DOKTOR PROKTORS PUPSPULVER (2015)

Eine Flatulenz an Lebensfreude

 

Pupsen, lachen und ordentlich abheben: Die Kinderbuchverfilmung DOKTOR PROKTORS PUPSPULVER ist voller Fürze in einer kunterbunten Welt. Die infantile Komik eines Sechsjährigen trifft hier auf surreale Charaktere, wundersam-alberne Erfindungen und eine gigantische Schlange namens Anna Conda. Ob das wohl alles ausreicht, um einen ganzen Film zu füllen?

INHALT:

Die kleine Lise (Emily Glaister) lebt in Oslo und ist nicht gerade das beliebteste Mädchen auf der Schule. Ohne Freunde wird sie in ihrer Einsamkeit obendrein auch noch von den Eltern gekonnt ignoriert. Doch sie lebt ein behütetes, aber auch recht langweiliges Leben. Dies ändert sich als ein neuer Junge ins Nachbarhaus einzieht: der kleine Bulle (Eilif Hellum Noraker) ist wirklich nicht der größte, seine Neugier ist jedoch grenzenlosen – ebenso sein Mundwerk.

Mit ihm traut sich Lise auch erstmals auf das Grundstück ihres anderen Nachbarn: einem kauzigen, älteren Mann namens Doktor Proktor (Kristoffer Joner). Als die beiden den verrückten Wissenschafter kennen lernen, merken sie schnell. Das er, entgegen den Gerüchten über ihn, ein toller Kerl ist, mit dem man viel Spaß haben kann. Leider hat dieser tolle Kerl bisher noch nie etwas Brauchbares erfunden – außer vielleicht einem Mittel, dass den Körper für kurze Zeit zum leuchten bringt. Gerade arbeitete der Doktor an einem weiteren Pulver, dass den Körper zum Pupsen bringt. Doch wofür soll so ein Pupspulver schon gut sein?

Angespornt von seinen neuen, kleinen Freunden verbessert er sein Pupspulver: Nun ist es stark genug, um Raketen gleich abzuheben und die weite Welt der Lüfte zu erkunden. Das ruft jedoch auch den schmierigen Erfindern Herr Thrane (Atle Antonsen) und seine zwei Söhne Truls und Trym auf den Plan. Dieser will die Formel für das Pupspulver stehlen und unter seinen Namen patentieren lassen…

FAZIT:

Die Komödie DOKTOR PROKTORS PUPSPULVER basiert auf dem gleichnamigen, ersten Band einer Kinderbuchreihe des schwedischen Autors Jo Nesbø. Wie das Buch so versprüht auf die Filmadaption einen skandinavischen Charme. Und so skurril die Charaktere sind, soviel Wortwitz steckt auch in ihren Dialogen. Das Drehbuch von Johann Bogaeus hält sich dabei weitestgehend an die Vorlage.

Natürlich sollte der Film dem Buch gerecht werden und sich selbst überzeichnen. Das vermag ihn gerade in seiner Bildsprache und seiner farbenprächtigen, kräftigen Bilder zu gelingen. Doch schnell wirkt das Gesamtwerk wie eine monotone Übertreibung ohne Überraschungen. Dabei verstolpert sich DOKTOR PROKTORS PUPSPULVER immer wieder in seine Figuren. So stellen sich Lises Eltern als Inbegriff der Gleichgültigkeit heraus, indem sie ihrer Tocher kaum Beachtung schenken. Und auch Bulles Mutter verhält sich nicht besser. Überhaupt scheint jeder Charakter, selbst die Hauptfiguren, auf nicht mehr als drei Eigenschaften reduziert zu sein. Dadurch wirkt so manche, aufgesetzte Wiederholung, die eigentlich als Pointe dienen soll, wie ein einfallsloses Füllsel ohne Sinn.

Ebenso ergeht es auch dem Humorlevel: Dieses erinnert an die kanadischen Brüder Terrance und Phillip aus der TV-Serie SOUTH PARK und ist ohne Frage für Kinder ausgelegt, die noch in ihrer analen Phase verharren und sich an mächtigen Furzgeräuschen erfreuen. Jede zweite Pointe beginnt mit einem Furz. Ein Pups alleine reicht jedoch manchmal nicht aus, um für Wirbel in den Emotionsschubladen des Zuschauers zu sorgen.

Die große Stärke des Films ist seine verrückte Art. Trotz der realen Welt, in der die Geschichte spielt, scheint alles möglich und, was dem Ganzen dann doch seine Würze verleiht, es muss nichts einen Sinn haben, um trotzdem sinnvoll zu sein. Allein die Möglichkeit, dank eines höchst aktiven Darms fliegen zu können, scheint so absurd, dass alle anderen, spaßigen Unsinnigkeiten, die der Film bietet, in den Hintergrund geraten. Ein Hinterfragen des Unmöglichen kommt dann erst gar nicht auf. Die fantasievolle Welt der Kinder, ist voller komischer Geräusche und hat eben ihre eigenen Regeln. DOKTOR PROKTORS PUPSPULVER folgt diesen Regeln und macht Sonderlinge zu kleinen Helden.

Die schwedisch-deutsche Koproduktion DOKTOR PROKTORS PUPSPULVER ist eine Flatulenz der Lebensfreunde und ein modernes Märchen über Außenseiter, die sich gemeinsam stärken und zu wahre Freunde werden. Ab dem 07.08.2015 könnt ihr den Film auf DVD und Blu-Ray im Handel erwerben.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Universum Film 2015

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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