DEATH NOTE (2017)

Ein Spiel mit dem Tod

Mit DEATH NOTE wagt sich Netflix auf das Minenfeld der Manga-Realverfilmungen. Mit so einem Vorhaben kann man eigentlich nur verlieren. Doch der Film hat mit seiner westlichen Prägung nicht den Anspruch, die japanische Comicgeschichte eins zu eins zu adaptieren. Dadurch mag die Handlung zwar an Substanz einbüßen und die Fans abschrecken. Als Neuinterpretation bietet der Film aber einen guten Einstieg für diejenigen, welche die Vorlage bisher noch nicht kannten.

INHALT:

Light Turner (Nat Wolff) ist ein intelligenter, aber gewöhnlicher Junge, der in seiner Schule kaum auffällt und von seinem Vater James (Shea Whigham), einem Polizisten, alleine großgezogen wird. Eines nachmittags zieht ein Sturm auf, bei dem auf sonderbare Weise ein Buch vom Himmel fällt. Das Buch mit dem Titel „Death Note“ („Todesheft“) birgt eine unvorstellbare Macht: Jede Person, dessen Name in diesem Buch steht, stirbt kurz darauf. Für Light ist das die Gelegenheit, sich an dem Mörder sein Mutter zu rächen.

Das genügt ihm jedoch nicht. Vielmehr findet er gefallen an seiner neuen Bürde: Light hält nun die Macht in den Händen, das Verbrechen der Welt im Keim zu ersticken. Er weiht seine Mitschülerin und baldige Freundin Mia (Margaret Qualley) in das Geheimnis ein und wird als „Kira“ zum unbekannten Todesengel, der von weiten Teilen der Gesellschaft gefeiert und von der Polizei wegen seiner Selbstjustiz gejagt wird. Der junge, aber sehr talentierte Detektiv mit dem Codenamen „L“ (Lakeith Stanfield) nimmt die Fährte auf und wird dabei ausgerechnet von Lights Vater unterstützt.

Doch auch der Tod hat Regeln, viele Regeln. So kann derjenige, der den Name einer Person hineinschreibt, auch bestimmen, was diese Person in ihren letzten 48 Stunden machen soll. Ebenso kann die Art des Todes definiert werden. Und durch das Verbrennen von Buchseiten können Namen wieder gelöscht werden.

Das alles und noch viel mehr wird Light von dem Gott Ryuk (Stimme: Willem Dafoe) erklärt, den er seit er in dem Besitz des Buches ist, sehen kann. Ryuk hat seine eigenen boshaften Pläne und benutzt Light als Marionette. Der Junge ahnt noch nicht, worauf er sich mit der Annahme des Buches wirklich eingelassen hat.

FAZIT:

DEATH NOTE eckt an – vor allem bei den Hardlinern. Denn der Film ist höchstens in den Grundzügen bei seiner Manga-Vorlage. Das Erste, was offensichtlich auffällt: Die Geschichte spielt nicht in Japan, sondern in den USA. Der Film macht keinen Hehl daraus, dass er anders ist, neue Wege geht und sich durch seine rasante Erzählweise viel zu schnell entwickelt. Die Intention des Drehbuch-Autorenteams ist eine andere. Sie möchten einen Film, der kurzweilig unterhält und seine westliche Zielgruppe anspricht. Tatsächlich funktioniert das – macht gar für Zuschauer, die noch nicht so tief in der Materie drin sind, richtig Spaß.

Ein Junge, Typ gewöhnlicher Looser, erhält plötzlich eine Macht, die sein Leben verändert. Die klassische Antihelden-Story, die man etwa aus SPIDER-MAN und KICK ASS kennt. Nur mit einem kleinen Unterschied: Dieser „Held“ tötet, massenweise! Schnelle Selbstjustiz versus weite Maschen der Gerechtigkeit – die Polizei kann nicht jedes Verbrechen verhindern. Aber der Tod trifft jeden. Dank Kira trifft der Tod schneller. Die Frage, um der alles kreist: Sind die Taten von Light/ Kira wirklich gut? Eine Frage, die jeder anders beantworten würde. Für die es keine richtige Antwort geben kann. Light als heranwachsender Teenager muss sich genau dieser Frage stellen, befindet sich jedoch gleichzeitig in einem Stadium seines Lebens, in dem er sich selbst erst einmal finden muss. Ist er Reif genug für seine Bürde? Kann er diese überhaupt kontrollieren? Nein, denn der Dämon Ryuk vergiftet seine Taten – unbewusst wird der Teenager in ein Spiel um Leben und Tod hineingezogen.

DEATH NOTE ist eine düstere Geschichte. Eine böse Geschichte, die durch ein wenig Humor aufgebrochen und mit klassischen Thriller-Elementen aufgeladen wird: Kira wird zum Medienereignis, gar zum Gott der Gerechtigkeit. Die Welt spricht über eine Person, die endlich das Verbrechen von der Erde tilgt. Und die wahren Gesetzeshüter? Sie sind sich uneins. Doch Kira geht immer weiter, viel zu weit. Seine Opfer sind bald auch Polizisten. Und so beginnt die Jagt auf ihn.

Ausgerechnet ein anderer Teenager übernimmt die Leitung der Ermittlung: „L“ – ist ein Supergenie, das in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Doch auch „L“ ist, trotz seines herausragenden Talentes, ein Junge. Auch er hat seinen Platz noch nicht gefunden, hängt gar zu sehr an seinen engsten Freunden. Aus einer objektiven Ermittlung wird für beide Seiten ein subjektives, persönlichen Duell. Die Gerechtigkeit ist nur noch ein Vorwand: Beide sinnen auf Rache. Die Anime-Serie lebt von dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Light und „L“. Davon ist in Netflix DEATH NOTE nur sehr oberflächlich etwas zu spüren. Das liegt natürlich daran, dass die gesamte Handlung in einen Film gepackt wurde. Auch die japanische Realverfilmung des Stoffes hatte dieses Problem.

DEATH NOTE spitzt sich schnell zu. Gerade einmal 101 Minute geht der Film. Doch es gelingt, nur wenige Ruhepausen einzubauen. Das ist gut, sogar sehr nötig. Denn die Story, so wie sie uns verkauft wird, ist schnell erzählt: Auf Nebenfiguren wird kaum eingegangen. Die Täter/ Opfer sind namenlose Austauschbare. Und auf die eigentliche Mythologie, auf der die Geschichte um den Gott Ryuk beruht, nämlich die der Shinigami (japanischen „Todesgötter“ bzw. „Todesengel“), wird nicht einmal eingegangen. Viele Chancen, aus einem schnellen Film, eine tiefgründige Geschichte zu entwickeln, wurden vertan. Das stört nicht nur den Hardliner, den Fans, sondern auch den anderen Zuschauer.

Am Ende ist DEATH NOTE daher nicht mehr als ein unterhaltsamer Mystery-Thriller. In der Rolle kommt er gut an. Weiß zu gefallen. Aber setzt sich eben auch nicht ab.

DEATH NOTE steht seit dem 25.08.2017 auf Netflix zum Abruf bereit.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Netflix

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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