VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN (2017)

Humorvoll-abgespacter Trip durchs All

Mit VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN setzt der französische Regisseur Luc Besson an seinem kultigen Weltraum-Stil von DAS FÜNFTE ELEMENT an und kreiert eine abgefahrene, rasante Agentengeschichte im Weltraum, die sich hinter den großen Franchise nicht zu verstecken braucht – und doch hinter den Blockbustern des Kinojahres 2017 zurückblieb.

Für mich völlig zu unrecht. Denn der Science Fiction Film, der auf eine erfolgreiche Comicreihe basiert, hat alles, was ein brillanter Vertreter dieses Genres braucht – allerdings auch vieles, was man nicht schon mal gesehen hat. Und vielleicht liegt unfairer Weise genau hier der Knackpunkt.

 

INHALT:

Die Agenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) sind so ziemlich die besten, aber auch die coolsten Spezialagenten, welche die menschliche Regierung zu bieten hat. Ihr Job: Die Aufrechterhaltung der Ordnung im gesamten Universum. Keine leichte Aufgabe. Erst recht, wenn ausgerechnet ein düsteres Geheimnis von den eigenen Leuten ans Tageslicht kommt, das den gesamten Auftrag für alle Zeit gefährden könnte.

Alles beginnt mit einem Traum, den Valerian hat. Darin wird ein wunderschöner Planet und all seine Bewohner zerstört. Was hat es damit auf sich? In der Datenbank ist nichts über diesen Planeten zu finden. Vielmehr noch: Das Wissen darum erfordert eine höhere Sicherheitsfreigabe.

Noch bevor der Draufgänger und Schwerenöter Valerian seinen Visionen nachgehen kann, befindet er sich mit seiner bildschönen Partnerin Laureline auf einer gefährlichen Mission in einer anderen Dimension, um das letzte Exemplar eine Art zu retten und zu sichern.

Diese Mission führt beide letztlich nach Alpha: Die gigantischen Raumstation, die vor Jahrhunderten von den Menschen errichtet und durch die verschiedensten Rassen des Universums erweitert wurde. Sie ist das strahlende Zentrum eines intergalaktischen Austauschs von Wissen, Technologie und Freundschaft.

Doch das scheinbar stabile Bündnis beginnt zu bröckeln. Denn auf Alpha agiert eine Terrororganisation im Verborgenen und bedroht die Regierung. Im Laufe der Ermittlungen verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse: Valerians Traum erweist sich als wirkliches Ereignis. Der Täter ist den beiden Agenten näher als gedacht. Und die Terroristen sind die wahren Opfer…

FAZIT:

Eine Filmadaption der Comicreihe „Valerian et Laureline“ ist schon aus zwei Gründen schwer: Der eine ist die populäre Konkurrenz. Denn auch wenn der erste Band bereits 1967 erschien und es die Abenteuer somit seit ziemlich genau 50 Jahren gibt, so ist das Comic von Zeichner Jean-Claude Mezieres und Autor Pierre Christin relativ unbekannt. Der andere Grund ist noch viel schwerwiegender: Denn Versatzstücke des Comics wurden bereits für moderne Science Fiction-Reihen übernommen. So kommen dem einen oder anderen Zuschauer einige Aliens optisch irgendwie bekannt vor. Und auch der Held ist irgendwas zwischen Luke Sykwalker und Han Solo.

Ja, gerade STAR WARS und STAR TREK scheinen sich frech an einigen Elementen des Comics bedient zu haben. Das ist heute kein Geheimnis mehr und fiel damals nicht wirklich auf. Regisseur Luc Besson, der seit Beginn der Comicreihe bekennder Fan der Geschichten ist, missfiel dieser Umstand schon immer. Ihm war es seit Jahren eine Herzensangelegenheit, das Comic für den Film zu adaptieren. Doch die Technik schien ihm noch nicht ausgeprägt genug zu sein, um diese komplexe Welt darzustellen. Mit AVATAR, der sich im Übrigen auch offensichtlich an „Valerian et Laureline“ bedient hat, kam hingegen eine Möglichkeit für die Umsetzung.

Und wer Bessons Humor kennt, der weiß, dass er auch auf diesen Ideen-Diebstahl eine richtige Antwort hat: Und so baute er in VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN einfach versteckte und offensichtliche Anspielungen auf das gesamte Science Fiction Genre ein. Eine konsequente, richtig starke und saulustige Aktion. Aber genug der Produktionsgeschichte.

VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN dauert über zwei Stunden, lässt uns aber nur kurze Zeit der Eingewöhnung. Alles beginnt mit einem Prolog: Die Menschen haben eine Raumstation gebaut. So weit, so bekannt. Doch die Nationen der Erde schließen sich hier zusammen. Die Station wächst immer weiter. Und bald tauchen auch die ersten Außerirdischen auf. Es ist die Geburtsstunde von Alpha. Einem Ort des intergalaktischen Austausches von Wissen, Rohstoffen und Kulturen. Daraus entsteht eine Art Föderation der Rassen. Ein schöner Gedanke, der im kontrastreichen Gegensatz zu anderen Alien-Filmen steht, in denen immer auch böse Rassen andere versuchen auszurotten. Ein einfacher menschlicher Handschlag als Symbol für Frieden gibt diesem Prolog etwas Emotionales, ja gar Rührendes – und in manchen Fällen lädt er auch zum Schmunzeln ein.

Genug der großen Gesten! Die Agenten Valerian und Laureline haben das Wort – oder lassen vielmehr Taten sprechen: Schon wenige Minuten nach dem Beginn werden wir in eine rasante interdimensionale Mission geworfen, die von der Idee her wirklich irre-genial ist. Sie ist ein erster Hinweis auf die wahre Komplexität dieses Comic-Universums. Dieses hohe Tempo wird, mit kurzen Verschnaufpausen, bis zum Ende gehalten.

VALERIAN ist bunt, laut, voller Effekte und wird ebenso geprägt von einer feingeistigen Ironie wie von einer gesellschaftskritischen Note.

Die Wesen dieser Welt wirken durchdacht. Leider lernt man nur ein Volk wirklichen kennen – und ausgerechnet dieses ist es doch, das die intergalaktische Gemeinschaft vergessen wollte. Hallo Ironie, da bist du wieder! Die Länge, die Geschichte lässt es nicht zu, einen Blick von oben auf dieses Universum zu werfen und das große Ganze, die Verflechtungen der Rassen im Konkreten zu erfassen. VALERIAN dreht sich um seinen Titelhelden, dessen Auftrag, der ihm zum Verrat zwingt und seine verworrene, aber auch platte Beziehung zu seiner bildhübschen Partnerin. Ein Schwerpunkt der funktioniert und den Film rund macht.

Leider entwickelt sich damit VALERIAN auch zu einem typischen Genrefilm, bei dem der altbekannte Knall und der unausweichliche Bumm wichtiger werden als die Handlung. Obendrein ist sich der Film selbst nicht klar, was er alles erzählen möchte: Die Agenten rutschen im Verlauf von einer Herausforderung in die Nächste. Hier eine Rettungsaktion, dort irgendwen aufspühren, dessen Hilfe man kurz benötigt und dann wieder zurück zum Auftrag – die Geschichte wird durch viele kleine Episoden auf gespaltet, die uns der eigentlich Geschichte zwar immer näher bringen, einzelnd betrachtet aber manchmal keine richtig Notwendigkeit besitzen. Alles ist in sich schlüssig, doch sie ziehen den temporeichen Film in die Länge, lassen gar zwischendrin vergessen, was die eigentlich Mission war. Und so fragte ich mich: Würde dem Film die Serienform nicht sogar besser tun? Hat hier mal jemand Netflix angerufen? Ich würde die Serie gucken!

Und in all den großartigen Details und kleinen Geschichten, in denen sich der Film voller Hinwendung, Ironie und Raffinesse verliert, fehlt am Ende die Puste. Der Showdown ist zwar rasant, hat seinen (vorhersehbaren) Twist und führt auf ein feines Ende mit Statement zu. Und doch verliert VALERIAN seinen Fokus. Es ist ein Ende, wie man es gewohnt ist. Ohne große Überraschungen. Schade!

Wir erleben einen bildgewaltigen Film, mit einer faszinierend-detailverliebten Welt, von der man gerne mehr sehen würde. Wir erhalten eine passende Besetzung der Helden und einen etwas humpelnden Schurken, gespielt von Clive Owen. Und wir dürfen uns auf eine wirklich abwechslungsreiche Geschichte freuen. Doch ein Detail wurde zwischen Rettung der Rasse und schnulzigen Hochzeitsplänen letztlich völlig vergessen: Ein Verbrechen der Menschheit ist ans Tageslicht gekommen, doch die Konsequenzen, der mögliche Ausschluss aus der Weltengemeinschaft spielt plötzlich keine Rolle mehr. Wichtiger scheint der heroische Sieg des Helden. Soll es das gewesen sein? Stehen wir hiermit nicht erst am Anfang einer großen Geschichte? Ich hoffe es doch und wünsche mir, trotz der offensichtlichen Ambivalenz, die in mir wohnt, eine Fortsetzung!

VALERIAN – DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN ist seit dem 30.11.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Universum Film

 

Jörg Gottschling

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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