Schwammschlacht & drollige, japanische Kuscheltiere

Das Angebot televisionärer Kinderkacke war noch nie so groß wie heute. Die Palette reicht dabei von einem allzeit bereiten Unterwasserkäse, über erfolglose 80er Jahre Muskelprotzneuauflagen bis hin zum drolligen Großaugentier. Der moderne Stubenhocker in Ausbildung bekommt alles geboten, was sein Herz begehrt.

Schon früh am morgen wird die Kleinkinderabteilung von bastelnden Knetbaumeistern, debilen Feuerwehrmännern, Lokomotiven mit fragwürdiger Intelligenz und blauen Hunden mit Hang zu geheimnisvollen Rätseln in den Bann gezogen. Doch dieses zu Recht meist kindgerechte und dennoch irgendwie niveauvolle Programm findet spätestens gegen Mittag ein jähes Ende.

Es beginnt die Zeit der Spardosenplünderer. Eine Zielgruppe, die alles tut, um ihre Lieblingskuschwuschels in Plüsch- und/oder Sammelkartenform zu besitzen. Dass sie dabei stumpfe Teenagehelden ohne Tiefe anhimmeln, merken die von großen Augen und süßen Wuschelpuscheldussel mit Superpuschelpower hypnotisierten Merchandisesüchtigen gar nicht.

Überall findet man zurückgedrängte Handlungen zu Gunsten kommerzieller Spielzeugherstellern, die möglichst wenig Produktionskosten und dafür um so mehr Profit haben wollen. Die Rede ist natürlich von: POKEMON, DIGIMON und YU-GI-OH!, sowie all die anderen Sammelkartenserien.

Dennoch muss man die japanische Zeichentrickindustrie zunächst in Schutz nehmen. Werden doch viele Anime, die einst für „Erwachsene“ konzipiert und produziert wurden, in den wöchentlich RTL2- und mittlerweile auch Nickelodeon- und Viva-Nachmittag in stark geschnittener Form positioniert. Gerade hier ist der Erfolg bei der Jugend fragwürdig und lässt an dieser zweifeln. Denn der normale aufmerksame Zuschauer dürfte spätestens nach der 10. Folge hinreichend viele Lücken finden, die die Story unglaubwürdig oder gar unverfolgbar werden lässt.

Pech haben dann diejenigen Sparscheinplünderer, die bei einer Serie landen, dessen Kämpfe sich über mehrere Folgen erstrecken. So dehnt sich ein Kampf zwischen zwei Kontrahenten über 15 und mehr Folgen aus, ohne das irgendetwas passiert. Einfach deswegen, weil die Schläge zu brutal für die jungen Augen der Generation „Glotze“ sind und daher aus der Serie kindgerecht verbannt wurden. NARUTO SHIPPUUDEN, DRAGONBALL und ONE PIECE sind hierbei nur drei der (frag)würdige Vertreter dieser speziellen Gattung geistiger Banalitäten, die durchaus ungeschnitten für manche Zuschauer Ihren Reiz haben und sich zugegebenermaßen mit einer großen Fangemeinde rühmen können.

Man steht somit auch vor einem nicht unerwähnt bleibenden Kulturkonflikt zwischen asiatischem Erzählstil und westlicher Geldgeierpolitik, dessen Ziel nicht die Bildung der Jugend, sondern die Füllung des eigenen Kontos ist.

Doch auch vor amerikanischen Cartooninvasoren bleibt der deutsche Markt nicht verschont. Angeknüpft an alte Erfolge werden Neuauflagen fast schon antiker Helden aufgelegt. Dass diese glücklicherweise den Zeitgeist der japanophilen Jugend nicht mehr entspricht, spricht wiederum für die Hoffnung auf eine halbwegs normale heranwachsende Generation. Amerikas zweite große Niederlage nach Vietnam manifestiert sich in Serien, wie HE-MAN(2003), EXTREM GOSTBUSTERS, BATMAN OF THE FUTURE, THE BATMAN oder GREEN LANTERN – THE ANIMATED SERIES.

Auch versuche, gerade von Disney, wieder bessere Serie zu etablieren, scheitern nach der Meinung des Filmaffen kläglich. Frei nach dem Motto „neue Helden braucht das Zeichentrickland“ entstanden Serien die zwischen Teenie-Alltagsproblemen und großen Abenteuer stehen wollen, aber im Grunde nur der verzweifelte Versuch sind, zu zeigen, dass auch der Westen noch etwas zu bieten hat. Doch KIM POSSIBLE, PHINES AND FERB oder FILMORE kommen, so innovativ und ansprechend sie auch in manchen Punkten sein mögen, bei weitem nicht an Klassiker, wie DUCKTALES – NEUES AUS ENTENHAUSEN, GOOY & MAX, BONKERS oder PEPER ANN heran.

Letztlich bleiben nur noch schwammgelbe Wochenende voller Blödelsendungen mit Kultfaktor, wie ROCKOS MODERNES LEBEN, CATDOG, COSMO UND WANDA, JONNY TEST, JIMMY NEUTRONund das Flaggschiff moderner Gehirnlosigkeit SPONGEBOB SCHWAMMKOPF übrig, die, einst inspiriert durch die Klassiker LONNEY TOONS und PINKY UND BRAIN, den westlichen Standard heutiger Kindercartoons bilden.

Wie sehr sehnt sich der Filmaffe dann wieder nach den kultigen 80er und 90er Jahre Serien, dessen Inhalt keineswegs besser, aber dessen Aussagen am Ende deutlich pflichtbewusster gegenüber dem jungen Publikum waren. Denn jede Entscheidung hat eben auch seine Folgen. Ein BEN 10 wird jedoch, so frech und vorlaut er ist, nur selten mit Konsequenzen bestraft. Aus großer Macht, folgt schon lange keine große Verantwortung mehr! Der natürlich Leidensweg eines SPIDERMAN ist in der heutigen Zeit aus der Zeichentrickwelt verbannt.

Man erinnere sich, sofern dies überhaupt möglich ist, nur mal an HE-MAN, SHE-RA, oder CAPTAIN PLANET. Bei diesen Serien folgte auf jede schlechte Folge immer eine gute Moral, die Anstand und klumpige Belehrungen über das Leben bot. Auch haben andere Serien, wie WO IST CARMEN SATIEGO oder die ES WAR EINMAL…-Reihe Wissen vermittelt und trotzdem unterhalten.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass früher auch nicht alles super war, aber man sich an dem bisschen Guten von einst doch bitte orientieren sollte. Wie das geht, zeigen uns am Ende doch wieder Fortsetzungen von alten Bekannten: X-MEN: ES GEHT WEITER, DIE AVENGERS, JUSTICE LEAGUE, BATMAN THE BRAVE AND THE BOLD, sowie vor allem der neue TURTLES-Relaunch auf Nickelodeon.

Anmerkung: Dieser Text bezieht einzig auf sogenannte Serie, die unter dem Begriff „Kinderserien“ in den Medien öffentlich betitelt und kommuniziert werden. Deswegen werden beispielsweise die SIMPSONS, SOUTH PARK, FAMILY GUY oder DRAWN TOGETHER hier nicht mit eingebunden.

Jörg Gottschling

Jörg Gottschling

Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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