BARON BLOOD (1972)

Italienischer B-Horror im edlen Look

Mario Bava (gestorben 1980) gilt als Paradebeispiel der goldenen Ära des italienischen Horrorfilms. Zwischen 1960 und 1970 produzierten unsere Nachbarn zahlreiche Slasher- und Gothicfilme, die bis heute eine große Fangemeinde haben. Bava ist einer der Pioniere dieser Zeit. Nun bringt Koch Media eine Collectors Edition seines Spätwerkes BARON BLOOD auf den Markt, die sich auch wirklich so nennen kann.

INHALT:

Als Peter Kleist (Antonio Cantafora) in das österreichische Heimatdorf seiner Vorfahren reist, ahnt er nicht, welches Unheil er damit heraufbeschwört. Denn sein Urahn Otto von Kleist (Joseph Cotten), der als sadistischer Schlossherr im ganzen Land als Blutbaron gefürchtet war, wartet nur darauf, mithilfe eines alten Hexenspruchs zurück ins Leben gerufen zu werden. Nachdem er tatsächlich aufgrund eines tragischen Missgeschicks von den Toten auferstanden ist, setzt Otto in neuer Gestalt alles daran, sein schreckliches Treiben fortzusetzen.

FAZIT:

BARON BLOOD mit unseren heutigen Sehgewohnheiten zu betrachten, fällt schwer. Versteht mich nicht falsch, ich stehe auf Cheesy-Stuff aus den 70ern. Zooms auf Gesichter, schnell gedrehte Informationsdialoge während einer Autofahrt, in der keine Gesichter zu sehen sind oder funky Musiktracks, die gar nicht zum Geschehen passen – BARON BLOOD ist voll davon.

Bavas Werk heute zu bewerten und auf teilweise abstruse Dialoge, schlechtes Kunstblut oder bemühte Schauspieler zu reduzieren, ist einfach. Viel mehr sollte man würdigen, unter welchen Umständen es dem Italiener gelang, das Beste aus seinen Filmen herauszuholen. Dass Bava von zahlreichen Produzenten geschätzt wurde und an über 60 Filmen – davon 30 in Eigenregie – arbeitete, kommt nicht von ungefähr. Zu seinen besonderen Fähigkeiten gehörte nämlich, unter dem Budget zu bleiben, effizient zu arbeiten und trotzdem stilvolle Bilder auf die Leinwand zu transportieren.

In einem späten Interview gab Bava einen kurzen Einblick in seine Arbeit:

„Ich habe einmal ein Drehbuch verfasst, in dem ein Rennen mit einem Ferrari vorkommt. Die Produzenten gaben mir grünes Licht für mein Projekt, besorgten mir letztendlich aber einen Fiat. Anstatt mich zu beschweren – und wir lagen noch unter dem Budget – schrieb ich das Drehbuch dann entsprechend um und drehte den Film ab.“

Auch BARON BLOOD sind deutliche Budgeteinsparungen anzumerken. Zahlreiche Szenen sind im One-Take gedreht, das Kunstblut sieht aus wie Himbeersorbée, die Menschen sterben dämlich und die Maske wirkt billig. Dafür kann der Horrorfilm allerdings mit ganz anderen Werten punkten:

Die Ausleuchtung besonders atmosphärischer Szenen ist Bava-typisch extrem stilvoll. Kaum ein anderer Regisseur wusste, wie ein Licht optimal platziert werden musste. Auch die Kulisse des Schlosses wird wirkungsvoll eingesetzt, ebenso die völlig banalen Dialoge, die zum Charme des Filmes beitragen. Alleine die Szene, in der der entstellte und eben erst wiederauferstandene Baron einen Gesichtschirurgen aufsucht, ist so schlecht, dass sie schon wieder cool ist. Und man merkt, dass sich Bava nicht völlig abspeisen lässt: Musste er an vielen Stellen sparen, setzt er seine akribische Technik in ganz anderen Szenen ein. So drehte er einen ganz normalen Dialog am Flughafen zwischen Peter und seinem Onkel dermaßen aufwendig, dass diese Kameraeinstellung schon als Referenz für seine Arbeit gilt – spielt er während des Dialogs mit Zoom Ins & Outs auf Finger oder andere Gegenständen, dass einem fast schon schwindelig wird.

Auch die Darsteller in BARON BLOOD tragen dazu bei. Antonio Cantafora ist ein gutaussehender Sunnyboy, Elke Sommer darf die hysterische Scream-Queen spielen und Joseph Cotten (CITIZEN KANE) ist das Sinnbild eines ehemaligen Stars, der sich im hohen Alter für allen möglichen Schwachsinn verpflichten lässt. Aber Schwachsinn ist BARON BLOOD ganz sicher nicht, auch kein Meisterwerk – es ist ein gut gedrehter, schlechter Film.

Die Collectors Edition, die Koch Media nun veröffentlicht, verdient den Titel und dürfte Fanherzen höher schlagen lassen. Eine edle Verpackung mit gut geschriebenem Booklet, extrem kunstvollen Cover und Artwork sowie sehr guter Bildqualität und einer Menge Extras ist für einen Film wie BARON BLOOD nicht selbstverständlich. Enthalten sind drei Discs (zwei Blu-Rays, eine DVD), die Platz für die europäische + kürzere US-Version bieten sowie Dokumentationen, Audiokommentare, Interviews und alternative Szenen. Sammler werden großen Spaß damit haben.

BARON BLOOD ist seit dem 22. Juni 2017 als Collectors Edition inkl. DVD und Blu-Ray erhältlich.

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media 2017

Salih Yayar

Salih Yayar

Hey, ich bin Salih, 28 Jahre alt, kinosüchtig und Serienfreund. Große Epen, Sci-Fi und Independent sind mein Ding - also eigentlich alles. Und wenn ich nicht gerade über Multimedia oder Politik diskutiere, versuche ich selber mal etwas auf die Leinwand zu zaubern. Meistens kläglich.
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