KOMMISSAR MAIGRET (2016)

Besonnener Ermittler auf Gangsterjagd

Rowan Atkinson ist zurück und zeigt sich als ernster, nachdenklicher und cleverer KOMMISSAR MAIGRET. Seine ersten Fälle liefen im Abendprogramm der ARD und sind auch schon seit Anfang Januar fürs Heimkino erhältlich. Ich habe mir das mal genauer angeschaut. Und soviel vorweg: Der Stil gefällt.

INHALT:

Zwei Folgen von KOMMISSAR MAIGRET sind bereits erschienen. Man kann also mehr von einer kleinen Krimireihe als von einer echten Serie sprechen. Beide Folgen verfolgen einen etwas anderen Ansatz.

Folge 1: „Die Falle“

Ein Mörder treibt nachts sein Unwesen in Pariser Stadtteil Montmartre. Wie einst Jack the Ripper, hat es der Täter auf Frauen abgesehen, denen er auflauert, um sie hinterrücks zu ermorden. Seit Monaten ist die Polizei schon hinter ihm her, doch der Täter macht keine Fehler. Und so bleiben aussagekräftige Spuren aus. Kommissar Maigret ist mit dem Fall beauftragt, doch die Ergebnislosigkeit der Ermittlungen und die zunehmende Zahl der Opfer schürt Kritik an seinem Vorgehen.

Die ganze Stadt ist in Angst und fordert die Gefahr endlich zu bannen. Und so greift Maigret zu einer List, die den Täter aus der Reserve locken sollen. Doch misslingt diese, steht auch Maigrets Karriere auf dem Spiel…

Folge 2: „Der tote Mann“

Ein Mann wird quer durch Paris verfolgt. Auf seiner Flucht vor zwei unbekannten Männern versucht er den Stadtbekannten Ermittler Kommissar Maigret zu kontaktieren und zu treffen. Doch bevor es zur Begegnung kommt, wird der Mann tot aufgefunden. Alles sieht nach einem Mord aus der Unterwelt aus und der Fall scheint abgeschlossen. Doch warum wollte der Mann den Kommissar sprechen?

Zeitgleich werden im Pariser Umland drei Bauernhöfe überfallen und dessen Bewohner brutal ermordet. Maigret wird dazu angehalten seinen Kollegen aus der Provinz tatkräftig dabei zu unterstützen. Doch dem Kommissar geht der Mord des Mannes nicht aus dem Kopf. Eine erfundene Erkältung hilft ihm dabei, heimlich weiter zu ermitteln…

FAZIT:

KOMMISSAR MAIGRET ist eine atmosphärische Krimireihe, die irgendwo zwischen den 1950er und 1960er Jahren in Paris spielt – vom Stil her eine Hommage an den Film Noir. Schon das Intro, mit dem französischen, melancholischen Lied und den Schattenfiguren trägt den Zuschauer in eine frühere Welt, in der die Räder langsamer ratterten und das Leben ein Härteres, aber auf Eleganteres war. Es ist eine Zeit, in der ein gut sitzender Anzug mit dem passenden Jacket in Mode war, aber auch Armut und Arbeitslosigkeit die Städte überfielen. Keine einfache Zeit für einen Polizisten, um verzwickte Morde aufzuklären. Besonnenheit, Vernunft und Geduld waren gefragt.

All das verkörpert Kommissar Maigret, hervorragend besetzt von Rowan Atkinson. Maigret ist klug, aber nicht das Genie eines Sherlock Holmes. Auch bewegt er sich selten ist aristokratischen Kreisen und leitet seine Theorie von Lebenserfahrungen ab, wie Miss Marple. Stets mit der Pfeife im Mund und langsamen Schrittes voranschreitend, überzeugt er vielmehr durch ehrliche, authentische Polizeiarbeit. Und seine größte Kunst ist es wohl, immer zur richtigen Zeit die richtigen Fragen zu stellen.

Auf eine große Vorstellung des Kommissars wird verzichtet. Statt dessen erfährt man im Laufe der beiden Folgen beinahe nebenbei von der Person Maigret und seinem Ruf im Paris. Auch seine innige Beziehung zu seiner geduldigen und verständnisvollen Frau wird deutlich. Interessant ist vor allem, dass er als eine Art lebende Legende, als eine Korephäe seines Fachs angesehen wird, durch seine fraglichen Methoden jedoch auch kritisch beäugt wird – ein Gegensatz, der ihm stets zur Gefahr wird. Denn er widersetzt sich immer wieder stur seinen Vorgesetzten und riskiert bei „Die Falle“ sogar das Leben seiner weiblichen Kollegen. Doch sein Erfolg gibt ihn Recht und so wird ihm sein Ungehorsam nicht nachgetragen.

Die beiden Fälle bewegen sich im Arbeiter- und Immigrantenmillieu von Paris. Die Szenen sind geprägt von dreckigen engen Gassen, renovierungsbedürftigen kleinen Wohnungen und einem schmuddeligen bewölktem Himmel. Ein passender Farbfilter aus Braun und Grautönen unterstützt die Szenerie ebenso, wie der melancholisch-gedankenversunkene Soundtrack.

Mancher mag den Eindruck entwickeln, dass zunächst kaum etwas passiert. Doch genau darin liegt die Kunst der beiden Fälle. Denn statt auf berauschende Effekte, wilde Verfolgungsjagden oder zerreißende Spannung zu setzen, wird der Film von seiner Handlung selbst getragen. Und die besticht durch Realismus und durch eine cleveren, unterschiedlichen Erzählweisen. So weiß der Zuschauer in „Der tote Mann“ oft mehr als der Kommissar, aber eben noch lange nicht alles, um aus den Puzzleteile ein logische Bild zu bauen. In „Die Falle“ sind die Andeutungen hingegen so wage, dass sich erst ganz am Schluss alle Puzzleteile zu einem Ganzen zusammensetzen.

KOMMISSAR MAIGRET ist eins durchweg gelungene und manchmal auch amüsante Krimireihe. Die Figuren sind stimmig, das Handlungen clever verwebt und die Inszenierung passt zur Handlungszeit. Vor allem aber der zurückgenommene, ruhige Erzählstil überzeugt und ist ein angenehmer Ruhepol zu manchen anderen Krimis. Man mag fast sagen, KOMMISSAR MAIGRET ist Balsam für die Seele – wenn nicht so viele schreckliche Dinge darin passieren würden.

KOMMISSAR MAIGRET ist ab dem 09.01.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Polyband 2017

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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