KEINE GNADE FÜR ULZANA (1972)

Katz-und-Maus-Spiel von Apachen und Kavallerie

Der Western KEINE GNADE FÜR ULZANA von Regiealtmeister Robert Aldrich ist eine ruhige Abhandlung über Gewalt und Rassismus. Bedenkt man sein Entstehungsjahr 1972, ist er für einen Western ungewohnt brutal und drastisch in der Darstellung. Auch Folter und Vergewaltigungen werden deutlich thematisiert. Der etwas gealterte Burt Lancaster spielt einen Spurenleser, der mit einem Trupp Soldaten eine Gruppe mordender Indianer verfolgt.

INHALT:

Apachenhäuptling Ulzana ist mit einigen Indianern aus dem Reservat ausgebrochen. Jetzt reitet er Siedler mordend durchs Land. Der junge und unerfahrene Lieutenant De Buin (Bruce Davison) erhält im Fort den Auftrag, mit einer Gruppe Soldaten die Indianer zu finden und aufzuhalten. Ihn unterstützen der Scout McIntosh (Burt Lancaster) und der Apache Ke-Ni-Tay (Jorge Luke) als Berater.

Schnell hat die Gruppe die Fährte der Indianer ausgemacht. Doch die Spur führt sie an einem furchtbaren Tatort nach dem anderen vorbei. Die Indianer töten ihre Opfer auf bestialische Weise und hinterlassen nur Verwüstung. Je länger die Apachen weiterreiten können, desto mehr Siedler werden ihnen zum Opfer fallen. Und der Abstand zu ihnen scheint einfach nicht kleiner zu werden…

FAZIT:

Die Apachen in KEINE GNADE FÜR ULZANA sind brutale Wilde. Sie morden, foltern und vergewaltigen alles, was ihnen über den Weg läuft. Sie weiden die Toten aus und spielen mit den Gedärmen. Sie töten und quälen nicht einmal aus Notwendigkeit. Sie tun es, weil es ihnen Kraft gibt und ein Machtgefühl verleiht.

Der junge Lieutenant, Sohn eines Pastors, kann das zu Anfang noch nicht nachvollziehen. Er kennt nur das Gebot der Nächstenliebe. Das ändert sich im Laufe des Films. Von Bluttat zu Bluttat, die er ansehen muss, wächst auch in ihm der Hass. Und bald erkennt er, dass sich nicht nur Rothäute wie Wilde verhalten können, sondern auch Weiße.

Trotz der widerlichen Taten der Indianer erscheinen sie nicht nur als verabscheuungswürdige Bestien – das ist vielleicht die größte Leistung des Films. KEINE GNADE FÜR ULZANA schlägt sich nicht klar auf die eine oder die andere Seite. Nur selten sieht man die Apachen bei ihren Verbrechen, meist wird lediglich das Ausmaß gezeigt. Dazu bringt die Figur von Burt Lancaster Verständnis für ihre Taten auf, ohne sie zu rechtfertigen: „Indianer zu hassen ist wie die Wüste zu hassen, weil sie ohne Wasser ist. Es reicht, dass ich vor beidem Angst habe“, erklärt er dem Lieutenant. Dadurch entwickelt der Zuschauer nur manchmal, in den Szenen voller Brutalität, Abscheu gegen die Indianer. Daher gibt es auch keine befreiende Auflösung am Ende des Films: Der Tod Ulzanas wird nicht mal gezeigt.

KEINE GNADE FÜR ULZANA ist spannende Unterhaltung mit ruhigem und zynischem Grundton. Die Aufbereitung der DVD ist recht erfreulich: Nicht nur, dass eine alternative Synchronisation der TV-Fassung enthalten ist – auch eine Schnittfassung des Films, die Burt Lancaster erstellt hat, ist bei der DVD mit bei, zwar in schlechterer Qualität, aber immerhin. Außerdem gibt’s den Kinotrailer und eine Bildergalerie.

KEINE GNADE FÜR ULZANA ist seit dem 09.11.2017 auf Blu-Ray und DVD im Handel erhältlich.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media 2017

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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