CATFIGHT (2016)

Frauenkampf im Woody Allen-Gewand

Was zunächst wie ein Zickenkrieg nach Schema X klingt, entpuppt sich als schwarzhumorige Satire auf das heutige Amerika. Regisseur Onur Tukel lässt dabei ein wenig Woody Allen-Feeling aufkommen und liefert einen Film ab, der auch locker als Theater funktioniert hätte. Hierzulande lief der Kampf zwischen Anne Heche (SECHS TAGE, SIEBEN NÄCHTE) und Sandra Oh (GREYS ANATOMY) nicht im Kino und wird am 26. Mai direkt auf DVD & BluRay veröffentlicht. Wir haben es uns im Heimkino gemütlich gemacht und das Werk für euch in Augenschein genommen.

INHALT:

Die erfolgreich verheiratete Veronica (Sandra Oh) und Künstlerin Ashley (Anne Heche) waren sich schon auf dem College nicht grün. Jetzt – 20 Jahre später – begegnen sich die beiden narzisstischen und egozentrischen Ladies auf einer Party und lassen ihre Aversionen in einem blutig-brutalen Kampf mit allen Mitteln aneinander aus. Mit verheerenden Folgen: Veronica landet für zwei Jahre im Koma und sieht sich anschließend mit dem unerwarteten Erfolg der verhassten Künstlerin konfrontiert. Der Auftakt für einen bitterbösen, satirischen (und blutigen) Reigen, der nur Verliererinnen kennt…

FAZIT:

Wie schon eingangs erwähnt, macht CATFIGHTs Story keinen sehr originellen Eindruck und scheint nur einer von vielen Filmen zu sein, der in wenigen Jahren im Sonntagsnachmittagsprogramm unter „ferner liefen“ gezeigt wird. Aber Ätschi- Bätsch: CATFIGHT ist Kino vom Feinsten!

Das Independent-Werk des US-amerikanisch-türkischen Theaterdarstellers, Malers und Regisseurs Onur Tukel glänzt mit bissigem Humor, plakativen wie niederschmetternden Szenen und außergewöhnlicher Spielfreude.

So sehr sich die beiden Hauptfiguren auch hassen, so sehr passt auch die Chemie zwischen den Konkurrentinnen Heche und Oh. Das Leben der Beiden verläuft absolut konträr und bietet eine passende Ausgangslage: Die von Anne Heche gespielte Ashley ist eine Malerin, die nur mäßigen Erfolg hat und sich mit ihrer Partnerin Lisa (Alicia Silverstone; CLUELESS) mehr schlecht als recht über Wasser hält. Veronica hingegen fehlt es an nichts, sie ist mit einem reichen Mann verheiratet und scheint ein idyllisches Leben zu haben. Als sich die beiden nach Jahren eher zufällig auf einer Party treffen, währt die aufgesetzte Freundlichkeit nicht lange:

Beide Frauen sind eigentlich höchst unzufrieden mit ihrem Leben, und so dauert es nicht lange, bis sich die Frust entlädt und ein Kampf mit verheerenden Folgen stattfindet. Ashley prügelt Veronica ins Koma. Zwei Jahre später: Veronica wacht auf, und alles ist anders. Ihr Mann ist inzwischen verstorben, und das Krankenhaus ist gerade in Begriff, ihre lebenserhaltenden Maschinen abzuschalten, da sämtliche Ersparnisse aufgebraucht sind und die Behandlung nicht mehr bezahlt werden kann. Es kommt aber noch dicker. Die USA befinden sich mitten im Krieg und das wehrpflichtige Alter wurde auf 16 gesenkt. Veronicas Sohn wurde während ihres langen Schlafes eingezogen und ist im Krieg gefallen. Kurz gesagt: Sie ist am Ende.

In Ashley ist die Schuldige schnell gefunden. Und gerade bei ihr kann es besser nicht laufen: Ihre Kunst wird dank des Krieges nun endlich verstanden und geht verkaufsmäßig durch die Decke, sie erwartet zusammen mit Lisa ihr erstes Kind und das Glück ist fortwährend auf ihrer Seite. Fortan verfolgt Veronica das Ziel, sich an Ashley zu rächen. Das gelingt ihr auch, und nun fällt Ashley wiederum in ein zwei-jähriges Koma, das auch ihren Absturz zur Folge hat. Auch sie will sich nun rächen, wofür die beiden Frauen aber kämpfen wollen, nachdem sie alles verloren haben, ist ihnen selbst aber nicht richtig klar.

Natürlich klingt das alles sehr unrealistisch, allerdings nutzt CATFIGHT bewusst plakative Wendungen, um dem Zuschauer einen Spiegel vorzuhalten. Wiederkehrende Elemente sind dabei ein wichtiger Bestandteil. Eines davon wäre die Nachrichtensendung, die zwar von der Bevölkerung wahrgenommen, aber nicht wirklich verstanden wird. Stattdessen ruft der Nachrichtensprecher immer wieder „Mr. Furz“ zur Hilfe, der ins Bild springt, einen rauslässt und dann wieder verschwindet, um die Menschen bei der Stange zu halten. In Zeiten von Dschungelcamps, Mockumentarys und Verkupplungsshows absolut realistisch und eine gelungene Karikatur auf unsere heutige Zeit.

Auch die Kämpfe (die übrigens so stumpfsinnig gut choreographiert sind, dass sie Spaß machen) werden immer wieder als Wendepunkt eingestreut, um ein neues Hoch/Tief zu zeigen. Die darin versteckten Botschaften muss jeder für sich selbst entdecken, denn sie sind vielschichtig. Gewalt ist überhaupt eines der Hauptthemen in CATFIGHT. Ashley arbeitet viel mit Rot und zeichnet stark verstörende Bilder, während sie selbst in einer Szene ansässig ist, die sich eher friedlich äußert. Ausgerechnet sie profitiert dann vom Krieg und ist moralisch gespalten, beschert ihr doch ausgerechnet der Krieg großen Erfolg.

Seine ganz großen Momente hat CATFIGHT in den herrlich bissigen Dialogen. Frust steht hier auf der Tagesordnung, vor allem aber Hass auf zufriedene Menschen. Ashley hat ihr Ventil in ihrer Assistentin Sally (herrlich: Ariel Kavoussi), während Veronica so gar nicht mit ihrer Haushaltsgehilfin Donna (Myra Taylor) will. Die beiden unglaublich guten Sidekicks sorgen für extrem viele Lacher, da Ashley, als auch Veronica so viele unsympathische Momente haben, dass man den beiden „Gehilfinnen“ die beste erdenkliche Rache wünscht.

Auch das Setting und die Musik sorgen für ein mittlerweile leider sehr seltenes Großstadt-Feeling á la Woody Allen. Angesiedelt in New York, wird die Künstlerszene zum Mittelpunkt der Handlung. Einen eigenen Soundtrack hat CATFIGHT nicht, vielmehr griffen die Macher auf klassische Stücke historischer Komponisten zurück, die die Szenen gekonnt unterstreichen. Einzig und allein das offene Ende stimmt nicht ganz zufrieden – denn jeder Kampf hat letzten Endes einen Ausgang, für den man sich interessiert.

Wovon CATFIGHT also handelt? Beziehungen, Erfolg, Scheitern. Medienkritik. Kunst. Gewalt. Ach, irgendwie einfach von allem.

CATFIGHT erscheint am 26.05.2017 auf DVD und Blu-Ray.

von Salih Yayar

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Koch Media 2017

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Salih Yayar

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Hey, ich bin Salih, 28 Jahre alt, kinosüchtig und Serienfreund. Große Epen, Sci-Fi und Independent sind mein Ding - also eigentlich alles. Und wenn ich nicht gerade über Multimedia oder Politik diskutiere, versuche ich selber mal etwas auf die Leinwand zu zaubern. Meistens kläglich.
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