DIE FRAU IN SCHWARZ 2 – ENGEL DES TODES (2015)

Zurück im Moor

Der Gothik-Horrorfilm DIE FRAU IN SCHWARZ war ein Überraschungshit und gilt bei vielen Genre-Fans als eine der atmosphärisch-besten Gruselfilme der letzten 10 Jahre. Die Fortsetzung mit dem recht platten Untertitel „Engel des Todes“ knüpft an die grausamen Ereignisse im Eel Marsh Anwesen an und verlagert die Handlung mitten in die Wirren des zweiten Weltkriegs…

INHALT:
London 1941: Die Hauptstadt des britischen Empires sieht sich dem täglichen Bombardement deutscher Fliegerstaffeln ausgesetzt. Um wenigstens die Kinder wohlhabender Familien aus der Gefahrenzone zu bringen, lassen die Eltern ihren Einfluss spielen und organisieren eine Evakuierung. Gemeinsam mit den zwei Lehrerinnen, Phoebe Fox (Eve Parkins) und Jean Hogg (Helen McCrory), werden sechs Kinder auf das heruntergekommene Ian March Anwesen auf einer Insel im Moor gebracht.

Doch keiner ahnt, dass dieses Haus noch eine viel größere Gefahr für die Kinder darstellt, als es die Bomben der deutschen Wehrmacht jemals könnten. Denn auf der Insel wohnt jemand, der nach den Kinderseelen trachtet: Die mysteriöse Frau (Leanne Best) im schwarzen Gewand findet in Edward (Oaklee Pendergast), dem Einzelgänger, der gerade seine Eltern verloren hat, einen ungefragten Verbündeten…

FAZIT:
DIE FRAU IN SCHWARZ 2: ENGEL DES TODES von Regisseur Tom Harper setzt thematisch an die Geschehnisse des ersten Teiles an, versetzt die Handlung jedoch in die Zukunft: Zeitlich sind 40 Jahre vergangen. Das Dorf in der Nähe des Anwesens ist mittlerweile (fast) komplett unbewohnt und völlig überwuchert von Büschen und Sträuchern. Die Legende um die Frau in Schwarz ist längst in Vergessenheit geraten.

Ausgerechnet Kinder sollen für den Rest der Kriegszeit im Eel Marsh Anwesen wohnen. Dabei haust dort doch die Frau in Schwarz, die als ruheloser Geist den Eltern ihre Kleinen nimmt. Wie auf dem Servierteller präsentiert, scheint es daher nur eine Frage der Zeit, bis das erste Kind das Zeitlich segnen wird. Doch DBDFFJD, so der wahre Name der Frau in schwarz, spielt zunächst noch mit ihren Opfern und sucht sich den kleinen Edward als eine Art Verbündeten heraus. Nur logisch, denn er kann von ihr gar nicht getötet werden, da seine Eltern bereits tot sind und daher durch sein Ableben niemand bestraft werden würde. Dies soll sich im Laufe des Horrorfilms jedoch ändern.

Der Verlust eines geliebten Menschen ist das Leitmotiv von DIE FRAU IN SCHWARZ. Die Fortsetzung greift dieses Motiv wieder auf und verstärkt es durch den Handlungszeitraum mitten im zweiten Weltkrieg. Jede Hauptfiguren hat durch den Krieg bereits Verluste in irgendeiner Form erlitten. Diese prägen den Charakter: Alle möchten so einen Verlust nicht noch mal erleben und wachsen mit diesem starken Beschützerdrang über sich hinaus, würden sogar den eigenen Tod in Kauf nehmen, wenn sie dadurch ihre Liebsten retten könnten.

Nebelschwaden, dunkle Keller, spärliche Beleuchtung und Kinder, die unwissend in großer Gefahr schweben – DIE FRAU IN SCHWARZ 2 gelingt es, die Stimmung von die FRAU IN SCHWARZ wieder aufzufangen. Die Gruselelemente sind subtil und oft schnell vorbei. Einmal mit dem Augen gezwinkert und schon hat man als Zuschauer das Glück, die Frau in Schwarz nicht gesehen zu haben. Doch leider verliert der Film an Grusel durch seine Fülle an Charakteren und seine Lebendigkeit. Ein klarer Kontrast zum Anwesen, dass diesmal noch verfallener daherkommt.

Zudem gibt es mehr Dialoge und leider auch viele unabgeschlossene Themenstränge. Brillierte der Vorgänger noch dadurch, dass die wahren Hintergründe der schwarzen Frau im verborgenen liegen, spielt dieses Mysterium in DIE FRAU IN SCHWARZ 2 nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr verlagert sich die Handlung auf die oft nur angekratzten Hintergrundgeschichten der neuen Bewohner des Anwesens. Zu viele kleine Charaktere wuseln herum, die als Namenlose Kinder ohne eigene Geschichte oder gar einen haftenbleibenden Namen schnell wieder vergessen sind.

Dabei ist es schade, dass gerade die Opfer, die Kinder, nur wenig Fläche bekommen haben, um ihre Figuren mit Inhalt auszufüllen. Sie beschränken sich auf spielen, hänseln, lernen und sterben – das reicht nicht, um genügend Empathie aufzubauen, um ihnen als Zuschauer wirklich nachtrauern zu können. Vielmehr noch sind es gerade die Unsympathen, die von der Rache der Frau in schwarz am härtesten getroffen werden. Der schwarz-humorige Schelm unter den Zuschauer möchte da glatt sagen „geschieht ihnen recht!“.

Obendrein versucht eine verkappte Liebesgeschichte zusätzliche Emotionsebenen des Zuschauers zu aktivieren. Dieses Handlungspart ist wiederum eine Trauma bedingte Lüge aufgebaut. Diese vielschichtigen Elemente in der Handlung setzten auch DIE FRAU IN SCHWARZ 2 zwar von den anderen Genrevertretern positiv ab, wirken in ihrer Fülle jedoch wie ein Ballast unter dem die Atmosphäre des Films leidet. So schleppt sich DIE FRAU IN SCHWARZ gerade in den ersten 30min dahin und kommt nur schwer in Fahrt.

Zäh wird es auch am Ende von DIE FRAU IN SCHWARZ 2. Denn trotz ansprechender Atmosphäre, vor allem in der Bunkerszene, wirkt es leicht konzeptlos: Auf eine gemeinsame Flucht aus dem Anwesen folgt ein Versteckspiel ohne große Folgen, vorauf eine erneute Flucht ansteht, die wiederum zurück zum Eel Marsh Haus führt und letztlich im Moor endet. Das mag wie eine aufregende Verfolgungsjagd klingen, doch das Finale wird durch ruhige, aufatmende Pausen immer wieder gebremst. So ist das Ende weder richtig gut noch richtig schlecht und ebenso wenig abgeschlossen. Es bedeutet eine Rettung auf Zeit ohne die Sicherheit, dass der Alptraum wirklich vorbei ist.

DIE FRAU IN SCHWARZ 2 ist ein Schock, der leise und langsam kommt, dafür aber umso länger nachwirkt: Als Fortsetzung ist der Film durchaus gelungen, wenngleich er sich in seiner Vielschichtigkeit allzu oft verzetteltet und sich keine Zeit lässt, die Handlungsstränge harmonisch zusammenzuführen.

DIE FRAU IN SCHWARZ 2: ENGEL DES TODES ist seit dem 16.07.2015 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich. Neben dem Hauptfilm sind noch herausgeschnittene Szenen und ein Making-Of erhalten.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Concorde Home Entertainment 2015

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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