SILENCE (2017)

Auf der Suche nach dem Glauben

Der Name Martin Scorsese wird unweigerlich mit dem Mafiafilm assoziiert. Kein Wunder, stammen doch Perlen wie GOOD FELLAS oder CASINO von ihm. Ein zentraler Punkt seiner Filme war aber immer sein Glaube. So veröffentlichte er Ende der 80er Jahre einen der umstrittensten Jesus- Filme aller Zeiten. DIE LETZTE VERSUCHUNG CHRISTI wird noch heute von der Kirche verpöhnt. Nun widmet sich der Italo-Amerikaner einem Stoff, den er seit 20 Jahren verfilmen wollte.

INHALT:

1638 brechen Pater Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Garupe (Adam Driver) in das von der westlichen Welt abgeschottete Japan auf, um der Wahrheit hinter den Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Ferreira (Liam Neeson) seinem Glauben abgeschworen hat. Nach ihrer Ankunft erleben sie die brutale und unmenschliche Verfolgung der Christen durch die japanischen Machthaber.

Angesichts der Ereignisse in einer Gesellschaft, die keine Toleranz kennt und in der der Tod an der Tagesordnung ist, stellt sich Rodrigues auf seiner Reise durch das von der Gewaltherrschaft zerrissene Land die Frage: Wie kann Gott zu all dem schweigen?

FAZIT:

SILENCE spricht so viele Themen an, dass es schwer ist, ihn in eine Kategorie zu packen. Deutlich wird Scorseses Kritik an der Missionierungspolitik der Kirche. Zwar stellt er die Anti- Praktiken des buddhistischen Japans äußerst brutal und qualvoll dar (und das in verdammt bildgewaltigen Bildern), bringt aber auch haltvolle Argumente FÜR die Reaktion des Kaisserreichs. Ellenlange Dialoge zwischen dem „Inquisitor“ und dem Missionar Rodrigues stellen dar, wie weit ein säkularisches System von geistlichen Dogmen entfernt ist. Rückschlüsse auf die heutige Zeit sind jederzeit spürbar. Jedoch legt SILENCE nichts offen und verlangt dem Zuschauer einiges ab:

Die Gedankengänge des jungen Paters richten sich an Jesus selbst, sie wirken kryptisch und schwer. Diese Schwere zieht sich auf zweieinhalb Stunden, und so fühlt sich SILENCE auch an. Dabei macht der Film vor allem eins richtig: Er quält den Zuschauer. Denn ähnlich wie die Protagonisten sucht man nach einer Antwort, beginnt zu zweifeln und wird unsicher. Das Schweigen Gottes – SILENCE – ist gegenwärtig.

Oft sind nur Naturgeräusche zu hören, die Musik ist spärlich und zurückhaltend. Aber bei aller Ruhe und Schwere sind es die atemberaubenden Bilder, die Kameramann Rodrigo Prieto eindrucksvoll einfängt, die für ein fast meditatives Erlebnis sorgen. Nachdem Scorseses Hausfilmer Michael Ballhaus verstorben ist, fand er in Prieto einen hervorragenden Ersatz. Selten wurde Folter so ästhetisch eingefangen.

Auch das Ensemble spielt groß auf: Andrew Garfield (HACKSAW RIDGE; 2016), eher bekannt als Spider-Man, bringt eine unglaublich gute Leistung. Man nimmt ihm den naiven, gottesfürchtigen und gebrochenen Jesuiten sofort ab und kann seine Zerissenheit regelrecht fühlen. Aber auch die Nebendarsteller wie Adam Driver (PATERSON; 2016), Liam Neeson (SIEBEN MINUTEN BIS MITTERNACHT; 2017) oder Japan-Legende Issei Ogata tragen einen prägenden Teil zu SILENCE bei.

SILENCE kassierte viele negative Stimmen, der Hauptgrund dürfte der reißerische Trailer sein, der einen schnellen Film versprach. Wer sich jedoch auf ein anspruchsvolles Epos einlassen will und genug Sitzfleisch hat, wird mit SILENCE glänzend unterhalten werden – und das auf einem hohen Niveau.

SILENCE ist seit dem 7. September 2017 auf DVD und Blu-Ray erhältlich.

von Salih Yayar

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Concorde Home Entertainment

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Salih Yayar

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Hey, ich bin Salih, 28 Jahre alt, kinosüchtig und Serienfreund. Große Epen, Sci-Fi und Independent sind mein Ding - also eigentlich alles. Und wenn ich nicht gerade über Multimedia oder Politik diskutiere, versuche ich selber mal etwas auf die Leinwand zu zaubern. Meistens kläglich.
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