13 REASONS WHY – TOTE MÄDCHEN LÜGEN NICHT (2017)

Stimme aus dem Jenseits

Netflix geht mal wieder aufs Ganze und verfilmt den preisgekrönte Coming-Of-Age Roman 13 REASONS WHY. Die Geschichte zeigt die Abgründe der heutigen Teenagergesellschaft auf.

INHALT:

Die 17-jährige Hannah Baker hat Selbstmord begangen und ihr Arbeitskollege/Bekannter Clay Jenson, der in sie verliebt war, versteht nicht warum. Bis ein Paket vor seiner Tür liegt, darin sieben Kassetten von Hannah bespielt. Jede Seite einer Kassette dreht sich um einen Grund, der sie in den Selbstmord getrieben hat und jeder Grund ist eine Person.

FAZIT:

Die Romanvorlage zur Serie von Jay Asher habe ich vor circa zwei Jahren gelesen und ich muss sagen, sie ist in der Serie sehr gut umgesetzt. Das Buch geht einem schon Nahe, aber in der Filmadaption ist es noch bedrückender. Der Cast ist relativ jung für Hollywood-Verhältnisse, sodass man ihnen fast die Highschool-Schüler abnimmt. Sie sind alle vielleicht mit etwas zu vielen Tattoos für die Altersgruppe versehen, aber die Schauspieler sind alle überzeugend. Allen voran Katherine Langford (Hannah), Christian Navarro (Toni) und Dylan Minette (Clay). Diese drei nehmen den Zuschauer mit auf eine sehr unangenehme Reise, denn eigentlich möchte man gerne ignorieren mit was diese Generation gerade kämpft. Ich bin sehr froh, dass Produzentin und Für-Immer Teenager Selena Gomez ihre Entscheidung geändert hat, Hannah selbst zu porträtieren. Ich hätte die Serie nicht so ernst nehmen können, wenn der Disney Channel-Star die weibliche Hauptrolle gehabt hätte.

Wie schon das Buch, dreht sich die Serie um Teenager von heute und das Thema Mobbing. Natürlich existiert Mobbing schon lange, wurde nur lange nicht als solches bezeichnet. Wir haben vermutlich alle unseren Teil an Lästereien und Kämpfen in der Schule gehabt. Heute hat Mobbing jedoch eine neue Stufe erreicht. Dank der technische Entwicklung von Handys und Internet kombiniert mit der Hilflosigkeit und Unwissenheit der derzeitigen Elterngeneration, steht die Jugend vor massiven Problemen, die man so nicht erwartet hat. Die Zahl von Jugendlichen, die sich aufgrund von Cybermobbing umbringen, steigt.
Ich habe eine Weile Teenager durch ein Medienmuseum geführt, in dem ein Werk die möglichen negativen Auswirkungen von Instagram aufzeigen wollte. Dadurch kam ich immer wieder in Berührung damit, wie emotionslos und gleichzeitig hasserfüllt Teenager sein können und sich hinter der Abstraktion des Internets verstecken. Hasserfüllte Beiträge und Kommentare auf allen möglichen Social Media Outlets sind die Folge und immer mehr junge Menschen werden Opfer von einer Art Mobbing, dem sie auch durch Umzug nicht entkommen können. Das Internet folgt einem überall hin. Gibt man Selbstmord, Jugendliche und Cybermobbing bei Google ein, wird man überflutet mit Artikel über Jugendliche, die sich als Ergebnis davon umgebracht haben.

Daher finde ich die Adaption fürs Fernsehen wichtig. Die Aufteilung auf 13 Kassettenseiten macht 13 Episoden nur logisch. Während die Geschehnisse im Buch auf eine Nacht beschränkt sind, sind es hier mehrere Tage. Stellenweise schafft das ein paar unnötige Längen. Bei Folge sieben war ich langsam bereit Clay anzuschreien, er solle doch endlich erst einmal die Kassetten fertig hören, bevor er als Hannahs Rächer durch die Stadt zieht. Es hat aber auch Vorteile, dass es sich etwas entzerrt. Die Handlung bietet mehr Platz für Nebencharaktere, besonders Clays und Hannahs Eltern. Die einen trauern um ihr Kind und die anderen machen sich Sorgen, dass auch ihr Kind selbstmordgefährdet sein könnte. Hannah hat auch in der Serie keinen Brief für ihre Eltern hinterlassen und so bleiben sie zurück, ohne Antworten zu haben.

Alles in allem finde ich 13 REASONS WHY/ TOTE MÄDCHEN WEINEN NICHT ein sehr gelungenes Netflix Original, man muss sich aber darauf einlassen. Man muss sich daran erinnern, wie es war, ein Teenager zu sein. Aus einer älteren Perspektive sind einige Gründe schwer nachzuvollziehen, für Hannah haben sie in ihrer Gesamtheit aber eine fatale Wirkung. Ob man nun Teenager ist und diese schwierige Zeit durchstehen muss, oder ein Erwachsener, der mehr Verständnis für die heutige Jugend aufbringen möchte, ist 13 REASONS WHY nur zu empfehlen.

13 REASONS WHY steht ab sofort auf Netflix zum Abruf bereit.

von Sarah Binder

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Netflix 2017

 

Sarah Binder

Sarah Binder

Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
Sarah Binder

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