FREE FIRE (2017)

Kleine Gaunereien unter komischen Schießbudenfiguren

FREE FIRE ist ein kleiner dreckiger Film mit derben Sprüchen, einer Menge abgeschossener Patronen und einer stimmigen Starbesetzung. Und auch wenn 90 Prozent des Film auf dem Boden kriechend und in Deckung stattfindet, muss sich das Werk selbst nicht verstecken. Es trieft vor Ironie und 70er Jahre Schmalz. Und lebt von einem kultig-verbalen Schlagabtausch.

INHALT:

Zwei Gruppen zwilichtiger, nervöser Gangster treffen sich in einer ablegenen, leerstehenden Lagerhalle für ein Waffendeal. Beide Seiten liegt viel daran, dass dieses illegale Geschäft reibungslos über die Bühne geht.

Doch die Vorzeichnen stehen schlecht: Nicht nur, dass der Gegenseite nur wenig Vertrauen geschenkt wird, werden auch noch andere Waffe geliefert als vereinbart. Und als sich dann auch noch zwei Raufbolde wiedertreffen, die am Abend zuvor eine erste unschöne Begegnung in einer Bar hatten, kommt es zur Eskalation:

Plötzlich verwandelt sich die Lagerhalle in einer Schießbude. Alle liegen auf den Boden und werfen sich provokante Sprüche und heiße Kugeln um die Ohren. Als auch noch eine dritte Partei auftaucht, ist allen klar: Keiner kommt hier unverletzt raus…

FAZIT:

FREE FIRE ist ein dreckiger, fieser Spaß, der sich nicht ernst nehmen möchte. Das beginnt schon in den ersten Szenen: Die Gauner sind unkonzentriert, verhalten sich wie eitle blutige und überhitzte Anfänger, nehmen ihren Job dafür jedoch bitter ernst. Ein irrationaler, ironischer Gegensatz, der sich durch den ganzen Film zieht.

Und es ist wirklich eine absurde Situation, in der die Gauner hineingeraten: Eigentlich hatte niemand diesen Tag so geplant und doch liegen am Ende alle verletzt am Boden. Ach, hätte ihr bloß was anständiges gelernt, möchte man diesen Chaoten zurufen. Doch das würden sie gar nicht hören. Denn sie sind so beratungsresistent, wie sie damit beschäftigt, sich gegenseitig die Birnen wegzuschießen. Dabei wird im Laufe des Films immer deutlicher, dass Loyalität ein absolutes Fremdwort für die Gauner ist. Die Regel: Last man Standing. Der, der als letzter noch da ist, erhält alles – die Waffen, das Geld und sein Leben.

Zwischen Freund und Feind liegen in FREE FIRE wirklich nur ein paar Kugeln entfernt. Die unübersichtliche Lagerhalle macht das alles nicht besser. Friendly Fire ist geradezu vorprogrammiert. Und richtige Buddys sind alle irgendwie ohnehin nicht. Erst recht Brie Larson (RAUM; 2015/ KONG: SKULL ISLAND; 2017) als einzige Frau vor Ort treibt ein richtig durchtriebenes Doppelspiel. Sie hat als Mittelsfrau beide Gruppen zusammengeführt, sie ist auch die Einzige, die bei beiden Seiten bekannt ist. Ungeahnt hetzt sie jedoch zwei Pulverfässer aufeinander, die nicht viel brauchen, um aus einem coolen Geschäft einen abgefuckten Tag entstehen zu lassen.

Die Besetzung ist toll: Neben Larson stehen unter anderen Armie Hammer (NOCTURNAL ANIMALS; 2016), Cillian Murphy (INCEPTION; 2010), Michael Smiley, Babou Ceesay, Sam Riley und Sharlto Copley vor der Kamera. Jeder bringt, trotz der kompakten Kürzen des Films seinen eigenen Charakter oft überspitzt, aber der Story angemessen herüber. Allen voran pachtet Hammer die Coolness für sich. Seine Figur bleibt stets ruhig und besonnen, scheint gar der einzige Profis in dieser inkompetenten Gauner-Kombo zu sein. Schauspieler Ceesay als einziger Afroamerikaner liegt meist still am Boden. Doch auch er erhält einen kurzen Moment, in dem die Weichen in FREE FIRE nochmal umgestellt werden und der ohnehin sehr dicht erzählte, rasante Actionfilm nochmal an Fahrt gewinnt.

Die Kamera ist in diesem Wechsel aus Wortgefechten und Schusswechseln stets dicht im Geschehen. Nicht selten, so kann man aus dem Making of entnehmen, waren gleich drei oder gar mehr Kameras parallel im Einsatz. Das Drehen aus verschiedenen Winkel erzeugt eine dichte Atmosphäre im wahrsten Sinne des Wortes. Denn teilweise liegen die Gauner nicht mehr als zwei Meter von einander entfernt, reiben ihre schicken Anzüge auf dem dreckigen Hallenboden und versuchen hinter Trümmer und Pfeilern mühselig ihre Weichteile zu schützen. Ohne Erfolg, denn FREE FIRE ist wahrlich mit jeder Minute ein weiterer, saftiger Tritt zwischen die Beine.

Die schießwütige Gaunerkomödie FREE FIRE ist ab dem 25.08.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Splendid Film 2017

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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