischen Filmen kennen, wird auch hier auf dezente Klaviermusik zur Begleitung schöner Bilder und emotionaler Szenen gesetzt.

EIN SACK VOLL MURMELN ist ein wertvoller Film, den ich jedem ans Herz legen kann. Er berührt, regt zum nachdenken an und punktet mit herausragenden Schauspielern.

Im Vergleich zu anderen Filmen, die zur NS-Zeit spielen, ist dieser weniger radikal und brutal, was ihn weder besser noch schlechter macht als andere vergleichbare Filme. Es macht ihn einfach auf seine Art besonders.

Am 17. August 2017 erschien der Film in den deutschen Kinos und ab dem 26. Januar 2018 ist er auch als DVD und Blu-ray erhältlich.

von Begüm Karagöz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Weltkino

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Begüm Karagöz

Begüm Karagöz

Seit ich Teil des Filmaffen-Teams bin kann ich meine exzessiven Film- und Serienmarathons endlich mit dem Vorwand sie anschließend rezensieren zu müssen als eine meiner größten Leidenschaften anerkennen lassen und habe auch schon gleich ein besseres Gefühl dabei stundenlang vor'm Bildschirm zu hängen.
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