REGELN SPIELEN KEINE ROLLE (2017)

Hollywoods verrückte Welt

Fast 20 Jahre hat man Warren Beatty nicht als Regisseur gesehen. Nun kommt er mit REGELN SPIELEN KEINE ROLLE zurück, als Drehbuchautor, Regisseur, Hauptdarsteller und Produzent.

 

INHALT:

Der berüchtigte Milliardär Howard Hughes (Warren Beatty; BONNIE UND CLYDE) nimmt gerne junge, hübsche Schauspielerinnen unter Vertrag und verspricht ihnen, meist ohne Einhaltung eben dieses, sie berühmt zu machen. 1958 kommt die junge Apfelblütenprinzessin Marla Mabrey (Lily Collins; TO THE BONE) nach Los Angeles, um auch für Hughes zu arbeiten.

Ihr Fahrer Frank Forbes (Alden Ehrenreich) holt sie vom Flughafen ab. Obwohl beide religiös (sie Baptistin, er Methodist) sind, fühlen sie sich zu einander hingezogen. Das wäre an sich schon schlimm genug, aber zusätzlich ist es Hughes Angestellten strengstens untersagt, etwas mit den Schauspielerinnen anzufangen. Das Drama ist also vorprogrammiert.

 

FAZIT:

Jahrzehnte lang wollte Warren Beatty einen Film über den Milliardär Howard Hughes machen. Vielleicht musste es auch so lange dauern. Wie ein völlig verrückter, reicher Mann ein ganzen Land faszinieren und anwidern kann, können wir gerade wieder miterleben und war deshalb ausgezeichnetes Timing. Bei einigen Szenen kann man deutlich erahnen, welche Person sich Beatty als Inspiration zu Nutzen gemacht hat, um Hughes zu verkörpern Der Name Howard Hughes dürfte dem Kinopublikum schon durch Martin Scorceses AVIATOR geläufig sein. Beatty war fasziniert von der Person, aber es sollte dennoch kein Biopic werden. Sex beziehungsweise die prüde Welt, die nicht damit umgehen kann, sollte auch Thema sein. Für ein Biopic wäre es auch sehr ungewöhnlich gewesen, dass das Erscheinen von Hughes auf der Leinwand fast eine halbe Stunde lang dauert und bis dahin eher Marla und Frank im Fokus stehen. Es ist also eine Art Parabel auf die amerikanische Gesellschaft und wie diese sich hinter scheinbaren Werten versteckt.

REGELN SPIELEN KEINE ROLLE führt die Regeln Hollywoods etwas an der Nase herum. Es scheint so, als ob Beatty je nach Spaß an einer Szene deren Länge bestimmt hat. Auch sind die vielen Charaktere im Film nur mäßig ausgebaut und vertieft. Das betrifft auch die vermeintlichen Protagonisten. Was man allerdings merkt, dieser Film ist durch und durch Beattys. All die anderen sind Deko. Das heißt nicht, dass sie schlecht spielen. Lily Collins liefert eine solide, naive Marla ab und auch Ehrenreich als Frank ist gut. Vermutlich nicht Oscar-verdächtig, aber absolut in Ordnung. Herausragend finde ich Matthew Broderick als Hughes Assistent. Broderick hat so viel Erfahrung am Broadway, dass seine etwas überspitzte Art zu spielen, wie es eine Bühne häufig verlangt, großartig zu seinem Charakter passt. Aber Beatty nimmt sich viel Zeit Hughes zum Leben zu erwecken, obwohl man ihn häufig gar nicht richtig sieht. Er wird von Minute zu Minute verrückter und redet mehr und mehr Unsinn. Beatty hat ihn in der Jahrzehntelangen Recherche wohl völlig verinnerlicht und spielt ihn daher so gut.

Die Stärke des Films ist auf jeden Fall die Kulisse und das Kostüm. Vom Auto bis zum Kleid herrscht Liebe zum Detail und macht daher alles mindestens sehenswert, allein um der Wirkung willen.

Alles in allem hat Beatty vielleicht etwas zu lange an dem Film gearbeitet. Obwohl Hughes der wichtige Charakter ist, ist er doch auch nur das Hindernis für die Liebesgeschichte zwischen Marla und Frank. Oder aber die Liebesgeschichte lenkt von der Lebensgeschichte ab, man weiß es nicht so genau. REGELN SPIELEN KEINE ROLLE ist ein schöner Film, den man sich gut anschauen kann, aber nicht muss.

REGELN SPIELEN KEINE ROLLE ist seit dem 14.09.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Sarah Binder

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial 20th Century Fox Home Entertainment 2017

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Sarah Binder

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Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
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