Filmaffografie #4: Meine erste VHS

In diesem Fall musste ich meinen Kopf nicht sonderlich anstrengen. Und obwohl ich den Film in dieser Form leider nicht mehr habe, weiß ich noch ganz genau, dass er der erste Film war, den ich auf VHS erhielt. Also zurück in meinen Kopf und raus mit der Geschichte über meinen ersten Film auf Kassette.

 

Exkurs: Was ist eine VHS?

Für diejenigen, die gerade nicht wissen, worüber ich rede: VHS ist die Abkürzung von „Video Home System“. Das System wurde 1976 in Japan entwickelt und war eine Revolution im Heimkino. Denn nun war es möglich außerhalb des Fernsehprogramms Filme zu schauen. Die VHS war also der Vorgänger der DVD, die Mitte der 1990er diese ablöste. Mit der VHS hatte man jedoch was richtig mächtiges in der Hand: Eine schwarze Plastikhülle, in der ein Magnetband aufgerollt war, auf dem wiederum der Film gespeichert wurde. Um diesen abzuspielen, benötigt man einen VHS-Player. Der war sogar noch klobiger als die Kassette und abgefahren teuer.

 

Zurück zu meiner ersten VHS. Auch die waren ziemlich teuer. 40 DM hat eine Kassette damals gekostet (heute umgerechnet 20 Euro). Diese VHS kam daher sehr unerwartet, denn ich hatte weder Geburtstag noch war Weihnachten. Noch dazu lag sie plötzlich bei mir im Zimmer. Ich muss circa 7 Jahre alt gewesen sein und war verwirrt, denn sie wirkte auf meinem Schreibtisch wie ein Fehlkörper. Dann kam meine Mutter rein und meinte: Die ist für dich. Meine Augen wurden größer. Ich berührte die Hülle, hob den Film hoch. Denn ich wusste genau, was sich darin befand: Es war einer dieser Disney Klassiker, die jeder liebte: DAS DSCHUNGELBUCH. Und der Film kam vor kurzem erstmals in dieser Version auf Kassette heraus.

Auf der Hülle tanzte der berühmte Bär zusammen mit dem kleinen Windeljungen. Balu hielt die Schlange fest im Griff und Panther Baghira sitzt auf einem Felsvorsprung und schaut dem Treiben zufrieden zu. Noch zufriedener und glücklich war ich und flitze mit dem Film sogleich ein paar Stockwerke höher zu meiner damals besten Freundin.

Die war ebenso außer Rand und Band wie ich. Und wir beschlossen, den Film bei ihr sogleich in den Player zu legen. Und los ging es: Ein Junge, der von Wölfen aufgezogen wurde, zum Ziel eines Tigers wird und seinen Platz im Leben sucht. Das war schrecklich, aber durch Balu den Bären und dem Affentanz in der Ruine auch bumskomisch. Wir lachten, wir feierten, wir sangen lauthals mit. Es war einer der schönsten Nachmittage in meiner Kindheit. Schon deswegen, weil ich diesen Film, über den ich schon einiges hörte, auch zum ersten Mal sah. Und dann kam dieser eine Moment, in dem wir gerade bei den Affen waren und alles einstürzte. Der blieb besonders im Kopf. Warum?

Nun, im selben Augenblick kam der Vater von meiner Freundin nach Hause. Noch im Mantel und mit Schuhen betrat er voller Glück und Stolz das Wohnzimmer. Wir schauten zu ihm und seine lachende Mine verzog sich. Denn seine Überraschung war dahin. Was diese war? Er hielt in seiner Hand eine Kassette…eben jene Kassette mit einem tanzenden Bären und dem Windeljungen. Ja, er hatte die selbe Idee, wie meine Eltern – zur selben Zeit, am selben Tag. Nun hatten wir beiden diesen einen Film.

Doch die Enttäuschung war bald vorbei. Er lachte wieder, machte es sich gemütlich und schaute mit uns den Rest an. Was für ein Tag und was für ein lustiger Abschluss, mit dem auch etwas neues begann. Denn DAS DSCHUNGELBUCH war der Anfang meiner großen Filmsammlung.

Und was war eurer erste Film, den ihr ins Regal stellen konntet?

Jörg Gottschling

Moin! Ich bin der Filmaffe. Den Blog hab ich mir ausgedacht. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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Ein Gedanke zu „Filmaffografie #4: Meine erste VHS

  1. Hm, an meine erste eigene VHS-Kassette erinnere ich mich nicht mehr. Allerdings noch an den ersten Videorekorder meiner Eltern. Groß wie eine Waschmaschine (der Recorder, nicht die Eltern…) und beinahe ebenso schwer. Passend zum WaMa-Vergleich handelte es sich Top-Lader, d.h die Kassete wurde oben in das Gerät in eine Art Fahrstuhl (ich bin so gar kein Technikmensch) geschoben, der mit dem Film dann quasi in Recorder „einfuhr“. Wir hatten damals ein echtes High-End-Gerät, will sagen, ein gab bereits eine Art Fernbedienung, allerdings war diese noch per (viel un kurzem ) Kabel mit dem Gerät verbunden. Und schon konnte der Spass beginnen….Leider waren die Eigengeräusche, die der Recorder erzeugte, so laut, dass man den Lautstärkeregler des TV-Gerätes schon beinahe bis zum Anschlag aufreißen musste. Auch littten Bild- und Tonqualität der Kassette bei mehrmaligem Abspielen nicht ganz unerheblich, so dass der Seh- und Hörgenuss des Films im Zeitverlauf nicht unerheblich abnahm. 😊 Aber schön war es doch….😊

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