THE BOLD TYPE – DER WEG NACH OBEN – Staffel 1 (2017)

Optimistisch-leichte Serienerfrischung

“Ach, so eine kitschige, amerikanische Teenie-Serie“, lautete meine Antwort 20 Minuten, nachdem ich mit der ersten Episode von THE BOLD TYPE angefangen hatte, als eine Freundin mich fragte, was ich gerade schaue. Zehn Episoden später fällt mir dieses zu vorschnell gemachte Urteil nochmal ein, denn die Serie traut sich überraschenderweise an empfindliche, aber besonders wichtige Themen. Ich sitze gerührt von der bisher emotionalsten Szene der Serie vor meinem Laptop und beschließe spontan meine Gedanken und Meinung zu ihr in einer Kritik zusammenfassend niederzuschreiben.

Ums Schreiben geht es auch sehr oft in der US-amerikanischen Fernsehserie der Drehbuchautorin Sarah Watson. Wir Zuschauer begleiten nämlich die drei besten Freundinnen Jane, Kat und Sutton, die für ein bekanntes Frauenmagazin namens „Scarlet“ arbeiten, in ihrem Alltag, in dem kein Platz für Langeweile oder Monotonie zu sein scheint, umso mehr jedoch für Glamour, Partys und Drama.

 

INHALT:

Jane Sloan (Katie Stevens), Kat Edison (Aisha Dee) und Sutton Brady (Meghann Fahy) – ein unzertrennliches Trio bestehend aus drei stets perfekt gestylten, wunderschönen Frauen in ihren 20ern. Sie alle machen Karriere in New York City. Genauer gesagt bei „Scarlet“, einem Frauenmagazin, das wie sich schnell herausstellt mehr Themen, als Fashion und Sex adressiert.

Während Jane als Autorin mit vielfältigen Artikeln Erfolge verzeichnet und über sich hinaus wächst, kümmert sich Kat um die Präsenz des Unternehmens auf sozialen Netzwerken. Dabei trifft sie auf eine besondere Künstlerin aus dem Iran, die mit ihrer unkonventionellen Lebensweise ihr Leben auf den Kopf stellt. Die modebewusste Sutton ist im Fashion-Bereich als Assistentin beschäftigt und gibt sich größte Mühe, ihr Verhältnis zu dem mächtigen Anwalt des Unternehmens, Richard Hunter (Sam Page), zu verheimlichen.

Gemeinsam stellen die Freundinnen sich großen und kleinen Herausforderungen, verarbeiten
Rückschläge und feiern Erfolge… und das wirklich oft.

FAZIT:

Ich habe mich ohne großartige Erwartungen an THE BOLD TYPE gesetzt, denn ich war spontan auf der Suche nach etwas einfacher Unterhaltung für zwischendurch. Schon wenige Minuten nach Beginn der ersten Folge fiel mein erstes Urteil: realitätsfern, kitschig und oberflächlich. Ziemlich spät kam dann die endgültige Einsicht, dass das Urteil zu vorschnell entstand und vielleicht auch etwas zu hart ausfiel.

Ich halte die Serie nach wie vor für unrealistisch. Alles ist so glamourös und nahezu perfekt: von dem Arbeitsplatz der drei Frauen über ihre Kleidung bis hin zu ihrer Chefin. Die Chefredakteurin Jacqueline Carlyle (Melora Hardin) erinnert auf dem ersten Blick zwar an eine strenge, bösartige Chefin á la Meryl Streep in DER TEUFEL TRÄGT PRADA, entpuppt sich jedoch ganz schnell als die verständnisvollste, aufmerksamste Vorgesetzte, die man sich vorstellen kann. Das ihre
Aufmerksamkeit in so einem riesigen Unternehmen mit hunderten von Mitarbeitern in erster Linie den drei Protagonistinnen, allen voran der jungen Jane Sloan, gilt, ist zwar super sympathisch, aber seien wir ehrlich, im echten Leben höchst unwahrscheinlich. Ich mochte ihren berechenbaren Charakter jedoch gerne und habe ihre stets weise wirkenden Worte, auf die fast immer ein cooler Abgang in ihren schicken High Heels folgte, irgendwie genossen.

Die Charaktere sind alles andere als komplex und das empfand ich in diesem Fall tatsächlich nicht mal als störend. So konnte der Fokus umso mehr auf die Themen und Problematiken gelenkt werden, die hier angesprochen werden sollten. Das sind neue Dinge, mit denen sich insbesondere Millenials herumschlagen müssen, wie ausartende Shitstorms bzw. Cybermobbing, aber auch zeitlose Themen, wie Liebe, Rassismus, Feminismus und Sexualität. Wer hier jedoch Tiefsinn erwartet, ist bei THE BOLD TYPE falsch. Viele relevante Angelegenheiten werden angesprochen, ziehen sich allerdings nicht durch mehr als eine Episode.

Die schauspielerischen Leistungen des Trios können sich sehen lassen. Die drei Hauptcharaktere
überzeugen mit ihrer fröhlichen Ausstrahlung und Offenheit. Ihre Motivation und Zielstrebigkeit ist an manchen Stellen sogar ein wenig ansteckend, ihre gute Laune sowieso. So überkam mich nach einer Episode, in der Jane neue Perspektiven und Richtungen als Journalistin erkundigte, nach etwas längerer Zeit wieder die Lust etwas zu schreiben.

THE BOLD TYPE zeugt von einem Optimismus und einer Leichtigkeit bei der Lösung von Problemen, die vielleicht in den meisten Fällen realitätsfern und total romantisiert ist, schafft es aber zwischendurch Punkte anzusprechen, die wir leider auch aus dem echten Leben kennen, z.B. Brustkrebs und sexuellen Missbrauch. Ich schätze das Publikum der Serie größtenteils als jung und weiblich ein und wenn sie es geschafft hat ,auch nur ein junges Mädchen zu motivieren, zum Mammographie-Screening zu gehen oder ein Missbrauchsopfer ermutigen konnte, sein Schweigen zu brechen, es überhaupt in Erwägung zu ziehen, ist sie meiner Meinung nach ein Erfolg.

Das emotionale Finale der ersten Staffel endete mit der Einblendung der Telefonnummer der „National Sexual Assault Hotline“, einer amerikanischen Beratungsstelle für Opfer sexueller Gewalt. In Anbetracht der aktuellen Geschehnisse und der vielen Versuche Missbrauchsopfern ihre Glaubwürdigkeit abzusprechen und sie einzuschüchtern, ist das in meinen Augen ein großer Pluspunkt.

Ob die Serie ihren fesselnden Effekt ihrer erfrischenden Einfachheit und Lebensfröhlichkeit zu verdanken hat oder den abwechslungsreichen Handlungen, weiß ich nicht so genau. Fakt ist: Ich hatte Spaß beim Schauen und beginne gleich voller Vorfreude mit der zweiten Staffel. Wer Lust hat auf eine schöne, unterhaltende Serie, die zu keinem Zeitpunkt langweilig ist und sich vorsichtig an ernstere Themen herantraut, ohne ihren leichten Charakter zu verlieren, wird THE BOLD TYPE mögen. Eine Show, die als weltbewegend und seiner Zeit voraus in die Filmgeschichte eingehen wird, ist hier jedoch nicht zu erwarten.

THE BOLD TYPE feierte am 20. Juni 2017 in den Vereinigten Staaten auf Freeform Premiere und ist seit dem 9. Februar 2018 auch hierzulande in Amazon Prime Video enthalten.

Bewertung:

Quelle: Pressematerial 20th Century Fox

 

Begüm Karagöz

Begüm Karagöz

Seit ich Teil des Filmaffen-Teams bin kann ich meine exzessiven Film- und Serienmarathons endlich mit dem Vorwand sie anschließend rezensieren zu müssen als eine meiner größten Leidenschaften anerkennen lassen und habe auch schon gleich ein besseres Gefühl dabei stundenlang vor'm Bildschirm zu hängen.
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